Burg l So manch ein Architekt oder Landschaftsgärtner wirbt heutzutage Steingärten. Die Gründe: Sie bedienen die kühle Schlichtheit der Moderne und sind vor allem pflegeleicht. Und sie entbinden berufstätige Eigenheimbesitzer von zeitaufwendigen Gärtnerarbeiten. Doch Naturschützer und Gartenexperten warnen vor dem Trend der „Steinwüsten“. Einige Städte haben in jüngster Zeit bereits reagiert: Die Stadt Fulda in Hessen beispielsweise verbietet Schottergärten in Neubaugebieten.

Mit Sorge betrachtet

So weit ist es in Burg noch nicht. Aber auch in der Kreisstadt wird eine Entwicklung hin zu den Steingärten mit Sorge beobachtet. „Ich denke durchaus, dass sich die Schottergärten zu einem Problem entwickeln werden. Auch hier gibt es Neubaugebiete, in denen vermehrt dieser Trend aufgegriffen wurde“, sagt Wieland Günther, Grünflächenexperte der Stadt Burg.

Für ihn ist es besonders wichtig, dass genügend Aufklärungsarbeit geleistet wird. „Schottergärten sind nicht gut für das Klima der Stadt, sie reflektieren die Hitze ganz anders als Grünflächen und es wird wärmer“, so Günther weiter.

Negative Effekte

Negative Effekte von Steingärten sieht auch Gartenbauexperte Dr. Udo Vogt. „Wenige bis gar keine Pflanzen verringern den Lebensraum für die hiesige Tierwelt, so dass die Artenvielfalt leidet.“ Als Betreiber eines Blumengeschäfts und studierter Gartenbauer achtet Vogt in Burg besonders auf die Entwicklung der Gärten. Ihm sei bereits aufgefallen, dass auch in der Kreisstadt Hausbesitzer in Neubaugebieten auf den Trend setzen. Dabei sitzen sie durchaus einem Vorurteil auf: Schottergärten seien nicht wesentlich pflegeleichter als ein normaler Garten, da die Steine schlecht zu reinigen seien und Laub nicht gut entfernt werden kann. „Einen gut angelegten Staudengarten schätze ich als mindestens genauso pflegeleicht ein. Diese sind aber wesentlich besser für die Artenvielfalt und Insekten“, sagt Vogt.

Und ein weiterer Aspekt ist für ihn wichtig: „Der Aufwand kann sehr groß sein , wenn der Schottergarten doch wieder zu einem normalen Garten werden soll. Es ist möglich, dass erst wieder Mutterboden neu ausgelegt werden muss. Außerdem muss dafür gesorgt werden, dass das Regenwasser abfließen kann. Das muss bautechnisch beachtet werden.“

Keine Schritte geplant

Konkrete Schritte gegen die Steingärten sind in Burg trotz der Entwicklung bisher nicht geplant, sagt Pressesprecher Bernhard Ruth auf Nachfrage der Volksstimme. Dazu sei der Trend nicht massiv genug. Es sei dem ländlichen Umland geschuldet, dass in Burg noch nicht so viele Schottergärten entstanden sind wie in anderen Städten, so Ruth. Dennoch bleibt das Thema im Blick: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass darüber in Zukunft disku- tiert wird“, sagt Ruth. Denn: „Natürlich sind Themen wie der Umweltschutz immer präsent.“

Auch der Vorstand vom Verein der Burger Gartenfreunde empfiehlt als pflegeleichte Alternative das Anpflanzen von Stauden. Diese seien wesentlich besser für die heimischen Insekten, so Vorstandsmitglied Lutz Blankenburg. Er selbst habe einige Stauden angepflanzt – auch für seine Bienen.

Ebenfalls im Vereinsvorstand und überzeugt von einem natürlichen Garten, ist Christa Seidel. „Ein Garten, bei dem schon die Gewächse die Jahreszeiten anzeigen, ist doch toll. Schotter ist dagegen langweilig. Diese Art des Gartens ist für mich ein absoluter Widerspruch in sich“, so die Burgerin.