Burg l Oskar und Paul sind ein richtiges Team. In der Kita „Kinderparadies“ in der Burger Siedlung hämmern sie mit ihren Spielzeugwerkzeugen schon wie die Großen und haben beim Basteln mächtig Spaß. Sie ahnen natürlich nicht, dass sie und die anderen knapp 1300 Kinder im Mittelpunkt der politischen Diskussion stehen werden. Denn die Stadt plant, die Gebühren für ihre Betreuung anzuziehen.

Personalkosten gestiegen

„Der Schritt ist mittlerweile unumgänglich“, sagt Kämmerer Ringo Schieck. So sei die Schraube seit sechs Jahren nicht nachgezogen worden, „während allgemeine Kosten sowie Betriebs- und Personalkosten teilweise deutlich gestiegen sind“. Mit der nun neuen Kalkulation müsse die Stadt darauf reagieren, sagt die zuständige Sachgebietsleiterin Simone Lüngen. Die aktuellen Beiträge, die von den Eltern entrichtet werden, deckten die tatsächlichen Kosten zurzeit nur in einer Höhe von etwa 33 Prozent. Deshalb werde nun eine Deckelung des Defizites von 50 Prozent für den Krippen- und Kitabereich sowie 45 Prozent für den Hort angestrebt. Die Verwaltung müsse reagieren, weil sich die Schere zwischen tatsächlichen Kosten und Gebühren immer mehr geöffnet habe.

Mit Augenmaß handeln

Das heißt in Zahlen: Derzeit kostet beispielsweise ein Krippenplatz 1070 Euro im Monat. Abzüglich der Zuwendungen von Land und Landkreis steht eine Summe von 446 Euro auf dem Papier. Während die Eltern 154 Euro zahlen, beträgt das Defizit 292 Euro. „Daraus ist auch ersichtlich, dass wir niemanden ärgern wollen, sondern mit Augenmaß handeln müssen“, sagt Simone Lüngen. Die Gespräche in den Kuratorien der elf Einrichtungen seien überwiegend verständnisvoll und konstruktiv verlaufen. „Viele Eltern haben auch gesehen, dass wir die Gebühren nicht zum Selbstzweck erhöhen, sondern auch, damit wir in Zukunft weiter in die Einrichtungen investieren können“, versichert Lüngen.

Dies ist auch für den Vorsitzenden des städtischen Finanzausschusses, Otto Voigt (SPD), ein entscheidender Grund, der Verwaltung zu folgen. „Wir können keine Freudensprünge erwarten, müssen aber die Stadt finanziell auf Sicht fahren. Deshalb ist eine Gebührensteigerung, so schmerzlich sie für den Einzelnen ist, auch verantwortungsvoll.“ Nur so sei gesichert, dass die Stadt weiter Geld in die Kindereinrichtungen stecken könne. „Im nächsten Jahr ist dann auch die Kita ,Burattino‘ an der Reihe.“

Niveau auch in Zukunft halten

Bevor die Fachausschüsse und der Stadtrat ihr Votum dazu abgeben, sind jetzt die Ortschaftsräte an der Reihe. Parchaus Dorfchef Lutz Wernecke signalisierte seine Zustimmung. „Wir können damit nicht punkten, müssen aber die gesamtwirtschaftliche Lage der Stadt im Auge behalten. Es wurde bereits viel Geld in die Kitas investiert, und dieses Niveau sollten wir auch in Zukunft halten.“ Bauchschmerzen bereite jedoch die Steigerungen im Krippenbereich. „Möglicherweise können wir noch Abfederungen erreichen“, sagte Wernecke.