Burg l So hoch sind die Zahlen noch nie gewesen, seit Mitte März der erste positive Corona-Test im Jerichower Land registriert wurde. In den vergangenen sieben Tagen sind 35 Menschen positiv auf das Virus getestet worden. Vor allem zwei Hotspots sind dafür verantwortlich. Als Hotspots werden Geschehen beschrieben, bei denen mindestens zwei Fälle im Zusammenhang stehen.

Erster Hotspot ist eine Studienfahrt der Theologischen Hochschule Friedensau. Eine internationale Gruppe Studenten verbrachte Anfang Oktober zusammen mit Lehrkräften fünf Tage in Göttingen. Zehn positive Tests sind bislang die Folge. „Busfahrten über mehrere Stunden können auch ein Risiko darstellen“, sagte Amtsarzt Dr. Henning Preisler. Möglicherweise könne auch nicht sichergestellt werden, dass die Masken die gesamte Zeit aufbehalten werden, daher rate der Landkreis von solchen Busfahrten ab.

15 Fälle bei Klassentreffen

Die zweite Häufung ist bei einem Klassentreffen in Gerwisch aufgetreten. 15 Fälle stehen damit im Zusammenhang. Amtsarzt Preisler warnt eindrücklich vor Feiern in geschlossenen Räumen. Sie seien ein potenzieller Treiber des Infektionsgeschehens. „Mit steigendem Alkoholkonsum werden auch die Regeln nicht mehr beachtet“, sagte er. Nach wie vor gelte die AHA-Regel für Abstand, Hygiene und Alltagsmaske, in geschlossenen Räumen um das L für Lüften erweitert.

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Landrat Steffen Burchhardt (SPD) nimmt die Entwicklung ernst, relativierte die Lage aber auch im Gespräch mit der Volksstimme. „Wir sind immer noch einer der Landkreise mit den geringsten Fallzahlen“, sagte er. Auf der anderen Seite sei nun auch der Wert von 35 Fällen pro 100 000 Einwohnern überschritten. Die Verordnung des Landes sieht vor, dass dann über weitere Eindämmungsmaßnahmen nachgedacht wird.

Veranstaltungen noch nicht abgesagt

Burchhardt hatte vor dem Gespräch mit der Volksstimme ein Telefonat mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der seine Unterstützung angeboten hatte, ein Telefonanruf bei Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) stand noch aus. Der Landrat will aber nicht in Aktionismus verfallen. „Es ist doch sicherlich von Vorteil, dass sich die Steigerung auf zwei Hauptereignisse bezieht und nicht zehn Geschehnisse nachkontrolliert werden müssen“, sagte er. Das mache das Unterbrechen der Infektionsketten doch möglicherweise einfacher. Wenn man das schaffe, könnte die Inzidenz in vier Tagen schon wieder gesunken sein. Er möchte die Bevölkerung jedenfalls nicht mit einer Allgemeinverfügung konfrontieren, die Einschränkungen mit sich bringt, die dann wenige Tage später wieder zurückgenommen werden.

Stattdessen setzt er auf die Sensibilisierung der Bevölkerung. Das sei letztlich auch nachhaltiger. So könne auch noch nicht die Rede davon sein, dass Großveranstaltungen abgesagt werden. „Wir müssen die Entwicklung im Auge behalten“, so Burchhardt.

Schulen und Kitas brauchen Schutz

Wichtig seien in erster Linie auch nicht die Veranstaltungen, meinte Preisler. „Wir müssen vor allem dafür sorgen, dass das Infektionsgeschehen nicht auf die wichtige Infrastruktur übergreift. Pflegeeinrichtungen müssten geschützt werden, ebenso wie Schulen und Kindertageseinrichtungen. Mit denen würden auch immer Erwachsene in Verbindung stehen, die dann möglicherweise nicht zur Arbeit gehen könnten.

Noch sind auch nicht alle Tests vorgenommen worden. Etwa 20 Tests stehen im Zusammenhang mit Friedensau noch aus. „Dann gab es auch noch zwei Einzelereignisse“, sagte Preisler. In der Loburger Kindertagesstätte wurde eine Mitarbeiterin positiv getestet. Da nun sämtliche Mitarbeiter und eine Kindergruppe untersucht werden müssen, ist die Einrichtung für zwei Tage geschlossen. Außerdem hat es einen Positivfall an der Sekundarschule „Carl von Clausewitz“ in Burg gegeben. Dort müssen zwölf Kontaktpersonen getestet werden. Insgesamt befinden sich derzeit 220 Personen im Jerichower Land in Quarantäne, ebenfalls ein Rekordwert.

Viele Menschen sind verunsichert

Das bedeutet auch Mehrarbeit für das Gesundheitsamt. „In dieser Situation sind natürlich viele Menschen verunsichert und rufen dort an, die Telefone laufen heiß“, sagte der Landrat. Zur Unterstützung bei den Tests hatte der Landkreis Kooperationsverträge mit niedergelassenen Ärzten geschlossen. Etwa ein Dutzend Mediziner konnten somit Tests übernehmen. Allerdings seien manche von ihnen nun auch im Herbsturlaub. Und man kann die Vertretung nicht dazu zwingen, auch die Corona-Tests zu übernehmen“, sagte Burchhardt. Außerdem stehe man in Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung, ob wieder eine Fieberambulanz öffnen könnte.