Burg l Bernhard Hechel kann sich über sein Familienidyll im Verein Lerchengrund an der Zibbeklebener Straße in Burg jeden Tag aufs Neue freuen. Zwischen Nutz- und Erholungsgarten aufgeteilt, bieten die rund 350 Quadratmeter eine ideale Größe. Die Anlage am Stadtrand hat ihren Reiz, von den 50 Parzellen sind 49 vergeben. Auch wenn der Garten nach vielen Pachtjahren gepflegt und irgendwie fertig scheint, „gibt es immer was zu tun. Langeweile kenne ich nicht“, sagt Hechel.

Natürlich. Er ist ja auch Präsident des Kreisverbandes der Gartenfreunde Burg. Und wenn der eigene Garten nicht gerade im Mittelpunkt steht, dann ist es eben die Verbandsarbeit, die jetzt, nachdem die Corona-Lockerungen greifen, wieder richtig durchstartet – mit vielen Telefonaten und persönlichen Gesprächen. Denn die Pandemie hat viele Leute wieder dazu gebracht, mit einem Kleingarten zu liebäugeln. Wie viele es genau sind, kann Hechel noch nicht beziffern. „Aber es gab in den zurückliegenden Wochen in zahlreichen Vereinen vermehrt Nachfragen, ob Gärten zu vergeben sind. Das wollen wir jetzt analysieren und mit den Vorständen darüber reden“, sagt der Kreischef. Er hat grundsätzlich Verständnis, dass die eigene kleine Parzelle wieder in Mode kommt. „Viele Leute wohnen in Neubauten oder Mehrfamilienhäusern ohne Grundstück. Sie suchen nach den Corona-Einschränkungen Alternativen für die Freizeit.“

Gärten werden nicht wahlos vergeben

Allerdings würden keine Gärten wahllos vergeben, nur damit die Leerstandsquote sinke. „Wer sich für einen Garten entscheidet, muss sich dafür richtig interessieren, auch Hand anlegen und die Vereinsarbeit mitgestalten wollen“, schränkt Hechel ein. „Es ist ein Geben und Nehmen.“ Niemandem sei geholfen, wenn die einen oder anderen Neu-Gärtner nach einigen Wochen wieder das Handtuch werfen, weil sich die persönlichen Vorstellungen nicht mit der Realität und dem Vereinsinteresse deckten. Mit Hals-über-Kopf-Aktionen werde sich am Problem des Leerstandes kaum etwas ändern, ist sich Hechel sicher. Denn die Zahlen sprechen für sich: Von den insgesamt 2000 Parzellen des Kreisverbandes stünden rund 400 leer – Tendenz steigend. Hinzu komme der hohe Altersdurchschnitt in den Vereinen selbst, der in den kommenden Jahren weitere Kündigungen erahnen lasse.

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Klar sei deshalb, dass die verhältnismäßig hohe Anzahl an Kleingärten dauerhaft keinen Bestand haben werde. Vereine, die eine intensive Vorstandsarbeit leisten, für ihre Sparte werben und mit dem Kreisverband fachlich zusammenarbeiten und wo die Chemie zwischen Jung und Alt stimme, würden weiter existieren, andere, wo vieles dem Selbstlauf überlassen werde, dagegen nicht. Das weiß auch die Stadt als großer Verpächter von Flächen. Sie lässt derzeit von einem Ingenieurbüro ein Kleingartenentwicklungskonzept erarbeiten, das den Zustand der Anlagen, die Vereinsarbeit, den Leerstand und die weitere Entwicklung der jeweiligen Anlagen unter die Lupe nimmt und Befragungen durchführt. Auch der Kreisverband leiste dafür seinen Beitrag. „Denn es ist auch in unserem Interesse, ein aussagefähiges Papier für die Zukunft zu erhalten“, sagt Hechel. Das allerdings werde noch für Gesprächsstoff sorgen. Schon deshalb, weil die Vereine im Falle eines Rückbaus von Gartenflächen weder personell noch finanziell in der Lage sein würden, diese Abbruch- und Aufräumarbeiten zu stemmen. Die Diskussion darüber könnte schon 2021 aufflammen, wenn sich der erste Verein in der Stadt bis zum Jahresende aufgelöst hat – nämlich Rodelbahn. Von den 39 Parzellen sind rund zwölf noch bewirtschaftet. In allen anderen sprießt das wilde Grün bereits sichtbar hervor. Die Zukunft dieser Fläche ist besiegelt. Dort sei auch der Altersdurchschnitt besonders hoch gewesen. Ob das Areal später einmal für Bauwillige zur Verfügung gestellt werden kann, „ist jetzt noch nicht abzusehen“, sagt Pressesprecher Bernhard Ruth. Fakt sei aber, dass die Stadt Bauplätze zur Verfügung stellen wolle.