Burg l Politik, Verwaltung, Organisation – das klingt nicht auf Anhieb nach den spannendsten Feldern, mit denen man sich beruflich auseinandersetzen kann. Erst recht nicht in der Kombination. Doch Hannah Gehrmann will genau das in Potsdam studieren. Derzeit absolviert die 19-Jährige ein Praktikum im Landratsamt, erstmals auch im Zuständigkeitsbereich des Landrates. Und im Gespräch mit der Volksstimme erklärte die muntere Jerichowerin, warum diese Kombination so überhaupt nicht langweilig sein muss.

Ein ungewöhnlicher Weg

Zum Praktikum kam sie auf einem ganz ungewöhnlichen Weg. Sie ist engagiert im Landesverband der Interessengemeinschaft Jugendweihe und hatte so mit Landrat Steffen Burchhardt (SPD) im Mai die erste persönliche Begegnung, als er in Burg als Festredner auftrat. Zum zweiten Mal traf sie ihn, als er im Genthiner Bismarck-Gymnasium die Abiturrede hielt – Hannah gehörte zu den Absolventen. Da fasste sie sich ein Herz und sprach ihn auf ein mögliches Praktikum an. Es waren genau diese beiden Dinge, die Burchhardt gestern hervorhob: „Mich beeindruckte, dass ein junger Mensch sich so engagiert einbringt und der Mut, mich einfach anzusprechen“.

Gesteigertes Politikinteresse

Hannah Gehrmann war am Gymnasium auch Klassen- und Schülersprecherin, merkte bei vielen Gelegenheiten, dass ihr die Organisation Spaß macht und auch liegt. „Für Politik habe ich mich schon immer interessiert“, fügte sie hinzu. Ganz intensiv habe das allerdings erst nach einem Austauschjahr in Schweden angefangen. „Die Organisation Youth for Understanding legt da einen besonderen Fokus drauf“, erzählte sie. Doch nicht nur ein gesteigertes Politikinteresse brachte sie aus Skandinavien mit, sondern auch Sprachkenntnisse. „Mein Schwedisch hat allerdings einen ganz furchtbaren Akzent“, klagte sie. Allerdings keinen deutschen, sondern einen südschwedischen.

Pluspunkte gesammelt

Und die neue Sprache konnte sie tatsächlich auch gleich während des Praktikums anwenden. Nicht im Alltagsgeschäft, sondern bei einem Vorstellungsgespräch. „Wir hatten eine Bewerberin, die angegeben hatte, schwedisch zu sprechen“, erklärte der Landrat. Da habe er Hannah Gehrmann gebeten, doch mal eine Frage auf Schwedisch zu stellen. Das machte die prompt und sammelte durch ihre Spontaneität weitere Pluspunkte.

Eine Menge Punkte hatte sie auch zum Abitur gesammelt, machte das beste Deutsch-Abitur, war mit einem Gesamtschnitt von 1,2 Zweitbeste ihrer Schule. Doch Allüren hat sie dennoch überhaupt keine. Und wenn sie von ihrem Austauschjahr in Schweden erzählt, dann kann sie sich auch für vermeintliche Kleinigkeiten begeistern. „Ich habe mit Prinz Daniel in der selben Halle bei einem Spiel der Frauen-Handball-Europameisterschaft gesessen“, erinnerte sie sich freudig.

Eine Menge Hände geschüttelt

Und ganz ernsthaft hat sie sich in ihrem Praktikum auch näher mit der Verwaltung und ihrer Rolle beschäftigt. „Hier kann man etwas bewegen, Probleme beheben, Prioritäten setzen, das ist unheimlich spannend“, zählte sie auf. Eine Menge Hände habe sie geschüttelt, sei viel mit dem Landrat oder dem Beigeordneten Thomas Barz unterwegs gewesen, habe viel erklärt bekommen. „Wenn man merkt, dass jemand interessiert ist, nimmt man sich ja auch gerne die Zeit“, lobte Burchhardt und machte ein Angebot: „Wenn das mit dem Studienort Potsdam nicht zusagen sollte, wir haben auch die Möglichkeit des dualen Studiums für die Verwaltung“.