Burg l Nach Neuschnee am Wochenende zeigt sich der Morgen von seiner kühlen Seite. Eine weiße Decke ziert die Kirche in Niegripp, und auch die Straßen sind noch nicht ganz vom Weiß befreit. Mitten in der grellen Umgebung stehen zwei Herren, die mit leuchtendem Gelb auffallen: Die Regionalbereichsbeamten Frank Eismann und Niels Haferland achten bei ihrer Streife auf Fehler und Widrigkeiten im Straßenverkehr.

Ein blaues Auto fährt, die Geräusche gedämpft vom Schnee, die Kirchstraße hinunter. Frank Eismann winkt den Fahrer raus. Die Tür öffnet sich, eine junge Frau steigt aus. „Einen schönen guten Tag, ich hätte gern einmal ihren Führerschein gesehen“, sagt der Beamte. Eingepackt in Handschuhe und Schal sucht die Frau nach ihrem Führerschein. Der Polizist weist auf die Schneedecke auf dem Autodach hin, die eigentlich hätte entfernt werden müssen, da sie für den nachrückenden Verkehr eine Gefahr darstellt. Tiefer gräbt sich die junge Frau in ihren Schal, Tränen laufen ihr die Wangen herunter. Es sei morgens alles so hektisch gewesen Zuhause. Liebeskummer habe sie auch, erzählt sie mit tränensersticker Stimme.

„Manchmal sind wir eben auch ein wenig Seelsorger“, sagt Niels Haferland, der seinen Kollegen auf der morgendlichen Streife unterstützt. Seit 2014 sind die beiden Polizeihauptmeister mit über 30 Jahren Erfahrung als Reigonalbereichsbeamte unterwegs. Damit sind sie Ansprechpartner für polizeiliche Belange und decken mehrere Tätigkeitsfelder ab.

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Nach Anschlägen in Niegripp

Nach der Kontrolle am weißen Wegesrand sind die Beamten mit Ortsbürgermeister Karl-Heinz Summa verabredet. In dieser Situation sind sie als Berater unterstützend tätig. Nachdem das Haus des Bürgermeisters im Dezember von Unbekannten mit Hartschaum beschädigt wurde, möchte er sich schützen. „Ich fühle mich durch die Polizeipräsenz im Ort sicher, aber möchte trotzdem etwas für meine und die Sicherheit meiner Familie tun“, sagt Karl-Heinz Summa. Die Regionalbereichbeamten können an dieser Stelle weiterhelfen. „Viele Firmen bieten kostenintensive Überwachung an, die aber im Einbruchsfall nichts bringt“, erklärt Frank Eismann.

Einbrecher zu filmen sei unwirksam, denn diese sind meist nicht zu erkennen und die Wertsachen fehlen eben trotzdem, das unsichere Gefühl bleibe. „Ratsamer ist es, die Türen und Fenster gegen Einbruch zu schützen“, so der Polizeibeamte. Das sei zwar auch preisintensiv, aber über Jahre hinweg sehr zuverlässig.

Wegen der Sachbeschädigung am Hause des Ortsbürgermeisters sowie eines weiteren Brandanschlags auf drei Fahrzeuge der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ermittelt noch die Kriminalpolizei. „Sobald die Kollegen an die Arbeit gehen, haben wir damit nichts mehr zu tun“, beschreibt Niels Haferland. Kurz nach den beiden Vorkommnissen seien die Regionalbereichsbeamten verstärkt Streife gefahren, doch inzwischen sind sie wieder in den polizeilichen Alltag übergegangen. „Es bringt auch nichts, die Menschen im Ort mit unserer Präsenz verrückt zu machen“, sagt Haferland.

Gefährlicher Schulweg

Wenn morgens viele hunderte kleine Füße in Richtung Schulgebäude trappeln, dann sind auch die Regionalbereichsbeamten in den Schulen der Umgebung vor Ort. In der Burger Kapellenstraße herrscht gegen halb acht reger Autoverkehr. Die Straßen sind eng, scharfe Kurven verhindern die Sicht – nicht nur für Autofahrer, sondern auch Schüler. „Damit die Schüler sicher über die Straße kommen, sperre ich diese kurzzeitig ab“, berichtet Niels Haferland.

Als der Beamte mit der leuchtenden Kelle auf die Straße tritt und der Verkehr kurz stillsteht, gehen die Schüler über die Straße und nicken dem Polizisten und Schulweghelfer dankend zu. Nach mehreren kurzen Sperrungen ist es plötzlich still auf der Kreuzung. Die Schule hat begonnen, alle Kinder sind sicher angekommen und Niels Haferland steigt in seinen Wagen. Sein Job ist hier beendet.