Immobilienkauf

Preise beim Hauskauf sind im Jerichower Land gestiegen

Wohnen ist teuer. Erst kürzlich wurde in Berlin der Mietendeckel gekippt und brachte damit tausende Mieter in finanzielle Bedrängnis. Aber auch für das Eigenheim im Jerichower Land muss tief in die Tasche gegriffen werden.

Von Nicole Grandt
Ein eigenes Haus ist der Lebenstraum von vielen Menschen. Diesen zu realisieren ist allerdings oft sehr teuer.
Ein eigenes Haus ist der Lebenstraum von vielen Menschen. Diesen zu realisieren ist allerdings oft sehr teuer. Foto: Nicole Grandt

Burg - Preise für Eigenheime lassen sich heutzutage einfach vergleichen: Ein Blick ins Internet genügt, um beispielsweise Häuser zu finden, die in Burg zum Verkauf stehen. Dort lassen sich Daten finden zum Baujahr, zur Größe und zum Grundstück. Und natürlich auch zum Preis. Und wer sich ein Haus oder eine Wohnung leisten will, scheint immer tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Täuscht dieser Eindruck? Nein, sagt Jochen Hausen, Dezernatsleiter Wertermittlung, Bodenordnung und stellvertretender Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Sachsen-Anhalt. Er bestätigt, dass die Preise für Wohnflächen gestiegen sind: „Im Jerichower Land ist ein enormer Anstieg zu verzeichnen, hier ist das Wohnflächen-Preisniveau um rund 37 Prozent gestiegen.“

Weiterer Preisanstieg ist wahrscheinlich

Wo liegen die Gründe für eine solche Entwicklung? Die Universität Freiburg veröffentlichte erst kürzlich eine Studie zu dem Thema. Diese nennt den Trend zu kleineren Haushalten als einen Grund. Auch ein geringes Immobilien-Angebot und die Zunahme der Wohnfläche pro Person sorgen für immer weiter steigende Preise im Bereich der Immobilien. Die Studie der Uni Freiburg zeigt zudem auf, dass ein Bundesbürger derzeit auf rund 45 Quadratmeter lebt. Im Jahr 2030 sollen es nach den Berechnungen der Wissenschaftler dann schon 50 Quadratmeter pro Person sein. Es wird auch ein weiterer Anstieg der Preise in den kommenden Jahrzehnten prognostiziert.

Wie es in der Region aussieht, damit hat sich der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Sachsen-Anhalt auseinandergesetzt. Dessen Vorsitzender Jochen Hausen gibt einen genauen Einblick in die Entwicklung im Jerichower Land. Grundlage seiner Angaben ist die Auswertung aller Immobilienkaufverträge der Jahre 2019 und 2020. Zunächst sei auffällig, dass in den vergangenen zwei Jahren im Jerichower Land rund 35 Prozent mehr Grundstücke verkauft wurden als zuvor. „Für einen Quadratmeter im Jerichower Land müssen zwischen 50 und 55 Euro bezahlt werden.“ Damit ist das Jerichower Land im Vergleich zu umliegenden Städten relativ günstig, in der Stadt Dessau-Roßlau ist ein Quadratmeter eines Grundstücks fast doppelt so teuer.

133 000 Euro kostet ein Haus durchschnittlich

Doch ein Grundstück ist noch kein Zuhause. Wer sich ein Ein- oder Zweifamilienhaus im Jerichower Land kaufen will, sollte besser das Sparschwein schlachten. 37 Prozent teurer als in den Jahren zuvor ist eine solche Immobilie. Hauser nennt 133 000 Euro als Durchschnittspreis für ein Haus im Jerichower Land, wobei dieser Preis auch stark nach oben abweichen kann, je nachdem wie groß das Haus ist oder wie hochwertig die Ausstattung.

Etwas günstiger geworden sind laut Hauser aber Reihenhäuser oder Doppelhaushälften. Hier müssen sich Kaufinteressierte auf rund 100 000 Euro pro Immobilie im Durchschnitt einstellen. Während Ein- oder Zweifamilienhäuser deutlich teurer geworden sind, sind Reihenhäuser und Doppelhaushälften rund acht Prozent günstiger geworden.

17 Prozent mehr verkaufte Wohnungen

Ein eigenes Zuhause muss aber nicht zwangsläufig nur ein Haus sein. Auch eine Eigentumswohnung kann ein ständiges Heim sein. Auch wenn hier oft Grundstück und ein Garten fehlt, hat diese Wohnform den deutlichen Vorteil, dass sie um einiges günstiger ist. Dies haben auch viele Bewohner der Jerichower Landes erkannt, denn Hauser berichtet, dass bei den Verkäufen von Eigentumswohnungen ein Anstieg von 17 Prozent im Landkreis zu verzeichnen ist. Der Durchschnittspreis für eine Wohnung im Jerichower Land liegt bei 50 000 Euro, der Preis kann aber auch hier stark variieren, die Größe, Ausstattung und Lage sind hier entscheidende Kriterien für den Gesamtpreis.

Während die Corona-Pandemie sehr viele Wirtschaftszweige fest im Griff hat, scheint die Immobilienbranche recht wenig davon betroffen zu sein. „Tatsächlich sind die einzelnen Teilmärkte des Immobiliensektors ziemlich stabil. Die Dynamik ist insgesamt etwas langsamer, aber es ist kein klarer Auf- oder Abwärtstrend erkennbar“, erläutert der Vorsitzende des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Sachsen-Anhalt. Die Preise für Immobilien sind in der Pandemie nicht zurückgegangen.