Burg/Genthin l Janik Friedrich gehört zu denen, die den Fahrschulstoff ernst nehmen und auch beim ersten Mal bestehen wollen. Die Theorie hat der 17-Jährige mit Bravour gemeistert, jetzt stehen die Fahrten auf dem Plan.

Michael Kahlfuß, seit 36 Jahren Fahrlehrer in Burg und Möser, hebt den Daumen hoch. „Das klappt schon prima, der Janik macht das schon.“ Janik ist zwar nicht die Ausnahme, aber statistisch gesehen steigt die Zahl derer, die sich nur ungenügend auf die Führerscheinprüfung vorbereiten und dann am entscheidenden Tag durchfallen, weiter an. Bei der Theorieprüfung aller Pkw-Klassen lag diese Misserfolgsquote laut dem Kraftfahrt-Bundesamt im Jahr 2018 bei 43,5 Prozent, bei der praktischen Prüfung waren es 36,4 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 fielen 32 Prozent durch die Theorieprüfung und 29 Prozent machten zu viele Fehler bei der praktischen Abschlussfahrt.

Führerschein macht man nicht nebenbei

Michael Kahlfuß kennt diese Zahlen. Seine Fahrschule kann allerdings auf andere Erfolgsquoten verweisen. Die Theorieprüfung bestehen rund 70 bis 80 Prozent beim ersten Mal, die praktische Prüfung mehr als 90 Prozent. Also liegt es am Fahrlehrer? „Das wäre nun zu einfach“, sagt der 56-Jährige und ergänzt: „Wer den Führerschein machen will und denkt, das geht so ganz nebenbei, der irrt sich gewaltig und merkt das auch schnell. Schon deshalb, weil die Themenkomplexe 1000 Fragen beinhalten. Ohne Lernen wird das nichts.“

Auf der anderen Seite müsse man den Unterricht heute auch entsprechend locker gestalten und keine sture Vorlesung daraus machen. „Als Fahrlehrer ist man eben auch ein bisschen Entertainer.“ Auch deshalb, weil viele wenig Vorkenntnisse mitbringen würden.

Für Michael Kahlfuß heißt das: Der Theorieteil anschaulich anhand von praktischen Beispielen verdeutlichen und die Schüler mit in den Unterricht einbeziehen. „Man merkt ja, wie die Kursteilnehmer drauf sind. Und darauf reagiere ich entsprechend.“ Gelegentlich kann Michael Kahlfuß dann schon mal eine Episode aus seiner Zeit als Rennpilot erzählen. Das lockert zwischenzeitlich auf. „Ja“, sagt Janik Friedrich, „bei Micha ist der Unterricht cool und nicht langweilig. Dadurch bleiben auch viele am Ball.“

Außerdem: Janik hatte sich die entsprechende Prüfungs-App, die kostenpflichtig ist und dadurch ständig aktualisiert wird, aus dem Internet heruntergeladen und sich ein festes Übungsraster auferlegt. „Dann kommt man auch durch den Stoff durch“, sagt der junge Mann. Und außerdem hat er die Möglichkeit des Vortests in Vorbereitung auf die Prüfung genutzt. Doch nicht jeder ist so fleißig. Die jungen Leute seien heute mit vielen Dingen abgelenkt, nähmen den Anspruch der Prüfungen oft nicht mehr so ernst, haben auch Fahrlehrer im Raum Genthin, Jerichow und Elbe-Parey bemerkt. „Oft werden die modernen Lernmethoden nicht ausreichend genutzt, der Unterricht nur halbherzig besucht“, meint einer der Fahrlehrer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Druck aus dem Umfeld

Die Begeisterung für den Erwerb des Führerscheins, das Lernen und Fahren wollen, sei gesunken.

Das bestätigte auch indirekt die Verkehrspsychologin Claudia Happe gegenüber der Deutschen Presseagentur. Sie sagt, früher hätten die Jugendlichen als Beifahrer ihren Eltern beim Autofahren zugesehen, heute würden sie aufs Smartphone schauen. „Der Bezug zum Straßenverkehr geht dadurch verloren.“ Mithilfe eines Fragebogens erforscht Happe derzeit, inwieweit Prüfungsangst eine Rolle spielt.

Denn auch übertriebener Ehrgeiz führt zu Misserfolgen bei der Prüfung, sagen Fahrlehrer: „Die jungen Leute setzten sich unter Druck schnell einen Führerschein zu bekommen, um in der ländlichen Region mobil sein zu sein und Geld zu sparen, denn ein Führerschein kostet mit allen Pflichtstunden deutlich Geld.“

Im Nebel stochern

Dazu komme Druck von den Eltern oder aus dem Freundeskreis. Das führe dazu, dass entgegen dem Rat der Fahrlehrer sich mancher zu früh zu den Prüfungen anmeldet und dann scheitert. Das seien aber nur einige Faktoren, die zu hoher Durchfallerquote führen. Eine endgültige Antwort geben sie nicht. „Wir stochern noch etwas im Nebel“, hatte Hendrik Pistor, Referatsleiter beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) vor einiger Zeit gegenüber der Deutschen Presseagentur geäußert.

Denn die erhöhten Durchfallerquoten sind ein euro- päischer Trend. Im Auftrag der Bundesanstalt für Stra-ßenwesen (BASt) sind Exper- ten mit der Auswertung der Zahlen und der Ursachenforschung betraut, wann diese Studie vorliegen soll, ist noch nicht bekannt. In der Branche wird sie bereits jetzt heiß erwartet.