Krüssau l Beim Frühstück erreichte den Schäfer Uwe Wilberg aus Krüssau die Nachricht, dass in seiner Herde Tiere gerissen worden seien. Die aus 140 Suffolk-Schafen bestehende Herde stand zwischen Krüssau und Brandenstein. Als Wilberg zur Koppel kommt, sieht er auf hundert Meter verteilt mehrere tote Tiere mit aufgerissenen Bäuchen, Gedärme quellen hervor, manche Tiere sind angefressen, andere nur getötet worden.

DNA-Test war positiv

Einen Teil der überlebenden Tiere findet der Berufsschäfer rund zwei Kilometer entfernt bei einer Kuherde in Gladau wieder. Ander Tiere vermutet Wilberg noch in den Wäldern. Der Krüssauer Schäfer ist sicher, dass es der Wolf war. Wieder einmal. Erstmals zugeschlagen hatte der Wolf am 21. Juni dieses Jahres. Dabei wurden drei Tiere getötet. Der herbeigerufene Vertreter des Wolfskompetenzzentrums in Iden hat mittlerweile bestätigt, dass es ein Wolf gewesen ist.

Bei einem zweiten Vorfall am 7. Juli sterben vier Schafe, drei Tiere findet Wilberg verletzt auf. Auch von diesem Vorfall liegt inzwischen das Ergebnis vor, so Wilberg: „Ein Wolfsriss kann nicht ausgeschlossen werden.“ Für den Schäfer steht indes fest, dass es nichts anderes gewesen sein kann als der Wolf. „Wildernde Hunde hatten wir hier noch nie.“

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Nach dem Vorfall im Juli hatte der Krüssauer Schäfer neue Zäune aus dem Kompetenzzentrum Iden erhalten. 90 Zentimeter hoch und mit Strom gesichert. „Mit denen sollte nichts mehr passieren, haben sie gesagt“, so WilbergEr sollte am Mittwoch eines Besseren – oder wohl doch eher Schlechteren – belehrt werden. Bis Mittag entdeckten Wilberg und seine Helfer neun tote Tiere. Ein aufgerissenes, aber noch lebendes Jungtier wurde von einem zufällig in der Gegend arbeitenden Forstsachverständigen erlöst.

Experten begutachten

Schäfer Wilberg hat unter den wiederholten Riss-Vorfällen zu leiden. Er liebt seine Tiere. Die aufwändigen Formalitäten zur Beantragung von Schadensersatz belasten. „Langsam macht es keinen Spaß mehr, es muss etwas von politischer Seite passieren“, so der 58-Jährige.Für Entschädigungszahlungen ist das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt (ALFF Anhalt) zuständig. Für einen finanziellen Schadensausgleich kommen Übergriffe in Frage, bei denen der Wolf als Verursacher bestätigt oder nicht ausgeschlossen werden konnte.

Um das zu klären, kommen nach erfolgter Meldung die Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrums Iden zum Ort des Geschehens. Bei einer Begutachtung wird auf drei Hauptmerkmale geachtet, heißt es in einer Beschreibung des Kompetenzzentrums: „Dies ist zum einen der Kehlbiss. Wölfe sind zumeist geübte Jäger, die ihre Beute mit einem einzigen, gezielten Biss in die Kehle töten. Eine solche Bissverletzung ist vor allem bei Schafen, Ziegen und Wild häufig schon von außen erkennbar.“

Als zweites wird nach dem Verbleib des Pansens geschaut. „In der Regel verschmähen Wölfe den Pansen ihrer Beutetiere und legen ihn unberührt, außerhalb und entfernt vom Kadaver ab, bevor sie anfangen zu fressen“, so die Experten.Das dritte Merkmal, nach dem bei einer Begutachtung geschaut wird, ist die Schleifspur.Auch die Untersuchung von DNA-Proben in einem Labor erfolgt in vielen Fällen. Dies muss schnell geschehen, denn genetisches Material ist nur binnen 24 Stunden nach dem Rissgeschehen brauchbar.

13 Rudel im Land

In Krüssau kennt man Isegrimm schon länger. Ein Rudel gibt es in der Stresower Heide, ein weiteres bei Tucheim, heißt es. „Zuerst waren es einzelne Wölfe“, so Wilberg. Inzwischen wurden in der Nähe wiederholt junge Wölfe beobachtet. Für den Monitoringzeitraum 2018/2019 werden von der „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ (kurz DBBW) für ganz Sachsen-Anhalt offiziell 13 Rudel sowie ein Paar genannt.