Loburg l „Wenn Menschen nach nachhaltig produzierte Eier oder auch an Bio-Eier denken, dann denken sie meistens an Haltungsbedingungen, wie es sie bei uns gibt“, erklärt Ruth Schräder. Sie und ihr Mann Christoph haben vor etwa eineinhalb Jahren ein Projekt gestartet, mit dem sie das Thema Nachhaltigkeit und auch Tierwohl in den Fokus rücken: Ihre Hühner leben in mobilen Ställen mit viel Auslauf. Drei dieser Ställe haben sie schon, ein vierter wird in Kürze folgen. „So etwas gibt es in Sachsen-Anhalt nicht oft. Soweit wir wissen, gibt es insgesamt nur 22 mobile Ställe“, sagt Ruth Schräder. Statt den Tieren ein Gebäude zur Verfügung zu stellen, leben die Hühner der Schräders in großen Wagen, die je nach Bedarf an anderen Orten aufgestellt werden können. Diese Haltungsweise hat für die Hühner den Vorteil, dass sie stets auf anderen Teilen einer großen Wiesenfläche leben können, wo sie im Gras scharren und Insekten aufpicken können. „Die Hühner können selbst entscheiden, ob sie draußen herum laufen wollen oder sich im Stall aufhalten“, sagt Ruth Schräder. Dass es den Hühnern gut geht, können Interessiere auch auf der Website www.unserei.de nachprüfen, denn in den Ställen ist eine Kamera installiert, die stets aktuelle Bilder von den Tieren liefert. „Außerdem kann jeder einfach zu den Ställen kommen und sich selbst überzeugen, wie gesund und munter unsere Hühner hier leben.“ Der Stall ist – wie der Name schon sagt – mobil. Wenn die Hühner auf einer Wiese genug gescharrt und gepickt haben, wird der Wagen einfach weiter geschoben zu einem Stück Wiese, wo sich die Hühner dann über frische Pflanzen und Insekten freuen können. So haben die Hühner immer einen angenehmen, grünen Platz. Und das Stück Wiese, wo der Wagen mit den Tieren zuvor platziert war, kann sich erholen.

Wie kamen die Schräders auf die Idee, die mobilen Hühnerställe in Loburg aufzustellen? „Das Konzept entstand, als wir uns mit dem Inhaber des Loburg-Barby-Rittergutes, Robert Dahl, austauschten. Dieser wusste nicht so recht, was man mit den Wiesenflächen zwischen den Bäumen hier anfangen sollte. Also überlegten wir, ob man eventuell hier Hühner oder Schafe halten könnte. Die Wahl ist dann auf die Hühner gefallen.“ Das Paar überlegte sich, was ihnen liegen würde und wie sie die Haltung der Tiere gestalten wollten. „Wir haben uns gedacht, was würden wir denn gern für ein Ei essen?“

Rund 4500 Hühner

Inzwischen halten die Schräders 4500 Hühner in den Ställen auf den umzäunten Wiesen. „Das klingt erstmal nach vielen Tieren. In jeder Herde sind 1500 Tiere und wir stellen sicher, dass sie alle genug Auslauf haben“, erklärt die Hühner-Besitzerin. Im Schnitt werden die Tiere 17 Monate alt, 13 Monate leben sie davon bei den Schräders. „Wenn die Tiere älter werden, legen sie größere, instabilere Eier, die dann leichter kaputt gehen und das ist natürlich für den Verkauf schwierig“, erklärt Christoph Schräder. Denn wenn auch die Schräders sich sehr darum sorgen, dass es den Tieren bei ihnen gut geht, müssen sie dennoch darauf achten, dass der Verkauf der Eier Umsatz generiert. Die Schräders stellten in den vergangenen Monaten fest, dass ihre regional produzierten Eier gern gekauft werden. „Die Struktur und die Farbe der Eier sind anders und sie schmecken auch besser“, sind die Schräders von ihrem Produkt überzeugt. Sie vermuten, dass dies mit dem Futter zu tun hat. Denn auch wenn die Tiere von ihnen gefüttert werden, fressen diese zusätzlich Gras, Käfer und Würmer. Eben das, was sie draußen in der Natur finden. „Die Qualität unserer Eier spricht dafür, dass wir das richtig machen“, freut sich Ruth Schräder.

Bilder

Gestartet ist der Verkauf im Herbst 2018 mit etwa zehn Paketen, inzwischen sind es deutlich mehr, etwa 50 bis 70 Zehnerkartons pro Tag, je nachdem wie viele Eier gelegt werden. „Bisher war das Feedback sehr positiv, die Kunden loben die Qualität und letztendlich entscheiden ja die Kunden mit den Füßen, ob wir unsere Arbeit gut machen.“ Beliefert werden vor allem andere Läden aus der Region wie Bäcker und Fleischer. Gerade der regionale Aspekt mit kurzen Lieferwegen ist den Schräders wichtig. „Das ist immer noch ein kleiner Marktanteil“, wissen die Hühnerhalter, hoffen aber, dass sich ihre tier- und umweltfreundliche Idee weiter durchsetzt. „Wir wollen den Kunden die größtmögliche Transparenz bieten, indem jeder die Tiere besuchen kann und auch so nachhaltig wie möglich handeln, in dem wir die Regionalität stark in den Fokus stellen.“ Die Arbeit mit den Tieren mache ihnen aber auch sehr großen Spaß. „Ich möchte wirklich gar nichts mehr anderes machen“, freut sich Ruth Schräder.