Burg l Wenn Doreen Boßmann von der Burger Förderschule für Lernbehinderte „Dr. Theodor Neubauer“ die Klangschale in die Hand nimmt, dann heißt es: Hände hoch, Augen zu, Ohren auf. Mit einer kurzen Handbewegung schlägt sie den gepolsterten Schlagstab gegen die goldfarbene Metallschale. Hallt dann der lange, weiche Gong durch den Klassenraum, warten die Kinder an der Dr.-Theodor Neubauer-Schule geduldig, bis der weiche Ton komplett verklungen ist. Erst dann dürfen sie die Hände wieder herunternehmen und die Augen öffnen – eine einfache Übung, die aber sofort für eine entspannte Atmosphäre im Klassenzimmer sorgt.

Betreuung seit 2014

Das klingt nicht nach Unterricht und das soll es auch nicht, wie Schulsozialarbeiterin Doreen Boßmann betont. „Die Kinder lernen bei mir über Spiele und Gespräche im Stuhlkreis, wie sie sich anderen Menschen gegenüber verhalten sollen.“ Sie betreut seit 2014 die Kinder an der Förderschule für Lernbehinderte in Burg. „Die Kinder müssen die Möglichkeit haben, außerhalb des Unterrichts ihre Sorgen und Probleme loszuwerden“, ist sie sich sicher. Tragen die Kinder ihre Streitigkeiten und Nöte in den Unterricht, könnten sie auch nicht richtig lernen. Das ist das eigentliche Ziel hinter den zahlreichen Projekten, die Doreen Boßmann als Teil ihres Arbeitsalltags verantwortet.

Streitschlichter AG bis Lauf-Projekt

Dazu gehört seit kurzem eine Streitschlichter AG. Die bietet sie in der fünften Stunde mittwochs an – AG-Stunde für alle Klassen der Förderschule. Derzeit lernen fünf Schüler, wie sie die Konflikte zwischen anderen Mitschülern selbstständig lösen können. Aber auch außerschulische Projekte bringen Farbe in den Alltag der Förderkinder.„Ich hatte eine Urkunde von meiner Teilnahme an einem Lauf an der Pinnwand“, erzählt die Pädagogin, „und das fanden die Schüler ganz toll.“ So sei die Idee zur Teilnahme am SportScheck Nachtlauf in Magdeburg entstanden. „Ich habe dann mit einigen Schülern beim Niegripper See trainiert“, erzählt Boßmann.

Unterstützung erhielt sie dabei auch von Sportlehrer André Lede. Für ihn ist die Arbeit von Doreen Boßmann ein fester Bestandteil im Schulalltag: „Sie ist das Bindeglied zwischen der pädagogoischen Arbeit und dem Elternhaus.“ Ohne die Schulsozialarbeit, so der Pädagoge, seien viele Projekte nicht realisierbar – und viele Probleme der Kinder nicht lösbar.

Hausbesuche

Denn auch Hausbesuche stehen manchmal auf der umfangreichen Liste der Schulsozialarbeiterin. Das Einzugsgebiet ist seit der Zusammenlegung mit der ehemaligen Möckeraner Förderschule „Johann Traugott Weise“ vor vier Jahren weitläufig, die Schüler müssen teils über eine halbe Stunde Busfahrt auf sich nehmen.

„Wenn es ein Problem mit einem Kind gibt und die Eltern nicht zur Schule kommen können, fahre ich zu ihnen“, erzählt die Magdeburgerin. In manchen Fällen stelle sich auch heraus, dass die Eltern selbst noch Unterstützung benötigen. Die Arbeit mit den Eltern sei sehr wichtig, so Boßmann. „Wenn sie nicht vermitteln, dass Hausaufgaben wichtig sind, dann sehen die Kinder das auch häufig nicht ein“, weiß die Schulsozialarbeiterin.

Tanzen hilft

Dass gerade unter pubertierenden Jugendlichen der Ton etwas rauer sein kann, erlebt sie immer wieder im Schulalltag. Da hilft: tanzen! Zusammen mit Breakdance-Weltmeister Nico Hilger hat Doreen Boßmann in den vergangenen Jahren Projekte für die Kinder organisiert. In den dritten und vierten Klassen hat die Sozialarbeiterin außerdem eine feste Unterrichtsstunde im Stundenplan. Das alles sei nur ein Ausschnitt aus ihrer Arbeit, betont die Traumapädagogin. „Ich bin immer für die Kinder da, den ganzen Schultag über.“