Burg l Wenn Daniel Grünke über Burg spricht, kommt der junge Mann schnell ins Schwärmen. „Eine Stadt, die sich richtig gut entwickelt hat“, sprudelt es aus ihm heraus, auch wenn der gebürtige Burger heute nicht mehr an der Ihle wohnt, sondern sich in Hamburg eine Firma aufgebaut hat. Doch treu bleibt er seiner Geburtsstadt nicht nur mit Worten, sondern vor allem mit Taten. Und ihr will der 36-Jährige als erfolgreicher Unternehmer mit seiner Liebe zur Architektur etwas zurückgeben.

Dass er dabei für die Stadt mit ihren Industrie- und Fachwerkbauten brennt, kann jeder auf Facebook und Instagram sehen und nachlesen. Denn die #iloveburg-Aktion der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) ist für ihn eine „erstklassige Idee“, eine ganz persönliche Bindung zu Burg zum Ausdruck zu bringen. So wie es bereits Rotfuchs-Inhaber Emanuel Conrady, Fahrradhändler Heiko Persch oder auch Stadträtin Barbara Bester (Linke) getan haben. Ihnen allen geht es, wie auch Wobau-Chefin Bärbel Michael, darum, etwas Positives von Burg zu erzählen - kurz und authentisch. „Und je mehr sich beteiligen, um so besser. Denn viel zu oft nimmt noch das Negative einen breiten Raum in den Diskussionen ein“, sagt Michael, die sich als gestandene Wohnungsexpertin über das unternehmerische Engagement von Daniel Grünke freut.

Zeitgemäßer Wohnraum

Vor allem das Projekt an der Brüderstraße 35 ist ein Beispiel dafür, wie aus einer verfallenen Industriebrache eine moderne Wohnstätte entwickelt werden kann. „Nicht zuletzt deshalb, weil der Bedarf an zeitgemäßem Wohnraum vorhanden ist“, weiß Grünke. Der hatte sich ans Werk gemacht, das Quartier der Fabrikantenhöfe (ehemalige Schuhfabrik Gebrüder Wolter, später Conrad Tack und dann Welling-Schule), bestehend aus zwei Gäuden und Höfen sowie einer Fläche von 1500 Quadratmetern, grundlegend zu sanieren. „Es hat mich fasziniert, daraus etwas Bleibendes zu schaffen, auch wenn es schwieriger zu bewerkstelligen ist als ein normaler Hausneubau“, erklärt der studierte Betriebswirt. Nach Beginn der Bauarbeiten im Jahr 2017 entstanden im Fabrikgebäude mit einem charakteristischen und einzigartigen Laubengang neun moderne, barrierefreie Loftwohnungen, davon drei behindertengerecht. Im Vorderhaus direkt an der Brüderstraße gibt es heute mit einem Erweiterungsbau drei Praxis- und Büroflächen sowie eine großzügige Dachgeschosswohnung. Alle Wohnungen verfügen über Aufzug, Fußbodenheizung, große Balkons und barrierefreie Bäder.

Bilder

Und um den Bogen zur Historie des Gebiets zu spannen, wird in Kürze über dem Durchfahrtstor der Quartiersname in großen Lettern angebracht. Bei dieser Investition klingt bei Daniel Grünke ein Stück Zufriedenheit mit. Hier in Brüderstraße kennt er jeden Mieter persönlich, hier winkt ihn jeder freundlich zu. Das sei für ihn besonders wichtig. „Ich will nicht der anonyme Vermieter sein“, sagt er – und wechselt schnell ein paar Worte mit Angelika Ketzler, die im Hinterhaus wohnt. „Alles in Ordnung“, ruft sie Grünke zu, der sich nach dem Wohlbefinden der Familie erkundigt hatte.

Dieses Projekt, das mittlerweile achte für den Geschäftsmann in Burg, neigt sich dem Ende entgegen. Er ist sich sicher, dass sich auch die im vergangenen Jahr verstorbene Stadthistorikerin Karin Hönicke darüber gefreut hätte. Mit ihr hat er 2017 die Entwicklung des Quartiers besprochen. So seien beide übereingekommen, dass zum Andenken des Schuhmachergewerks und dessen Tradition im ehemaligen Fabrikgebäude der Brüderstraße 35 auf dem zweiten Hof, dem Hintergarten, eine Stein-Skulptur eines Schuhs entsteht, die mit einer kleinen Tafel an die bisherige Geschichte des Geländes erinnert. Außerdem soll eine Geschichtsverlauftafel mit Illustrationen des Quartiers aufgestellt werden. „Auf diese Weise bleibt die Entwicklung dieses Areals immer ersichtlich“, sagt Grünke.

Burg als Stadt der Möglichkeiten

So oder ähnlich hat er auch andere Projekte in der Stadt seit 2012 dokumentiert, als das erste Fachwerkhaus aufwändig saniert wurde. „Und Potenzial gibt es immer noch genug hier“, versichert er und kann sich vorstellen, noch das eine oder andere Gebäude auf Vordermann zu bringen. Auch deshalb, weil es ihn immer wieder nach Burg zieht. In der Regel einmal in der Woche. Hierher, wo seine Eltern leben, wo er die Schule besuchte und Jugendjahre verbrachte.

Bei so viel Tatendrang, der von Grünke ausgeht, steht für Bärbel Michael fest, das Projekt #iloveburg auch in diesem Jahr fortzusetzen und dafür zu werben. Denn das Mitmachen ist kinderleicht und die Motivation derer, die sich gern abbilden lassen, oftmals beeindruckend. So schrieb beispielsweise Fotograf und Barbesitzer Florian Kolmer: „Burg ist die Stadt der Möglichkeiten ...“