Volksstimme: Corona hat verschiedenste Auswirkungen – sowohl im privaten als auch im wirtschaftlichen Bereich. Was erwarten Sie als Kreditinstitut in den kommenden Monaten?
Markus Volke: Wir unterscheiden aktuell zwischen den kurz- und den längerfristigen Auswirkungen. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich die Wirtschaft im Landkreis als robust erwiesen hat. Insgesamt konnten nach unseren Analysen die meisten Kunden mit der veränderten Situation leben, sich darauf einstellen und mit Alternativen ihre Wirtschaftlichkeit aufrecht erhalten. Das zeigt sich auch in den ermittelten Bonitätsnoten, die uns vorliegen. Mit gravierender Verschlechterung bei unseren Kunden, die sehr sorgsam planen und wirtschaften, wird derzeit nicht gerechnet. Voraussetzung ist und bleibt natürlich, dass keine Panik eintritt, dass die Zahlen richtig interpretiert werden und geeignete Entscheidungen getroffen werden. Was passieren würde, wenn man beispielsweise ganz Burg für Wochen lahmlegt und Schulen schließt, weil sich von den 24 000 Einwohnern 60 Menschen infizieren würden – als vergleichbare Quote mit dem Berchtesgadener Land, wo nun ein Lockdown verfügt wurde – mag man sich natürlich nicht ausmalen.

Also könnte man meinen, die Krise aus der ersten Welle ist ohne spürbare Einschnitte an uns vorbeigegangen?
Das will ich damit nicht gesagt haben. Viele Kunden und auch Einwohner überhaupt sind mit der Krise pragmatisch umgegangen. Aber es ist natürlich auch so, dass es allgemein bei den Gewerbetreibenden eine Zurückhaltung bei Investitionen gibt. Die wird sich auch in den nächsten Monaten fortsetzen – je nachdem, wie sich die Corona-Krise weiter entwickelt. Wir sind aber in dem Zusammenhang froh, dass die Einnahmeseite unserer Kunden in Bezug auf Einkommen, Renten oder Sozialleistungen stabil ist. Hier zahlt sich die Stärke der Region aus: Wenige Großbetriebe und ganz viele Mittelständler sind in solchen Situationen besser als auf einen Global Player vor Ort zu setzen, von dem dann der ganze Landkreis abhängt.

Für Privat- und Firmenkunden gab es verschiedenste Hilfsmöglichkeiten, wie beispielsweise das Aussetzen von Tilgungen oder günstigere Kredite. Wurden die vielen Angebote in Anspruch genommen?
Zum Glück wurden die Hilfen nur ganz vereinzelt nachgefragt. Bei uns gab es mit etwa 100 Kunden entsprechende Vereinbarungen, die sogar teilweise wieder rückgängig gemacht wurden, da die erwarteten Auswirkungen nicht so durchgeschlagen haben wie zunächst befürchtet. Aktuell ist es eine sehr geringe Anzahl von Kunden, die die Aussetzung der Gesamtkreditleistung noch bis einschließlich Jahresende nachgefragt und bewilligt bekommen hat. Insgesamt sprechen wir von einnem Komplex von Raten- und Tilgungsaussetzungen, Kontokorrentkrediten und Corona-Hilfen der KfW-Bank. Und im Übrigen werden wir auch weiter jeden Fall sorgfältig prüfen.

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Die erste Welle hat sicher auch zu einem anderen Verhältnis zwischen Kunden und Sparkasse geführt. Welche Erfahrungen haben Sie hierbei gemacht?
Da sprechen Sie ein interessantes Thema für ein regionales Institut an. Durch Corona hat sich Einiges auf bargeldlose Zahlungen verlagert, die Besuche der Filialen für klassische Kassen-Transaktionen sind zurückgegangen und auch insgesamt wird mehr gespart. In der Folge wurden weniger Ratenkredite aufgenommen, die Menschen halten ihr Geld mehr zusammen und reisen weniger. Zudem spielt das Thema Kurzarbeit eine große Rolle. Dieser Trend hält an und ist in vielen Teilen Mitteldeutschlands zu beobachten.

Können Sie das in Zahlen belegen?
Beispielsweise hat sich – wie erwähnt – der Kassenverkehr deutlich reduziert, er liegt etwa 40 Prozent unter dem Vorjahresdurchschnitt. Die Auszahlungen an Geldautomaten sind gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent zurückgegangen. Zugleich ist ein hoher Zuwachs bei Girobeständen festzustellen, so dass die Sparquote deutlich ansteigt. Uns freut natürlich, dass dadurch auch der Beratungsbedarf weiter steigt. Unsere Anzahl der Kundenberatungen ist daher stabil, und wir konnten in der fortwährenden Corona-Zeit mehr Geld im Sinne der Kunden wertschöpfend anlegen. Gerade in diesen Zeiten rückt das Thema Vorsorge und Absicherung schließlich in den Vordergrund.

Werden sich daraus Änderungen am Filialnetz und den Öffnungszeiten ergeben?
Unser Filialnetz bleibt weiter mit den zwölf Standorten bestehen. Wir wollen nah am Kunden sein. Zu den Öffnungszeiten: In den ersten Wochen des Lockdowns wurde intensiv darüber diskutiert. Fakt ist, dass diese teilweise an Standorten ausgedehnt wurden, aber zugleich systematisch Filialen zu einem Bereich als Komplex zusammengefasst und die Öffnungszeiten besser abgestimmt wurden. So existieren beispielsweise an der B 1-Strecke Möser, Gerwisch, Biederitz insgesamt drei Standorte. Kein anderes Kreditinstitut bietet dies noch, und wir würden das auch gern so beibehalten, um gerade den Senioren ein- bis zweimal die Woche einen Anlaufpunkt geben zu können. Und wir haben die Öffnungszeiten nun so abgestimmt, dass an jedem Tag mindestens eine der drei erwähnten Filialen zu den banküblichen Zeiten vor- und nachmittags geöffnet hat. Während andere Institute ihre Standorte gar nicht mehr aufmachen oder das hinauszögern, haben wir weiterhin die zwölf Filialen geöffnet, für die Selbstbedienung in der Regel bis 22 Uhr. Hinzu kommen vier reine SB-Center an gut erreichbaren Standorten.