Burg l Sonnenschein sorgt gewöhnlich für Frohsinn und eine Portion Leichtigkeit – auf jeden Fall bei vielen Besuchern der Landesgartenschau (Laga), die täglich die Stadt erkunden. Bei den Stadträten, die sich in diesen Tagen erstmals intensiv mit der Zeit nach dem Landesfest befassen, gibt es viele kopfzerbrechende Fragen, die in den kommenden Monaten beantwortet werden müssen: Wie werden die Flächen anschließend bewirtschaftet? Wird die Laga GmbH aufgelöst oder eine neue GmbH mit anderem Gesellschaftszweck gegründet? Wieviel Personal ist finanzierbar?

Zweck einer neuen GmbH

Auf einer außerordentlichen Stadtratssitzung wird nun darüber hinter verschlossenen Türen beraten, nachdem die Stadt ein Gutachten in Auftrag gegeben hatte, das eben diese Fragen und den möglichen Zweck einer neuen GmbH beleuchtet. Eine endgültige Entscheidung soll noch nicht getroffen werden.

Für Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) ist es „ganz normal, dass wir uns rechtzeitig mit diesem Thema befassen“. Er befürwortet eine neue Gesellschaft, die die Bewirtschaftung der Gartenschauflächen ebenso übernimmt wie die Kernfelder der Kultur. „Es geht darum, diese Aufgabenfelder professionell und zielgerichtet zu bündeln und steuern. Darüber müssen wir jetzt unvoreingenommen beraten und den Blick nach vorn richten.“

Fraktionen nicht einig

Unterstützung findet er dabei in der SPD-Fraktion: „Wir befürworten diesen Weg“, sagt Fraktionschef Heiko Jerkowski. Auch deshalb, weil Besuche in Bernburg, wo der erste Sachsen-Anhalt-Tag ausgetragen und im Anschluss eine Stiftung gegründet wurde, und in Aschersleben, das auf eine eigenständige Gesellschaft setzt, gezeigt hätten, dass diese Formen der touristischen Vermarktung und der Landschaftspflege die besseren seien. „Das kann keine Verwaltung in diesem Maße leisten“, so Jerkowski. Auch der Vorsitzende des städtischen Laga-Ausschusses, Udo Vogt, unterstützt diesen Weg. „Wir müssen den Tourismusschub für Burg nachhaltig nutzen und ausbauen.“

Dagegen ist ein Großteil der Mitglieder der CDU/FDP/BCU-Fraktion anderer Meinung. „Wir haben mit städtischen Gesellschaften, in denen wir das Sagen hatten, bislang keine guten Erfahrungen gemacht und bleiben vorsichtig“, begründet Fraktionschef Frank-Michael Ruth. Er zielt dabei auf die SQI (Sanierungs-, Qualifizierungs- ind Innovationsgesellschaft) und EWF (Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft) ab, die in den 90er Jahren in Insolvenz gegangen sind und teilweise auch den städtischen Haushalt belasteten. „Wir sind trotzdem offen und haben viele Fragen. Beispielsweise zu den Synergieeffekten solch einer Gesellschaft. Denn wir müssten als Stadt weiter Zuschüsse zahlen.“ Laut Ruth werde sich die Fraktion im Nachgang der nichtöffentlichen Stadtratssitzung „ein Bild machen. Erst dann entscheiden wir endgültig.“

Für die Freien Wähler/Endert ist das neue GmbH-Modell nicht überzeugend. „Für das Geld eines Geschäftsführers mit Sekretärin und Dienstwagen könnten wir drei Leute im Bauhof einstellen“, so der Chef Frank Endert.

Eine andere Einschätzung hegt die Fraktion Erben/Dr. Wolffgang. „Wir unterstützen, was flexibel und zukunftsfähig ist.“ Die Fraktion unterstütze eine Weiterentwicklung der bestehenden Gesellschaft. „Das haben wir schon in den Vorgesprächen deutlich gemacht“, erläutert Reinbern Erben.

Die Spitze der Linksfraktion war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.