Burg l Fünf Jahre lang wussten Jugendliche, an wen sie sich wenden können, wenn es Probleme gibt oder sie Konflikte lösen müssen: an die Streetworkerin Katja Glomm. Doch diese Ära geht jetzt zu Ende, denn die Streetworkerin hat sich aus Burg verabschiedet. Mit der Volksstimme blickt sie auf ihre Zeit in Burg zurück und auch in ihre berufliche Zukunft. „Als ich in Burg ankam, war mein erster Anlaufpunkt die alte Skater-Anlage am Flickschupark, die einen ziemlich baufälligen Eindruck machte“, erinnert sich Katja Glomm. „Ich dachte mir, gut, jetzt bin ich da, jetzt werde ich mal schauen, was auf mich zukommt.“ Sehr aufgeregt sei sie gewesen, weiß sie noch. Doch die neuen Kollegen und die Jugendlichen, mit denen sie arbeitete, halfen ihr, diese Aufregung schnell hinter sich zu lassen.

Viel Berufserfahrung an der Ihle gesammelt

Dass sie mit Jugendlichen arbeiten wollen würde, wusste Katja Glomm schon, als sie ihr Studium begann. Sie studierte Erziehungswissenschaften, Soziologie und Geschichte. Gerade die soziologischen Theorien halfen ihr zu verstehen, wie wichtig die Sozialisation für junge Menschen ist, um ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Schnell entwickelte sich daraus der Wunsch, als Streetworkerin zu arbeiten.

„Diese Stellen gibt es aber nicht wie Sand am Meer“, erinnert sie sich an ihren Berufseinstieg, der sie dann schließlich nach Burg brachte. Besonders positiv wird ihr in Erinnerung bleiben, wie sie in der Rolandmühle aufgenommen wurde. „Ich bin den Kollegen dort wirklich sehr dankbar, wie sie mich aufgenommen haben und wie viel Berufserfahrung ich dort sammeln durfte. Ich habe dort so viele Methoden gelernt, die mich in meiner Arbeit täglich begleiten.“

Integrations-Cup 2016 ins Leben gerufen

Stolz ist sie auch auf die Arbeit, die sie für den Integrations-Cup geleistet hat, der 2016 ins Leben gerufen wurde. Dabei traten bunt zusammengewürfelte Mannschaften im Fußball gegeneinander an und standen für ein sportliches Miteinander, aber gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. „Es war ein längerer Weg, das umzusetzen, aber ich bin froh, dass ich das zusammen mit den Kollegen und Netzwerkpartnern geschafft habe.“

Schön fand sie Streetworkerin es auch, dass die Burger Jugendlichen großes Interesse daran zeigten, mit ihr zu arbeiten.

Jugendliche haben ihr Stadt gezeigt

„Die Jugendlichen haben mir dann ihre Stadt gezeigt, haben mich herum geführt und mir Orte gezeigt, die ihnen etwas bedeuten und wo sie sich treffen. Das fand ich wichtig, dass ich die Stadt aus ihrer Perspektive wahrnehmen konnte.“

In den vergangenen fünf Jahren hat sie viele interessante Geschichten von Jugendlichen gehört. „Ich bin froh, mit jedem einzelnen gearbeitet zu haben. Wir haben gemeinsam tolle Ergebnisse erzielt. Deswegen gehe ich jetzt schon mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es wird mir sehr fehlen, durch die Straßen von Burg zu ziehen und mit euch im Goethepark zu quatschen, zu weinen, zu lachen. Die Arbeit mit euch hat mir unglaublich viel Freude bereitet.“

Traumjob in Brandenburg weiter ausüben

Der sozialen Arbeit wird Katja Glomm treu bleiben, allerdings wird sie dieser jetzt in Brandenburg nachgehen. Sie kehrt somit nach Hause zurück, denn die Streetworkerin stammt ursprünglich aus Brandenburg. „Ich wollte schon immer in Brandenburg arbeiten, deswegen habe ich die Chance sofort ergriffen, als ich von der Stelle dort gehört habe.“ Sie verlässt Burg also, weil sie ihren Traumjob in ihrer Traumstadt ausüben kann, nicht etwa, weil Burg ihr nicht gefallen hätte. Einen ersten Eindruck von ihrer neuen Stelle hat sie auch schon bekommen.

„Ich arbeite jetzt in einem vierköpfigen Team und wir sind gemeinsam auf der Straße unterwegs. In Burg war ich allein unterwegs, es ist schon ein Unterschied, wenn man im Team arbeitet. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und habe auch schon erste Projektideen, die ich umsetzen möchte.“

Hoffnung auf neuen Streetworker für Burg

Für Burg wünscht sich Katja Glomm, dass ihre verwaiste Stelle in Zukunft wieder besetzt wird. „Streetworker sind unheimlich wichtig für die Jugendlichen jeder Stadt. Und das sollte ausgebaut werden.“ Derzeit gibt es im Jerichower Land Streetworker-Stellen in Burg, Genthin und Gommern. „Das ist natürlich besser als nichts, aber da ist noch Luft nach oben“, meint sie.

Neben ihren Erlebnissen und Erinnerungen wird Katja Glomm aus ihrer Zeit in Burg auch jede Menge Berufs- erfahrung mitnehmen und eine Weiterbildung als systemischer Coach, die ihr in ihrem kommenden Berufsleben weiterhelfen wird. „Die Zeit in Burg sitzt tief in meinem Herzen. Ich bin sehr dankbar für diesen Teil meines Lebens. Man wird sich sicher auf der einen oder anderen Veranstaltung sehen. Burg und Brandenburg sind ja quasi Nachbarn“, verabschiedet sie sich von Burg.