Burg/Zabakuck l „Da fahre ich 22 Kilometer mit dem Fahrrad ins Tierheim Schartau und dann sagt man mir, dass man keine Hunde für Garten und Garage weggibt – nur für das Haus“, zeigt sich Katja Hermann enttäuscht. „Heißt das, dass die 13 Jahre für meine Lotte mit Strandkorb, Hundehütte mit Heizung, großem Garten, jeden Tag ausgiebigem Spazieren und Kuscheln schlimm waren?“, fragt die Biederitzerin mit Bezug auf ihre verstorbene Hündin. Sie könne sich nicht vorstellen, dass es den Hunden im Tierheim besser gehen soll, als bei ihr.

Kritik an den hohen Vermittlungsanforderungen gibt es sowohl in den sozialen Medien, als auch an die Volksstimme gerichtet. „Ja, davon wissen wir“, sagt Tierheimleiterin Astrid Finger und führt weiter aus: „Unsere Kriterien sind streng, aber das ist das Beste für die Tiere. Sie sollen es nach der Vermittlung schließlich noch besser haben als im Tierheim.“

Überhaupt sei die Vermittlung die schwierigste Aufgabe, vor der Tierheim-Mitarbeiter stehen. Schließlich möchte man die Tiere dauerhaft vermitteln und dann müssten das Tier und Herrchen beziehungsweise Frauchen auch gut zusammenpassen. Deshalb möchten die Tierheim-Mitarbeiter wissen, wie das Tier in Zukunft lebt. Interessenten müssen einen Fragebogen ausfüllen, in dem neben persönlichen Daten auch die Familien- und Wohnverhältnisse sowie die Unterbringung des Tieres erfasst wird.

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Ablehnungsquote bei etwa 30 Prozent

Das allein genüge jedoch nicht. „Wir können den Menschen ja nicht in den Kopf schauen“, sagt Astrid Finger. Deshalb stünden in der Regel mehrere Tierheimbesuche an, bei denen sich das Tier und sein potenzieller künftiger Halter „beschnuppern“ können, um zu testen, ob die Chemie stimmt. Erst danach könne entschieden werden, ob das Tier vermittelt wird – oder eben nicht. Die Ablehnungsquote sei schwer einzuschätzen, betrage aber in etwa 30 Prozent.

Dass Leute abgelehnt werden, die Hunde ausschließlich draußen halten wollen – wie im Falle Katja Hermanns – begründet die Tierheimleiterin: „Das ist vor allem im Winter bei extremer Kälte kritisch, auch wenn die Tiere eine Hundehütte haben.“ Ebenso wichtig sei der Aspekt, dass Hunde Rudeltiere sind und es somit nicht gewohnt sind, längere Zeit alleine zu bleiben. „Vor allem Welpen und junge Hunde müssen mit in die Wohnung“, so Astrid Finger.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Tiere nicht an unter 25-Jährige vermittelt werden. Für manche Menschen, vor allem junge Paare, seien Haustiere so etwas wie ein Kinderersatz, was Astrid Finger nicht befürworten kann. „In diesem Alter ändern sich die Lebensumstände oft, beispielsweise durch den Beruf und die Familie, was zu Umzügen führen kann“, sagt sie. Deshalb würden gerade von jungen Menschen verhältnismäßig oft Tiere zurückgegeben. Dies hätten jahrelange Erfahrungswerte gezeigt, meint Astrid Finger, die seit mehr als 20 Jahren als Tierpflegerin arbeitet. „Wir nehmen die Tiere dann kostenlos zurück. Das ist aber nicht unser Ziel.“ Das Tierheim mache jedoch auch Ausnahmen, wenn die jungen Leute „eine gewisse Reife und eine sichere Zukunftsplanung“ vorweisen können.

Gute Bewertung im Internet

Die Beschwerden mancher Interessenten seien auch ein Grund, weshalb das Tierheim keine eigene Facebook-Seite betreibe. Für Kritik seien die Mitarbeiter aber jederzeit offen. „Wir führen dann ausführliche Gespräche mit den Leuten und erklären ihnen unsere Beweggründe.“

Auch bei Google habe es schon schlechte Bewertungen gegeben. Nichtsdestotrotz verfügt das Tierheim mit 4,2 von 5 möglichen Sternen bei insgesamt 72 Bewertungen über einen guten Durchschnitt. Auch das Gästebuch auf der Internetseite des Tierheims ist voll des Lobes über die Einrichtung und die vermittelten Tiere.

Und so resümiert auch Astrid Finger: „Wir haben einen guten Ruf und sind sehr beliebt“. Über 400 Tiere vermittle das Tierheim jährlich. Und das sogar weit über die Grenzen des Jerichower Landes hinaus, beispielsweise auch nach Niedersachsen und Brandenburg. „Und erst am Wochenende haben wir einen kleinen Hund in die Nähe des Kyffhäusers vermittelt“, sagt Astrid Finger.

Unterstützung vom Zabakucker Tierasyl

Rückendeckung gibt es auch vom Tierasyl in Zabakuck. Dort müsse vor der Vermittlung zwar kein Fragebogen ausgefüllt werden und ebenso wenig gebe es Einschränkung für die Vermittlung an unter 25-Jährige oder die ausschließliche Haltung im Freien. „Aber die Punkte sind berechtigt. Zwingerhaltung ist nicht das richtige für Hunde. Sie sind Rudeltiere“, betont Juliane Reimann. „Einem 18-jährigen Studenten, der in einer WG lebt, kann man keinen Husky vermitteln“, nennt die Leiterin des Tierasyls ein Beispiel. Auch dort lege man viel Wert darauf, dass die Chemie passt. „Es kommt immer auf das jeweilige Tier, aber auch den jeweiligen Interessenten an“, resümiert sie.