Loburg l Aus wirtschaftlichen Gründen gibt der bisherige Träger, der evangelische Kirchenkreis Elbe-Fläming die Trägerschaft auf. Wegen reduzierter Finanzzuweisungen habe man beim Stellenplan erheblich kürzen müssen, erklärt die Superintendentin des Kirchenkreises Elbe-Fläming, Ute Mertens. Das Kirchspiel Loburg-Leitzkau hat den Mietvertrag über die Immobilie mit der Wobau Möckern zum 30. September aufgekündigt.

Es wird nache einer Lösung gesucht

Der bisherige Betreuer des Jugendclubs, Sozialarbeiter Hartmut Bernitzki, verabschiedet sich zum Ende August in den Ruhestand. Fast acht Jahre hatte er die Leitung des Clubs hinter der evangelischen St.-Laurentius-Kirche innegehabt. Bisher wurden die Personalkosten für die Stelle zu etwa der Hälfte über das Fachkräfteprogramm des Landkreises Jerichower Land und zur zweiten Hälfte über den Kirchenkreis getragen. Die Stadt Möckern beteiligte sich mit einem jährlichen Zuschuss in Höhe von 6000 Euro.

In der Hoffnung, dass der Jugendclub in Loburg irgendwie weiterführt werden kann, waren im Vorfeld Gespräche über einen Trägerwechsel aus dem Bereich der Diakonie geführt worden. Doch bis jetzt vergeblich. „Eine Prüfung der Neueröffnung durch das Corneliuswerk ist noch nicht abgeschlossen“, informierte Superintendentin Ute Mertens zum jüngsten Stand.

Club soll erhalten werden

Seit Bekanntwerden der Schließungsabsichten hatten sich auch die Mitglieder des Ortschaftsrates Loburg mit dem Thema befasst und nach Alternativen gesucht. Die neue Ortsbürgermeisterin Gabriele Schmohl (BCU) betonte gestern gegenüber der Volksstimme noch einmal: „Wir wollen den Jugendclub auf jeden Fall erhalten, wir haben die Fühler schon nach Fördermöglichkeiten ausgestreckt.“ Man sei „hart am Rudern“ zum Erhalt der Jugendeinrichtung und fest entschlossen, den Club zu erhalten.

Der Landkreis Jerichower Land war in der Vergangenheit ein nicht unwesentlicher Förderer des Jugendclubs Loburg. Laut Aussage der Pressestelle hat „eine Einrichtung der Jugendarbeit im Planungsraum Möckern auch auf Grund sozioökonomischer Faktoren essentielle Bedeutung, weshalb der Landkreis auch beständig Fördermittel bereitstellt“. Im Kalenderjahr 2019 wurden laut Landkreis Fördermittel in Höhe von insgesamt fast 32.500 Euro zur Verfügung gestellt.

„Eine Förderung der Jugendarbeit wäre auch im Falle einer Schließung des Jugendclubs Loburg auf ein Alternativangebot übertragbar“, heißt es aus dem Landratsamt weiter. Dafür müssten in der Gemeinde – gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit anerkannten freien Trägern der Jugendhilfe – zunächst Lösungsansätze entwickelt werden, die den Mindeststandards für eine Förderung gemäß Richtlinie entsprechen, heißt es.

Ungewisse Zukunft

Eine Zukunft der organisierten Jugendbetreuung wünscht man sich auch im Rathaus Möckern. Stadtbürgermeister Frank von Holly (CDU) zeigte sich im Volksstimme-Gespräch überzeugt davon, dass der Loburger Jugendclub erhalten werden müsse: „Ich weiß, dass der Landkreis Vorgespräche mit verschiedenen Trägern geführt hat. Dafür bin ich ihm dankbar. Ich gehe davon aus, dass relativ zeitnah weiterhin ein Jugendclub in Loburg vorgehalten wird. Ich lasse nicht zu, dass wir den Standort des Jugendclubs diskutieren. Für mich ist er an dieser Stelle da und richtig. Für mich ist das nur ein Trägerwechsel.“ Die Stadt habe schon gegenüber verschiedenen Trägern signalisiert, dass es wie bisher Leistungen der Stadt geben werde.

Einen vorherigen Verkauf der Wobau eigenen Immobilie am Schulplatz schließt Frank von Holly, der selber im Wobau-Aufsichtsrat sitzt, aus.

In den vergangenen Jahren diente der Jugendclub Loburg vornehmlich Kindern und Jugendlichen ab dem Grundschulalter bis 18 Jahren als Ort der Freizeitgestaltung. Der Club war ab mittags geöffnet, Hartmut Bernetzki als einziger hauptamtlich beschäftigter Betreuer, bot nach seinen Möglichkeiten auch Hausaufgabenbetreuung an. Freitags blieb der Club bis etwa 21 Uhr geöffnet, wochentags schloss er früher.

Enge ZUsammenarbeit

Es gab eine enge Zusammenarbeit mit der benachbarten Grundschule. Im Konzept des Jugendclubs formulierte der Kirchenkreis Elbe-Fläming als pädagogische Ziele etwa Demokratiebildung, Toleranzförderung und Wertevermittlung. Es sei kein klassisches christliches Angebot, so Superintendentin Ute Mertens.

Zuletzt hatte es zunehmend Probleme mit abendlicher Ruhestörung und anderen Vorfällen im Umfeld des Jugendclubs gegeben. Anwohner beklagten sich über Partys, die im Pavillon des ungenutzten Schulgartens bei lauter Musik gefeiert würden. Auch eine erhebliche Vermüllung des Areals zwischen Schulgarten und Jugendclub wurde registriert. Möckerns Hauptamtsleiter Holger Maier warnte aber davor, den Jugendclub und dessen Leitung diesbezüglich als Sündenbock darzustellen: „Die genannten Probleme passierten sicher nicht zu den Öffnungszeiten und würden von der Leitung so auch nicht toleriert.“ Die Lage des Clubs lade Jugendliche natürlich ein, sich zu treffen.

Zuletzt hatte der Loburger Ortschaftsrat die Loburger Bürger zu einer Aufräumaktion in dem Areal aufgerufen. Doch noch bevor die beginnen konnte, hatten jugendliche Nutzer des Clubs das meiste bereits selbst weggeräumt.