Burg l In Burg ist sie geboren, in Burg hat sie viele Jahre gelebt und geschrieben, in Burg soll sie nun wieder ihre letzte Ruhe finden. Die Urne von Brigitte Reimann wird am Sonnabend auf dem Burger Ostfriedhof auf dem alten Teil der Anlage in die Erde gelassen. „Das ist ein besonderer Tag für die Stadt, der lange vorbereitet wurde. Brigitte Reimann kehrt wieder an ihren Geburtsort zurück“, sagt der städtische Pressesprecher Bernhard Ruth. Die Umbettung (Treffpunkt Trauerhalle) ganz in der Nähe ihres Ziehvaters Otto Bernhard Wendler soll ab 10 Uhr in einem feierlichen Akt vollzogen werden, zu dem nicht nur viele Einwohner sowie ehemalige und neue Stadträte erwartet werden, sondern auch Mitglieder des Kulturstammtisches und der Brigitte-Reimann-Gesellschaft. Das bestätigt Vorstandsmitglied und Burger Bibliotheksleiterin Stefanie Obieglo. „Wir haben nicht nur Clausewitz nach Burg geholt, sondern jetzt auch Brigitte Reimann, die weit über Deutschland hinaus bekannt ist. Hier in Burg hat sie mit 14 Jahren, als sie unter Kinderlähmung gelitten hat, beschlossen, Schriftstellerin zu werden.“

Roland Stauf, Mitglied der Reimann-Gesellschaft, sieht mit der Umbettung auch die Außenwirkung der Stadt gestärkt. „Und das gute Zusammenwirken aller Beteiligten freut mich persönlich.“

Burg mit Reimann verbunden

Festgezurrt wurde die Überführung der Urne Reimanns bereits Anfang des Jahres während eines Besuches von Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) in Oranienbaum. Seinerzeit hatte die Familie den Entschluss gefasst, die Stadt auch aus Altergsründen in Richtung Dessau zu verlassen und die Möglichkeit eröffnet, die sterblichen Überreste der Schriftstellerin wieder nach Burg zu überführen. „Die Familie würde sich darüber freuen“, sagte Rehbaum vor Wochen vor dem Burger Stadtrat. Nicht zuletzt deshalb, weil Burg auf besondere Weise mit Brigitte Reimann verbunden ist.

Daraufhin wurden die entsprechenden Formalitäten erledigt. Die Kosten für die Umbettung bezifferte die Stadt auf rund 1400 Euro.

Burg ehrt Brigitte Reimann vielfältig: So trägt die Bibliothek ihren Namen, das Nachbargebäude ihres Geburtshauses in der Bahnhofstraße ist mit einem Bild ihrer Person versehen und in der Altstadt trägt eine 200 Meter lange Promenade ihren Namen. Auch spezielle Konferenzen und Symposien zu Reimann wurden abgehalten. „Das alles ist für uns als Familie beeindruckend“, sagte der Bruder der Schriftstellerin, Ulrich Reimann, gegenüber der Burger Volksstimme. Er wird auch am Sonnabend erwartet. Redner werden in diesem Zusammenhang auf das Leben der Autorin eingehen. „Reimann war eine außergewöhnliche Schriftstellerin. Sie glaubte an eine große Sache und zweifelte an ihr. Ihren Zweifeln folgte meist Verzweiflung: an ihrem Talent, an ihren Arbeiten, an ihrer unbändigen Lust auf Leben ...“ Dieses Urteil fällte beispielsweise Dorothea Iser in einem Schreibaufruf.

Bekannte Werke sind unter anderem „Die Frau am Pranger“, „Die Kinder von Hellas“ oder „Franziska Linkerhand“.

Anthologie erscheint bei Lesenacht

Der Tag nach der Umbettung, der 86. Geburtstag von Brigitte Reimann, steht dann ab 18 Uhr im Garten der Stadtbibliothek ganz im Zeichen der bekannten Schriftstellerin. Während der mittlerweile neunte Altstadt-Lesenacht erscheint die Anthologie „Reimanns Erben – Tatsächlich leuchtet der Himmel grün“. 40 Autoren schrieben darüber, was sie bewegt. Die jüngsten sind zehn Jahre alt, die ältesten jenseits der 80. Alle Texte ordnen sich Zitaten Brigitte Reimanns zu. Der Eintritt ist frei.