Parchau l Im seit Anfang August von Blaualgen geplagten Parchauer See hat es ein massives Fischsterben gegeben. Mehr als 1000 tote Fische, darunter jede Menge Edelfische wie Zander, Hechte und Aale, mussten Mitglieder des Anglervereins Parchau aus dem auch als EU-Badegewässer eingestuften See bergen. Der Vorfall ereignete sich bereits am 12. August. Reimar Rutkowski, stellvertretender Ortsbürgermeister von Parchau, berichtete bei der Sitzung des Ortschaftsrates Parchau am Montag von der Umweltkatstrophe.

Die Zahlen sind erschreckend, da blutet nicht nur das Anglerherz: 1000 Barsche, 100 Hechte, 100 große Brassen, 60 Schleien, 50 Zander und 40 große Aale trieben tot im Wasser.

Laut Rutkowski wurden die verendeten Tiere eingesammelt und Wasserproben genommen. Anwohner vermuten, es könnte etwas in den See eingeleitet worden sein. Die Ergebnisse der Wasserproben liegen bislang jedoch noch nicht vor.

Auf Höhe der Straße Seeblick, dort, wo das Wasser vergleichsweise tief sei, erklärt Rutkowski, seien die ersten Fische gefunden worden.

Norman Becker vom Anglerverein Parchau bestätigte auf Volksstimme-Nachfrage, dass die Sportfreunde die Fische aus dem See bargen. „Gleich Sontagfrüh haben wir bei den Behörden angerufen, aber erst am Montag jemanden erreicht“, erklärt er das Vorgehen vor Ort.

Sauerstoff

Einen Tag später sei die Freiwillige Feuerwehr Parchau angerückt, um das Wasser umzuwälzen. Das heißt, sauerstoffreicheres Wasser aus anderen Gewässern wurde in den See eingeleitet, um die Sauerstoffversorgung innerhalb des Sees zu verbessern. Drei Tage lang habe die Feuerwehr das Wasser umgewälzt, so Becker weiter.

Tage später seien nur noch einige wenige tote Fische gefunden worden. Seitdem gab es, soweit dem Anglerverein bekannt, keine weiteren Vorfälle. Aus Anglersicht sei es aber ungewöhnlich, dass die Fische gerade im weniger tiefen Bereich des Parchauer Sees gefunden worden.

Das Landratsamt bestätigte am Mittwoch auf Volksstimme-Nachfrage, von dem Fischsterben Kenntnis zu haben. Zu Vermutungen von Anwohnern, dass es schädliche Einleitungen gegeben haben könnte, die zum Fischsterben geführt haben, erklärte Kreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann: „Der Kreisverwaltung liegen keine konkreten Hinweise vor. Sollte es diese geben, wird dem natürlich nachgegangen.“

Kreis wird nicht tätig

Auch der Polizei würden derzeit keine Anzeigen zu möglichen Umweltstraftaten vorliegen, bestätigte Polizeisprecher Falko Grabowski.

Die Pressesprecherin der Kreisverwaltung musste hingegen einräumen, dass „eine Prüfung durch das Umweltamt seinerzeit aber nicht erfolgt“ sei. Begründung der Behörde: „Da ein Fischsterben aufgrund der großen Hitze nicht außergewöhnlich und es zudem kaum möglich ist, die Ursache im Nachhinein ausfindig zu machen“. Dementsprechend „finden derzeit auch keine weitergehenden Ermittlung durch das Umweltamt des Kreises statt“.

Hohe Temperaturen, sinkende Wasserstände in wenig bewegten Gewässern führen zur Bildung von Blaualgen. Seit 3. August ist der Parchauer See davon betroffen. Das Gesundheitsamt rät vom Baden wegen gesundheitlicher Risiken ab. Mit dem Blaualgenwachstum sinkt der Sauerstoffgehalt im Wasser – eine tödliche Bedrohung für die Fische.