Burg l Gabriele Tusch wurde am Wochenende aus der Sonntagsruhe gerissen. Das Gesundheitsamt des Landkreises informierte sie darüber, dass eine Schülerin an der Schlagenthiner Grundschule positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Sofort informierte die Schulleiterin in einem Schreiben, das die Dritt- und Viertklässler, die mit dem Mädchen Kontakt gehabt haben mögen, am Montag getestet würden, während für die Erst- und Zweitklässler regulär Unterricht stattfinden werde.

33 Personen in Quarantäne

„Es ist jetzt wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren“, sagte sie am Montagvormittag im Gespräch mit der Volksstimme. Sie sei sich ihrer Verantwortung für Schüler und Lehrer sehr bewusst. Daher seien an der Schule auch Hygienemaßnahmen beachtet, Pausen zeitversetzt organisiert worden. Eltern und Kinder seien sehr besonnen und nicht in Panik zu den Test in die Schule gekommen, vor deren Beginn Amtsarzt Dr. Henning Preisler über die Situation aufgeklärt, Fragen beantwortet habe. „Natürlich ist es eine unschöne Situation, aber wir dürfen jetzt nicht in Panik verfallen“, so die Schulleiterin.

„Wenn ein Verdachtsfall oder ein bestätigter Infektionsfall an oder im Zusammenhang mit einer Schule bekannt wird, müssen sich die Schulleitungen sofort an das zuständige Gesundheitsamt wenden. Dort werden alle weiteren Anordnungen getroffen“, erklärte Thorsten Kühne, Pressesprecher des Landesschulamtes das allgemeine Verfahren. So sei eben auch entschieden worden, dass am Montag die Erst- und Zweitklässler unterrichtet würden. In der Verantwortung des Gesundheitsamtes liege es wiederum, wenn die Schule aufgrund neuer Entwicklungen doch geschlossen werden müsse.

„Das ist im Moment aber noch nicht abzusehen“, sagte Amtsarzt Preisler in einem Pressegespräch am Montagnachmittag. Zunächst einmal seien alle Dritt- und Viertklässler sowie ihre Lehrer in Quarantäne geschickt worden. „Die gilt ab dem letzten Begegnungstag mit der Viertklässlerin für 14 Tage, ist also am Dienstag nächster Woche abgeschlossen“, erklärte er. Das Mädchen war in der vergangenen Woche krank geworden und nicht mehr zur Schule gegangen. Die Eltern der Grundschüler müssen nicht zu Hause bleiben. Dies würde sich erst ändern, wenn eines der Kinder positiv getestet würde. „Mit den Ergebnissen rechnen wir am Dienstag“, sagte Preisler.

Fall könnte weite Kreise ziehen

Und der Fall könnte noch weitere Kreise ziehen. Zum einen ist die Mutter der Erkrankten in einer Kindereinrichtung in Rathenow tätig, zum anderen war der Vater am Sonnabend bei einer Silberhochzeitsfeier. Mit der Tochter hatte er vor zehn Tagen einen Ausflug nach Hannover unternommen, Verwandte besucht. „Der dortige Landkreis ist vorgewarnt worden“, so Preisler.

Wenn es aber keine neuen positiven Testergebnisse gibt, müssen keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden. Ein Infektionsrisiko der verbliebenen Grundschüler durch das Berühren von Klinken und anderen Flächen hält er für geringfügig. In der Schule werde zweimal täglich desinfiziert. Derzeit sind im Zusammenhang mit der Schlagenthiner Grundschule 33 Menschen in Quarantäne. „Ich hoffe, dass wir das weiteren Personen ersparen können, denn das ist natürlich keine angenehme Situation“, sagte Kreis-Beigeordneter Thomas Barz (CDU), der auch Leiter des Corona-Krisenstabes des Landkreises ist. Der sei auch auf erneut verstärkte Aktivitäten vorbereitet.

Amtsarzt befürwortet Maskenpflicht

Vor dem Hintergrund der neuen Situation äußerte Amtsarzt Preisler sein Unverständnis für noch weitere Lockerungen, wie sie in Mecklenburg-Vorpommern geplant sind. „Ich bin ein großer Anhänger der Maskenpflicht“, sagte er. Gegen das Virus gebe es keine Verteidigungslinie mehr, einzig die Masken und die Abstandsregelung könnten ein weiteres Ausbreiten verhindern. Sollte dies beides fallen, könnte das Infektionsgeschehen außer Kontrolle geraten. Dass die Gefahr nach wie vor da ist, zeigt der Fall Schlagenthin.

Im Jerichower Land gibt es seit Montag offiziell zwei neue aktive Corona-Fälle. Neben der Schülerin ist die Infektion auch bei einem Mitarbeiter bei Wiesenhof in Möckern nachgewiesen worden. Laut Landkreis stehen die Fälle in keinem Zusammenhang.