Möckern l „Da rollen Busse mit lauter Rumänen im Neubaugebiet Möckern an“ – dieses Gerücht machte vor knapp einer Woche die Runde. Bestätigen ließ sich diese Behauptung nicht. Sie zeigte aber, dass der öffentliche Fokus nach den Vorkommnissen im Großschlachtbetrieb des Unternehmens Tönnies jetzt auch in der Ehlestadt auf die Unterbringung von Mitarbeitern des hiesigen Schlachtbetriebes gerichtet ist.

In der jüngeren Vergangenheit war im Zusammenhang mit den gehäuften Corona-Fällen bei Tönnies auch die Unterbringung von Werkvertragsmitarbeitern in die Kritik geraten. Überbelegung und Hygienemängel waren als eine Mitursache für die Häufung von Corona-Fällen unter der Belegschaft genannt worden.

Keine Kontrollhoheit für das Gesundheitsamt

Mit Zustimmung der Betroffenen wurden am zurückliegenden Donnerstag, 25. Juni, Wohnungen von Mitarbeitern mit Werksverträgen durch das Gesundheitsamt des Landkreises Jerichower Land stichprobenartige kontrolliert. Hierbei seien keine Hinweise auf prekäre Wohnverhältnisse gefunden worden, informierte Landkreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann im Nachgang.

Grundsätzlich gelte jedoch, dass es für das Gesundheitsamt für Wohnungen in der hier vorliegenden Form nach dem Infektionsschutzgesetz und nach dem Gesundheitsdienstgesetz des Landes Sachsen-Anhalt keine Kontrollhoheit gibt.

„Im Bedarfsfall werden dem Gesundheitsamt die erforderlichen Daten der in den einzelnen Wohnungen untergebrachten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durch das Unternehmen zur Verfügung gestellt, um beispielsweise relevante Kontaktpersonen zu ermitteln“, so Landkreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann weiter.

Wobau kündigt konsequentes Vorgehen an

In Möckern wohnen zahlreiche der im Wiesenhof-Schlachtbetrieb Beschäftigten in Mietswohnungen der Möckeraner und Loburger Wohnungsbaugesellschaft. Laut Aussagen des Wobau-Geschäftsführers Gerald Köhler achte man allerdings genau darauf, dass es in diesen Wohnungen nicht zu Überbelegungen komme: „Bei Bekanntwerden solcher Fälle würden wir konsequent vorgehen. Da sind wir sehr sensibel“, so Köhler. Es gebe diesbezüglich nur noch einen Fall, den man derzeit kläre.

Bei vielen Mietern aus dem Wiesenhof-Umfeld handele es sich um Familien, an die di- rekt vermietet werde. Mit Aussagen zur Nationalität seiner Mieter hält sich Gerald Köhler zurück, er begründet dies mit Datenschutzbestimmungen und dem Antidiskriminierungsgesetz.

Mieter halten sich nicht an Mülltrennung

Bis vor einigen Jahren habe es allerdings Mietverträge gegeben, bei denen ein Vermittlungsunternehmen Wobau-Wohnungen für Werkvertragsinhaber angemietet habe. Im Falle eines Wohnblockes im Hohenziatzer Weg in Möckern sei es tatsächlich zu Fällen von Überbelegung gekommen. Diese Vorfälle lägen etwa acht Jahre zurück. Die Wobau arbeite mit der Vermittlerfirma inzwischen nicht mehr zusammen, so Gerald Köhler.

Als Problem in den Neubaublöcken bezeichnet Wobau-Geschäftsführer Köhler in erster Linie das mangelnde Feingefühl der Mieterschaft bei der Mülltrennung: „Ein großer Prozentsatz hält sich da nicht an Spielregeln.“ Daher sei ein neuer Hausmeister eingestellt worden, der sich speziell um solche Fälle kümmern soll.

Wohnbaracke von Wiesenhof aufgegeben

Das Unternehmen Wiesenhof besaß lange Zeit selbst eine Wohnbaracke am Pabsdorfer Weg, in der überwiegend ausländische Mitarbeiter lebten. Das Gebäude sei inzwischen geschlossen worden, hieß es von Schlachthof-Geschäftsführer Michael Schönewolf.