Kalbe/Stendal l Am 20. Juli änderte sich das Leben des Ehepaars Thomas und Janine Rösicke aus Stendal schlagartig. Der 30-jährige leidenschaftliche Freizeitsportler war abends mit dem Fahrrad unterwegs. Es kam zu einem Verkehrsunfall. Die Verletzungen des jungen Mannes waren so schwer, dass er seither ab unterhalb der Brust querschnittsgelähmt ist.

Der Schock über die Diagnose war riesig – für Thomas Rösicke selbst, ebenso für seine Frau. Denn die gemeinsamen Lebenspläne schienen von einem Tag auf den anderen komplett über die Haufen geworfen zu sein. Doch zwei Dinge sind es, die das junge Paar dazu anhält, den begonnenen gemeinsamen Weg weiter zu beschreiten – ihre gegenseitige Liebe und ihr ungebrochener Optimismus, die neuen Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Dazu zählt unter anderem der rollstuhlgerechte Umbau ihres Hauses in Stendal-Nord.

Hilfsbereitschaft

Kraft schöpfen Rösickes auch aus der großen Welle der Anteilnahme und vor allem Hilfsbereitschaft, die sie nach dem Schicksalsschlag von Verwandten, Freunden und vielen anderen Seiten erfuhren. Zum Beispiel seitens der Firma und der Kollegen des 30-Jährigen. Thomas Rösicke arbeitet als Service-Techniker bei einem Hersteller augenoptischer Messinstrumente. Der Arbeitgeber hat signalisiert, den nunmehr schwerbehinderten Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Außerdem organisierten seine Kollegen eine Spendensammlung, bei der eine beachtliche Summe zusammenkam, die nun bereits beim Umbau des Wohnhauses hilft. Außerdem gab es einen Spendenaufruf in lokalen Medien, darunter in der Volksstimme. Rösickes können sich seither über weitere finanzielle Unterstützung freuen.

Fortschritte bei der Reha

Aber auch die Kolleginnen und Kollegen von Janine Rösicke, die als Sozialpädagogin bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Altmark in der Tagesgruppe für Kinder und Jugendliche arbeitet, beschäftigt dieses Schicksal. Sie organisierten in der Vorweihnachtszeit eine Spendensammlung. Dabei kamen insgesamt 510 Euro zusammen. Erfreut und gerührt nahm Janine Rösicke am Dienstag das Geld entgegen. Den Umschlag überreichte im Namen aller beteiligten Kollegen Geschäftsführerin Andrea Schmieder. Mit dabei waren außerdem Mit-Geschäftsführerin Kerstin Steffen, der Leiter der Tagesgruppe Thomas von Glahn sowie weitere Kolleginnen aus der Hauptgeschäftsstelle in Kalbe – und nicht zu vergessen einige Kinder aus der Tagesgruppe. „Wir, das Kollegium der Awo, wollten mit der Spendensammlung ein Zeichen setzen. Erfreulicherweise haben sich sogar mehr Leute beteiligt, als wir anfangs erwartet haben“, sagte Thomas von Glahn, Janine Rösickes engster Mitarbeiter, bei der Übergabe. „Eurer Schicksalsschlag hat uns sehr berührt – nicht nur die Kollegen, die unmittelbar mit dir zusammenarbeiten. Darum stieß die Sammlung auch auf eine gute Beteiligung. Wir alle gemeinsam wollen euch mit der Spende eine vorweihnachtliche Überraschung bereiten“, so Andrea Schmieder.

Herausforderung

Janine Rösicke bedankte sich herzlich und gab einige Informationen zum aktuellen Stand der Dinge. „Thomas ist bei der Rehabilitation in der Klinik in Beelitz und macht dort gute Fortschritte. Er kommt mit dem Rollstuhl bereits sehr gut zurecht. Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, muss ich sogar aufpassen, dass ich hinterherkomme“, berichtet die 24-Jährige.

Die Umbauarbeiten am Wohnhaus, in das die beiden vor eineinhalb Jahren eingezogen sind, laufen bereits – auch dank der bislang eingegangenen Spenden. Die größte Herausforderung werde es sein, einen Außenaufzug am Haus zu errichten, mit dem Thomas Rösicke mit dem Rollstuhl das Erdgeschoss und die erste Etage des Hauses erreichen kann. Der Anbau des Fahrstuhls werde erst nach Auszahlung weiterer Gelder aus der Unfallversicherung sowie beantragter Fördermittel erfolgen können. Aber auch im Haus gebe es noch eine Menge umzubauen.

Janine Rösicke freut sich sehr, dass sie ihren Mann zu Weihnachten nach Hause holen kann, um das Fest gemeinsam mit ihm zu feiern. Heute holt sie ihn aus Beelitz ab, muss ihn aber bereits morgen wieder zurück in die Rehaklinik bringen.