Gardelegen l Auf den Schultern von 35 bis 40 Gardeleger Einsatzkräften „liegt die große Last“, verdeutlichte Ortswehrleiter Henrik Lehmann (30). Für eine Stadt wie Gardelegen seien das zu wenig Kameraden, die bei Unfällen oder Bränden ausrücken können. Zwar sind insgesamt 54 Frauen und Männer bei den aktiven Kameraden gemeldet, aber 19 von ihnen sind aus beruflichen Gründen „nur bedingt einsatzbereit“, manche durch Montagetätigkeit auch nur am Wochenende.

„Wir wollen keine Angst machen“, betonte Wehrleiter Henrik Lehmann, doch er warb eindringlich um mehr aktive Mitglieder. Vor drei Jahren seien zuletzt Feuerwehrmitglieder – bereits ausgebildet – durch Umzug nach Gardelegen zur Wehr gekommen. Aber das Problem sei, „dass wir seit eineinhalb Jahren keine neue Einsatzkraft dazu bekommen haben“. Lehmann: „Zurzeit ist Flaute.“ Mit Kinder- und Jugendwehr würden die Gardeleger Feuerwehrleute viel Zeit und Aufwand in die Nachwuchsgewinnung investieren, „aber spätestens wenn die Schüler zur Lehre gehen, sind sie arbeitsbedingt weg“.

Zurzeit gebe es noch keine gravierenden Folgen, die aus der Personalknappheit resultieren, „aber in zwei, drei Jahren könnte die Einsatzbereitschaft gefährdet sein“. Das würde dann im Umkehrschluss heißen, dass bei Einsätzen immer die Ortswehren aus umliegenden Dörfern hinzugerufen werden müssten, so wie es zurzeit in wenigen Fällen aufgrund der Schwere des Einsatzes der Fall ist. Wenn Vollalarm ist, werden Kloster Neuendorf, Berge und Solpke mit zu Einsätzen nach Gardelegen gerufen. Lehmann betonte die Vorzüge der Gardeleger Ortswehr: „Wir haben eine Top-Ausstattung, nichts ist überaltert. Die Aufwandsentschädigung ist in Ordnung.“ Pro Monat seien es zwei bis drei Dienstveranstaltungen, die aktive Einsatzkräfte besuchen müssen.

Durchschnittsalter: 33 Jahre

Möchte jemand eine Leitungsfunktion haben, sei mehr Zeitaufwand nötig. Mit 33 Jahren sei das Durchschnittsalter der Wehrmitglieder jung, der Ortswehrleiter selbst sei einer der jüngsten von allen Ortswehren der Hansestadt. Lehmann wünscht sich jedoch nicht nur mehr aktive Einsatzkräfte, sondern auch mehr Verständnis – und weniger Leute, die die Arbeit der Wehr behindern. „Wenn die Sirene geht, stehen mehr Autos am Gerätehaus drumherum als bei uns auf dem Parkplatz“, verdeutlichte er die Situation mit Schaulustigen, die zum Einsatzort hinterherfahren würden. Und gleichzeitig müsse sich die Wehr häufig rechtfertigen ­- für die Fahrt mit dem Martinshorn, dass so viele Fahrzeuge ausrücken und so weiter.

Lehmann: „Da wird man dann am nächsten Tag angesprochen, dass ein Pkw mit Feuerwehraufkleber durch die Stadt gerast ist – aber der war nicht von uns. So etwas ruiniert den ganzen Ruf.“ „Dass sich die Feuerwehr rechtfertigen muss, geht gar nicht“, stellte auch Bürgermeisterin Mandy Zepig klar. Und die Entschädigung für die Einsätze sei für das, was geleistet werde, „ein Mikrobenbetrag, das ist keine Bezahlung für irgendetwas“.