Gardelegen l Es ist nicht das erste Mal, dass sich Dagmar Bauer oder ihren Kollegen vom Grünbereich der Stadt während einer Dienstfahrt dieser Anblick bietet. Doch diesmal ist das Ganze besonders frech: Ein dicker Beutel voller Hausmüll verstopft den Papierkorb an der Zichtauer Bushaltestelle.

Unter anderem ein ausrangierter Adventskranz und Weihnachtsdeko, ein Bilderrahmen samt Bild, ein kaputtes Lineal, eine Ledermappe und sage und schreibe zwei volle Päckchen gammliges Bio-Vollkornbrot finden sich darin. Unschön, eklig und vor allem dreist, findet die Mitarbeiterin des Gardeleger Ordnungsamtes.

An diesem Morgen nimmt sie den Beutel mit, um ihn im Container des Bauhofes zu entsorgen. Vorher aber macht sie ein Foto, um den Fall mal der Öffentlichkeit zu präsentieren. Denn diese Art der privaten Müllentsorgung nehme immer mehr zu, ärgert sich Dagmar Bauer.

Schon einige Papierkörbe abgebaut

„Unsere Erfahrungen zeigen, dass gerade die Abfallbehälter an Bushaltestellen mit privatem Müll verstopft werden.“ In der Folge könnten sie und ihre Kollegen immer wieder beobachten, dass die gesamte Anlage ebenfalls nicht richtig sauber gehalten wird. Sprich: Wo die Papierkörbe voll sind, werfen die Buspassagiere ihren Müll einfach auf die Erde. „Wir haben deshalb schon etliche Papierkörbe an Bushaltestellen abgebaut“, informiert Bauer.

Das Ergebnis ist zwar positiv, aber auch irgendwie paradox: Denn dort, wo keine Abfallbehälter mehr stehen, sieht es ringsherum um die Haltestelle sehr viel sauberer aus, als wenn es einen Papierkorb vor Ort gibt. Wer dann sein Bonbonpapierchen, den Kaffeebecher oder das benutzte Ticket entsorgen will und keinen Papierkorb vorfindet, nimmt es offenbar mit. Mit Service am Fahrgast hat das allerdings nichts mehr zu tun.

Und das haben die wenigen zu verantworten, die sich dort auf Kosten der Allgemeinheit ihres Privatmülls entledigen.

Diejenigen, so betont Dagmar Bauer, sollten sich indes nicht zu sicher fühlen. Denn wer dabei erwischt werde, muss damit rechnen, angezeigt zu werden. Zunächst beim städtischen Ordnungsamt. „Wir leiten das dann an den Altmarkkreis weiter“, erläutert Fachdienstleiter Florian Kauer.

Der wiederum könne, wenn der Übeltäter bekannt sei, gegen diesen eine Geldstrafe verhängen. Und zwar auch eine, die weh tut. Eine private Müllentsorgung sei nämlich ein Verstoß gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz und somit eine Ordnungswidrigkeit, macht er klar.

Kein Geld, aber jede Menge Zeit kostet das Verhalten einiger Bürger übrigens die Stadt. „Wir müssen ständig privaten Müll wegräumen, statt sinnvoll zu arbeiten“, macht Dagmar Bauer klar. Auch das sollten sich die Verursacher mal klar machen.