Berge l Vielleicht sei unter den Ermordeten der französische Widerstandskämpfer Marcel Chichery. Seine Spur verliere sich auf den Todesmärschen bei Wiepke. „Das ist aber nur Spekulation“, betonte Torsten Haarseim vom Förderverein Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe. Er hielt am Freitagabend anlässlich der Übergabe der erneuerten Gedenkstätte mit dem Gräberfeld der acht KZ-Häftlinge auf dem Berger Friedhof einen Vortrag im vollbesetzten Dorfgemeinschaftshaus in Berge. Mehr als 1000 Konzentrationslager habe es in Deutschland gegeben. „Fast jede große Fabrik hatte ein KZ, dazu kamen noch Außenlager. Arbeitskräftereservoires“, so Haarseim. Unzählige Menschen, zusammengepfercht. „Vernichtung durch Arbeit“ sei die Maxime gewesen. Die Häftlinge der Gardeleger Todesmärsche seien aus dem KZ Mittelbau-Dora und aus Neuengamme, Außenlager vom KZ Hannover-Stöcken, gekommen. Ein KZ der Akkumulatorenfabrik AFA der Familie Quandt, die heute noch eine der einflussreichsten Familien in Deutschland sei.

Die Todesmärsche

Der Bau des Tunnelsystems im Berg Kohnstein bei Nordhausen (KZ Mittelbau-Dora) für die unterirdische Rüstungsproduktion – gebaut wurden dort die V 1 und die V 2, die Todesmärsche von Mieste und Letzlingen nach Gardelegen und vieles mehr waren weitere Themen seines kurzen, aber überaus interessanten Vortrages. Bei der Vorführung einer Originalsequenz, aufgenommen von der US-Army, war es mucksmäuschenstill. Gezeigt wurde das Bergen der Leichen und die Bestattung der ermordeten Häftlinge im benachbarten Estedt. Dort wurden 110 Häftlinge ermordet und in einer Kiesgrube gut 200 Meter vom Ort entfernt verscharrt.

Über Berge gebe es kaum Informationen aus dieser Zeit, so Haarseim, auch nicht in der Chronik des Ortes.

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