Thüritz l Die Jungen und Schönen hat Grafikdesigner Gerd Kassühlke in den vergangenen sieben Jahren – seit so vielen Jahren ist der 64-Jährige nun auch mit Acrylfarben beziehungsweise Kreide künstlerisch tätig – in der Vergangenheit genug gemalt. Es sollten nun andere Gesichter entstehen. Gesichter, die erzählen können. „Ich habe mich dazu entschieden, alte Menschen abzubilden. Da ist mehr Ausdruck drin.“ Es habe sich einfach so ergeben. „Es hätten auch Kinder sein können“, schildert der Künstler im Volksstimme-Gespräch. „Das Thema war nun einfach mal dran“, fügt er hinzu.

Die vom Leben gezeichneten Gesichter zeigen die verschiedenen Facetten der menschlichen Emotionen. Alle sind Momentaufnahmen. Kassühlke zeichnete Menschen, die er auf der Straße, im Internet oder auch auf Fotos sieht. Er nutzt diese als Vorlage. „Ich pinsele nicht einfach nur ab. Das ist viel zu mühselig“, äußert der Wahl-Altmärker, der mit Ehefrau Tanja seit 2010 in Thüritz zu Hause ist.

Papst reiht sich ein

Inmitten der Vielzahl der Bilder zum Thema befindet sich auch ein Portrait, eines der ersten Bild überhaupt, die Gerd Kassühlke malte: Es zeigt seinen Vater. Neben Menschen aus aller Welt bildete der 64-Jährige auch ihm vertraute Gesichter ab. Aber auch Papst Franziskus reiht sich in die Vielfalt der Abgebildeten ein, und ebenso finden die Unscheinbaren, die kaum Wahrgenommenen auf Bildern des Thüritzers eine Plattform. So etwa der zeitungslesende Herr in der großen Jacke, der auf einem Mauervorsprung sitzt. Den entdeckte Kassühlke in Moskau.

Entstanden ist aus den Gesichtern der älteren Generation, die der Künstler über den Sommer fertigte, eine Ausstellung. Doch ein Publikum gibt es derzeit für diese Werke nicht. Aufgrund der aktuellen Corona-Verordnung können aktuell keine Besucher in der Galerie, einem ehemaligen Stall, der entkernt und saniert worden ist, empfangen werden.

Bilder im Landtag

Dass das Publikum fehlt, ist schade. Deshalb lässt Kassühlke die Ausstellung in der Galerie auch erst einmal stehen. Zumindest so lange, wie nicht Platz für Neues gebraucht wird. Denn aktuell sammeln sich in der Galerie schon neue Werke an. Derzeit befasst sich der Künstler, der auch in anderen kreativen Bereich kreativ ist, mit dem Malen von Häusern. So zeigt er bewohnte und unbewohnte Behausungen im Kontext zur Natur. Dabei bringt er auch zu Papier, was der Fantasie entspringt.

Kassühlke stellt seine Werke aber nicht nur in seiner Thüritzer Galerie aus. In der Vergangenheit hingen beispielsweise auch schon Bilder von ihm im Magdeburger Landtag oder im Salzwedeler Krankenhaus. „Und dann kriegt man auch schon mal einen Anruf aus Wien oder so. Und da ist dann jemand dran, dem ein ganz bestimmtes Bild gefällt“, berichtet er. Manch eines von Kassühlkes Bildern wechselt danach seinen Besitzer.