Gardelegen l Es dauert noch knapp sechs Wochen. Dann beginnt sie, die Adventszeit, von der festlich beleuchtete Häuser und Straßen künden werden. Viel mehr wird es in der Öffentlichkeit auch kaum geben. Corona macht fast allen Plänen einen Strich durch die Rechnung, was alle Organisatoren bedauern. Doch die Abstands- und Hygieneregeln, die zu beachten wären, sind nicht zu stemmen.

Hürden zu hoch

Das wurde während der jüngsten Ortschaftsratssitzung in Letzlingen deutlich. Die mutmaßlichen Auflagen wegen der Corona-Einschränkungen wären zu hoch, auch wenn sich, wie Ortsbürgermeisterin Regina Lessing sagte, die Vereine sich einen Markt wünschen würden. „Die Leute sind ausgehungert.“ Deshalb habe es Überlegungen gegeben, die Veranstaltung vom Schlosshof auf die größere Schlosswiese zu verlegen. Doch auch da seien die Hürden hoch.

Das Gelände müsste komplett eingezäunt werden. Es wäre nur ein Eingang erlaubt. Und es gebe eine Obergrenze für Besucher, die das Gelände betreten dürfen. Sei die erreicht, müssten die anderen warten, bis jemand das Gelände verlässt. Beim Anstehen vor den Ständen müsse ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Zudem dürften nur zehn Personen in einer Gruppe zusammenstehen.

Alkohol ist das Problem

„Ehrlich, das ist nicht umsetzbar. Wer will das denn kontrollieren?“, brachte es Thomas Genz auf den Punkt. Nach drei Glühweinen schere sich niemand mehr an die Abstandsregeln. Und wenn dann das Aufsichtspersonal einschreite, könnte es Ärger geben. Das sah Lessing auch so. „Das Problem ist der Alkohol“, fasste sie zusammen, doch Glühwein gehöre zu einem Weihnachtsmarkt nun mal dazu. „Das Risiko ist schlichtweg zu hoch“, zog sie das Fazit, was auch die meisten anderen Ortschaftsräte so sahen. Mehrheitlich mit einer Enthaltung von Kay Grieger sprachen sie sich für die Absage des Marktes aus.

Und die aktuelle Corona-Situation mit den einher gehenden Abstands- und Hygieneregeln haben auch den Miester Gewerbeverein veranlasst, den Weihnachtsmarkt im Drömlingsdorf in diesem Jahr ausfallen zu lassen. „Die Corona-Schutzmaßnahmen würden eine deutlich geringere Besucherkapazität bedeuten. Laufrouten im Einbahnstraßensystem, die Maskenpflicht, das Einhalten von Abständen zwischen den Besuchern und damit auch den Ständen, kein Gedränge davor und kein Singen der Chöre auf der Bühne. All das macht den Weihnachtsmarkt für uns nicht tragbar und lässt uns letztlich keine andere Wahl“, teilte der Vereinsvorstand mit.

Es hagelt Absagen

Und auch in den anderen Ortsteilen der Einheitsgemeinde werden keine Märkte stattfinden. „Wir wissen nicht, wo die Reise hingeht“, betonte Sven Grothe, Ortsbürgermeister von Solpke. Deshalb habe man im Ort entschieden, den traditionellen Adventsabend abzublasen.

Genauso sieht es in Lindstedt aus. „Der Weihnachtsmarkt findet nicht statt“, antwortete Ortsbürgermeister Siegfried Jordan auf Nachfrage. „Bei den steigenden Fallzahlen will sich niemand in die Nesseln setzen“, machte Jordan deutlich. Und auch der Dachverband der Jävenitzer Vereine hat sich laut Christian Glatz entschieden, den traditionellen Jävenitzer Weihnachtsmarkt ausfallen zu lassen. Er werde aber daran gearbeitet, vielleicht einen kleinen, adventlichen Treffpunkt anzubieten. Das stehe aber noch nicht fest.

Am dritten Adventswochenende sollte auch in Wiepke wieder ein Weihnachtsmarkt stattfinden. Doch auch der findet coronabedingt nicht statt, teilte Wiepkes Ortsbürgermeister Michael Becker auf Volksstimme-Anfrage mit. In Dannefeld ist zwar noch nichts endgültig entschieden, aber die Tendenz gehe zur Absage, informierte Ortsbürgermeister Maik Lüer. Er wolle das aber noch einmal abschließend mit den Ortschaftsräten und den Vereinen während der nächsten Sitzung besprechen.

Kalendertüren sollen öffnen

Auch in Gardelegen selbst sieht es eher düster aus. Definitiv wird es keinen Advent in den Gärten geben. Und auch die Lebenshilfe Altmark West hat laut Geschäftsführerin Beatrice Achtert entschieden, den traditionellen Adventsmarkt abzusagen. „Wir haben dann 1000 Leute im Haus. Dafür können wir kein Hygienekonzept aufstellen“, machte sie deutlich.

Die Stadtverwaltung prüft dagegen noch, erklärte Gabriela Winkelmann von der Stabstelle Stadtmarketing. Sie stellt mit Blick auf die aktuelle Situation aber auch klar: „Wir gehen kein Risiko ein.“ Was aber auf jeden Fall stattfinden soll, ist das Öffnen der 24 Kalendertürchen in der Weihnachtshütte auf dem Rathausplatz – ein Lichtblick für die finsteren Adventsaussichten.