Mieste l Das Piepen eines Rauchmelders hat Nicole Rudolf-Gerhard und ihren Kindern Melinda Gerhardt (16), Julian Gerhardt (13), Lena Isabell Rudolf (9) und Sara Rudolf (5) in der Nacht zum 9. Januar das Leben gerettet.

Wenn die Mutter an diesen Tag zurückdenkt, dann hat sie durch die vielen, schlimmen Erinnerungen Tränen in ihren Augen: „Ich bin durch den Rauchmelder wach geworden, da es ein sehr eindringliches und eher ungewohntes Geräusch war. Danach habe ich mich sofort in der Küche und auch im Bad umgeschaut – dort war nichts zu sehen“, erklärte Nicole Rudolf-Gerhard. Als sie jedoch die Tür des Wohnzimmers öffnete, kam ihr sofort eine Qualmwand entgegen. „Ich sah das Feuer. Es war nicht groß. Der Qualm war jedoch extrem“, erinnerte sich Nicole Rudolf-Gerhardt. Sie probierte in der Maisonette-Wohnung in die obere Etage zu gelangen, in der ihre älteren Kinder schliefen – vergebens.

Kinder alarmierten die Feuerwehr

Melinda Gerhardt (16) und ihr Bruder Julian Gerhardt (13) wurden durch die Rufe der Mutter wach. Sie waren es, die die Feuerwehr alarmierten und ihnen die Sachlage schilderten. Wenige Minuten später konnte die Familie aus der Wohnung befreit werden. Sofort probierte Andy Neubauer, Ortsbürgermeister von Mieste, Familienvater Danny Rudolf anzurufen – ohne Erfolg.

Es war um 4.30 Uhr am Donnerstagmorgen, als Danny Rudolf, der zu diesem Zeitpunkt auf Arbeit war, dann eine Information von einer Arbeitskollegin erhielt, dass er sofort auf sein Handy schauen solle. „Es war die Frau von Sven Rasch, dem Gardelegener Stadtwehrleiter“, sagte der Familienvater.

Da er selbst zu diesem Zeitpunkt kein Geld auf seinem Mobiltelefon hatte, rief er über das Handy seiner Kollegin bei Sven Rasch an, der ihn an Arne Mathiscig, Mitglied der Miester Feuerwehr, weiterreichte. „Er hat mir gesagt: ‚Danny, deine Aufgabe besteht jetzt darin, dass du nicht nach Mieste kommst, sondern direkt ins Krankenhaus fährst – deine Familie liegt dort, bei dir ist ein Wohnungsbrand ausgebrochen“, erinnert sich Danny Rudolf. Er gab seinem Chef Bescheid und machte sich sofort auf den Weg.

Familie im Krankenhaus

„In so einem Moment funktioniert man einfach nur noch“, antwortete Rudolf auf die Frage, was er in diesem Moment gedacht habe. „Ich habe die ganze Fahrt geweint, da ich nicht wusste, wie es meiner Familie geht.“ Im Krankenhaus angekommen, erfuhr er, dass sowohl seine Frau Nicole als auch seine und die Kinder seiner Frau mit dem Verdacht einer Rauchvergiftung eingeliefert worden waren. Entlassen wurden sie einen Tag danach. Das ganze Desaster, wie es Danny Rudolf umschreibt, konnte er sich erst dann ansehen.

„Hut ab vor meinen Geschwistern, die uns sofort unter die Arme gegriffen, eine Spendenaktion im Internet erstellt und uns geholfen hatten. Ein Dank gilt aber auch der Hansestadt Gardelegen, der Feuerwehr Mieste, dem Fußballverein, dem Handballverein sowie allen, die uns in der schweren Zeit zur Seite standen“, so Rudolf. „Diese Hilfsbereitschaft macht das Geschehene erträglicher“, wie Nicole Rudolf-Gerhardt einschätzte. „Es waren Menschen in unserer Wohnung, um zu helfen, die ich zuvor noch nie gesehen habe. Trotzdem haben sie sich bereit erklärt, zu helfen. Wir sind einfach sehr dankbar“, kann es Danny Rudolf noch immer nicht wirklich fassen.

Weit über 30.000 Euro sind demnach auf verschiedenen Spendenkonten binnen einer Woche eingegangen, wie Miestes Ortsbürgermeister Andy Neubauer bilanzierte. „Hinzu kommen ganz viel Bekleidung für die Kinder und für uns, und ganz viel Spielzeug“, sagte Nicole Rudolf-Gerhardt. Die vielen Kleidungsstücke, die der Familie nicht passen – sie wurden von zahlreichen Miestern in Eigeninitiative gewaschen – werden zur Tafel nach Gardelegen gebracht, wo weitere hilfsbedürftige Menschen darauf zugreifen können, informierte Andy Neubauer.

Bald in alte Wohnung zurück

Die restlichen Gegenstände, die irgendwann wieder in ihre Wohnung gebracht werden sollen, kann die Familie derzeit in einem Abstellraum von Claudia Schulz in Mieste lagern. Verwaltet wird ein Teil des Geldes von der Stadt Gardelegen, aber auch von einer Steuerkanzlei in Mieste. „Es ist besser, wenn es jemand verwaltet, der nicht zur Familie gehört, damit gar keine Neider auf den Tisch kommen“, erklärte Ortsbürgermeister Andy Neubauer. Denn wenn sich die Familie jetzt unter anderem Möbel kaufen wolle, werde es zunächst mit den Verantwortlichen der Konten abgesprochen.

Untergebracht ist die Familie derzeit in einer Wohnung von Bernd Uwe Mertens in Mieste. „Dafür sind wir sehr dankbar. Wir können jedoch auch bald in unsere alte Wohnung wieder zurück“, teilte Danny Rudolf erfreut mit. „Das ist bereits mit der Gardelegener Wohnungsbaugesellschaft abgesprochen. Innerhalb eines halben Jahres soll die Wohnung renoviert werden. Danach kann die Familie dort wieder einziehen“, fügte Andy Neubauer hinzu.

Um wieder etwas Normalität in den Familienalltag einziehen lassen zu können, arbeitet Danny Rudolf bereits wieder in einem großen Betrieb in Gardelegen. „Ich bin wirklich sehr froh darüber, dass wir noch da sind“, sagte Nicole Rudolf-Gerhardt.