Letzlingen l Die Liederauswahl des Männergesangvereines spiegelte die Gefühle der Letzlinger wohl am besten wider: „Stimmt alle mit uns ein, jeder soll fröhlich sein“, sangen sie auf der Treppe zur Letzlinger Kaufhalle zum Einstieg. Denn eigentlich wollten die Letzlinger ihren langjährigen Verkäuferinnen ja einen fröhlichen Abschied bereiten. Doch gleich im Anschluss stimmten die Herren den Gefangenenchor von Verdi an: „(...) O Erinnerung, du teure, verhängnisschwere ...“ Traurige Töne. Denn am Sonnabend schließt die Verkaufsstelle auf dem Letzlinger Marktplatz ihre Türen. Und darüber sind die Letzlinger ziemlich wütend. Denn die PUG-Warengenossenschaft hatte dort alle mit der Entscheidung fürs Aus kalt erwischt. Erst vor wenigen Wochen war sie bekannt gegeben worden.

Noch im 2017 habe es geheißen, dass Letzlingen bestehen bleibe, wenn der Umsatz da ist, erinnerte Kornelia Reps, gewähltes Mitglied der Konsumgenossenschaft. Der Umsatz sei da, dass die Zahlen dennoch nicht stimmen, liege wohl an den Betriebskosten, erklärte später Ortsbürgermeisterin Regina Lessing. Mit ihr hatte sich Reps sofort in Verbindung gesetzt, nachdem sich die Gerüchte um die Schließung der Verkaufsstelle als wahr herausstellten. „Es ist schlimm, dass PUG uns so kurzfristig damit konfrontiert hat“, so Lessing. Kurzfristig eine Lösung zu finden, sei kaum möglich. Dennoch arbeite sie daran, gemeinsam mit der Verwaltung der Einheitsgemeinde Gardelegen.

Ananas für 12.50 Mark

Reps erinnerte in ihrer Rede aber auch daran, welch ein Ereignis es einst war, als am 26. Mai 1976 die Konsumverkaufsstelle eröffnet wurde. „Damals gab es eine Porzellanabteilung, Babynahrung und Fisch, montags und donnerstags ganz frisch, später eine Delikatabteilung mit Ananas für 12,50 Mark“, schmunzelte die Letzlingerin.

Nach der Wende blieb die Kaufhalle zwar erhalten, doch die älteren Kollegen mussten in den Vorruhestand gehen, „mit 57 Jahren“. Von den drei Lehrlingen damals durfte nur eine bleiben, erinnerte sich Reps. „Das war Ellen Matthies“, die seit 31 Jahren in der Verkaufsstelle in Letzlingen arbeitet, diese seit fünf Jahren auch leitet. „Und nun wird nach 40 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes der Laden dicht gemacht“, sagte Reps.

Abschiedslied der Kita-Kinder

Um den Mitarbeitern „Respekt und Anerkennung“ zu zollen, hatte sie gemeinsam mit Martin Chelvier, Annette Sladczyk und Sandy von der Ohe die gestrige Aktion organisiert. Mehr als 150 Letzlinger kamen, auch aus der Kindertagesstätte und dem Hort. Die Kita-Kinder sangen sogar ein Lied, in dem sie erzählten, wie gern sie im Dorf einkaufen, und auch die Hortkinder sangen den Verkäuferinnen und ihren ehemaligen Kolleginnen, die gestern zur Veranstaltung kamen, ein Abschiedslied. Frauen des Ortes sorgten für Kaffee und Kuchen.

„Wir sind unendlich traurig über die Schließung der Verkaufsstelle“, betonte Ursula Kleemann, Vorsitzende der DRK-Ortsgruppe in Letzlingen, deren Mitglieder stets ihre Einkäufe in Vorbereitung auf die Blutspendetermine dort erledigt hatten. Karl-Ulrich Kleemann dankte den Mitarbeitern im Namen des Heimatvereines und des Männergesangvereines und deren Familien. Er rief die Verwaltung in Gardelegen auf, nicht zu ruhen „solange, bis wir wieder eine Verkaufsstelle haben“. Daran, dass es Möglichkeiten gibt, „dass im Ort wieder etwas passiert“, glaubt Regina Lessing fest: „Wir haben schon so viel geschafft. Wir haben die Apotheke und die Arztpraxis gerettet“, erinnerte sie.