Gardelegen l Systematisch ist das Grab ihres Mannes abgeräumt worden. Die Frühjahrsbepflanzung komplett verschwunden. Nicht nur einmal, gleich mehrmals steht eine Gardelegerin (Name der Redaktion bekannt) fassungslos vor der sonst so gepflegten Grabstelle auf dem Gardeleger Friedhof. Sie weiß sich nicht anders zu helfen: Kurzerhand stellt sie ein laminiertes Schild auf, auf dem sie die Besucher, und auch die Diebe, anspricht.

Blumenklau ist leider kein Einzelfall

Das, was der Witwe passiert ist, sei auch leider längst kein Einzelfall, betont Fachbereichsleiterin Birgit Matthies kürzlich im Gespräch mit der Volksstimme. Immer wieder komme es zu Diebstählen auf den städtischen Friedhöfen. Gardelegen selbst ist leider Spitzenreiter. Nur: Die meisten Betroffenen ärgern sich zwar, pflanzen dann aber einfach neu. „Einige Bürger konnten wir aber nun auch schon mal überreden, Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten“, betont Matthies. Denn nur so könnten Diebe, so sie erwischt werden, auch bestraft werden.

In erster Linie möchten Matthies und ihre Kollegin Bettina Bauer, die für das Ressort Friedhöfe zuständig ist, noch einmal eindringlich an alle Friedhofsbesucher appellieren, einfach mal genauer hinzusehen, wenn ihnen das Verhalten von Mitbürgern auf dem Friedhof seltsam vorkommt, und Personen die sich auffällig benehmen, ruhig einmal anzusprechen oder sogar die Polizei zu rufen. Auch die Stadt tut derzeit einiges: „Wir haben verschiedene Maßnahmen der Überwachung eingeleitet.“ Auch nachts werde schon mal kontrolliert. Alle Mitarbeiter der Lebenshilfe im Grünbereich seien sensibilisiert. Bettina Bauer und ihre Kollegin Angelika Lemke von der Stadt gehen jedem Hinweis nach und jeder, der erwischt wird, müsse garantiert auch mit einer Anzeige rechnen.

Mopedfahrer auf Hauptwegen

Aber nicht nur der Blumenklau, auch andere Vorkommnisse sorgen regelmäßig für Ärger. So gebe es ständig Beschwerden über radelnde Friedhofsbesucher, die selbst zwischen den Gräberreihen und nicht nur auf den breiten Hauptwegen fahren. Sogar Mopedfahrer nutzen die Verbindungen zwischen Bismarker Straße und Holzweg schon mal als Abkürzung. Das allerdings ist ausdrücklich verboten, betont Matthies.

Ein weiterer Grund für Ärger sei auch das illegale Abladen von Müll. Nicht nur jenen, der beim Pflanzen anfällt, auch Hausmüll fände sich ständig auf den Friedhöfen an. „Sogar Beutel mit Windeln haben wir schon gefunden.

Deshalb weisen die städtischen Mitarbeiter auch hier noch einmal auf die gültige Friedhofssatzung hin (siehe Infokasten). Laut dieser dürfen ohnehin nur organische Abfälle an den dafür ausgewiesenen Stellen auf dem Friedhof hinterlassen werden. Kunststoff- und Pappbehältnisse, Blumentöpfe oder Folien von Blumenerde müssen privat entsorgt werden. Für alle, die die Satzung noch nicht kennen, können dies nun direkt auf dem Friedhof nachholen. „Wir haben nämlich jetzt Tafeln mit den Regeln aufgestellt“, teilt Birgit Matthies mit.