Gardelegen l Zusammen am Lagerfeuer sitzen, lachen, etwas trinken, sich Storys erzählen und im Anschluss gemütlich im Zelt schlafen. All das planten die Brüder Nico und Robin S. (Namen von der Redaktion geändert) mit Freunden vom 9. bis 11. August 2019. Dass bei diesem friedlichen Beisammensein auch die Polizei sowie ein Notarzt eine Rolle spielen würden und sich Nico S. einige Monate später im Amtsgericht für eine Tat verantworten muss, daran hat wahrscheinlich keiner der damals Beteiligten vor dem besagten Wochenende gedacht. Was war also bei diesem eigentlich friedlichen Beisammensein passiert?

„Wir haben halt zusammen mit Freunden ein Wochenende verbracht. In der letzten Nacht von Sonnabend auf Sonntag saßen mein Bruder und ich noch etwas länger am Feuer. Die anderen waren da schon in ihren Zelten“, erzählte der Angeklagte. „Wie kam es denn zur Auseinandersetzung zwischen Ihnen und Ihrem Bruder?“, wollte Richter Axel Bormann wissen.

Scheinbar vom Leben überfordert

„Wir haben uns erst normal unterhalten. Irgendwann haben wir uns einfach Dinge an den Kopf geworfen, von denen wir wussten, dass sie den anderen verletzen. Es hat sich dann alles hochgeschaukelt“, erklärte der 21-Jährige. Nico S. erzählte weiter, dass sein 18-jähriger Bruder dann einen Satz sagte – an diesen konnte er sich im Amtsgericht allerdings nicht mehr erinnern –, der ihn sehr verletzt und wütend gemacht habe. Daraufhin ging Robin S. in Richtung Zelt. „Einige Minuten später bemerkte ich meinen Bruder, der eine leere Schnapsflasche in der Hand hielt und auf mich zukam. Ich wollte ihn mit der linken Hand wegstoßen, dabei traf er mit einem Schlag meine rechte Schulter“, erklärte der Geschädigte Robin S. im Saal 1.06 des Gardelegener Amtsgerichts.

Er ging daraufhin kurz zu Boden. So auch die Scherben der Flasche, die sich nach dem Aufprall auf dem Garten-Erdreich verteilten. „Ich war so sauer und wollte zu ihm. Mein Vater und Freunde haben mich aber zurückgehalten und auf den Boden gedrückt. Dadurch habe ich wahrscheinlich die Schnitte am Rücken“, schätzte Robin S. ein. Die Tat räumte Nico S. während der Verhandlung ein. Dem 21- Jährigen wurde auferlegt, sich einen Betreuungshelfer zur Seite zu holen. Denn Nico S. sei derzeit offenbar mit seinem Leben überfordert, wie Axel Bormann erklärte. Er habe keine abgeschlossene Ausbildung, habe ein Problem mit Drogen und lebe in den Tag hinein. Außerdem muss Nico S. 80 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten und darüber auch einen Nachweis erbringen.