Schädlingsbefall

Größte Buchsbaumanlage der Altmark in Kalbe ist in Gefahr

Der Buchsbaumzünsler treibt Hobbygärtnern in der Altmark Tränen in die Augen. Inzwischen gefährdet er auch die größte Buchsbaumanlage der Region in Kalbe.

Von Malte Schmidt
Der Buchsbaumgarten in Kalbe ist der größte der Altmark. Verzeinzelt sind auch in diesem Pilzschäden und sogar Gespinste zu erkennen.
Der Buchsbaumgarten in Kalbe ist der größte der Altmark. Verzeinzelt sind auch in diesem Pilzschäden und sogar Gespinste zu erkennen. Foto: Malte Schmidt

Kalbe - „Viele Jahre ist die Altmark vom Buchsbaumzünsler, einem Falter, dessen Raupen die Blätter der Buchsbäume fressen, verschont geblieben“, weiß Experte Wilhelm Hönow aus Baben. Inzwischen sei das jedoch nicht mehr der Fall. Im Gegenteil. Immer mehr Insekten dieser Art würden Pflanzen in der Region vernichten. So auch in der Einheitsgemeinde Gardelegen, wo ein Leser fast dabei zusehen konnte, wie aus seinem wunderschönen Buchsbaum binnen weniger Tage ein Gerippe wurde (Volksstimme berichtete).

Experte nimmt Stellung

„Es war leider nur eine Frage der Zeit, bis auch unsere Region davon so stark betroffen ist“, betont Hönow. Doch wie sieht es im größten Buchsbaumgarten der Altmark in Kalbe aus? Von Weitem ist am Montagmorgen auf dem Gelände am Schloss von Goßler, der sowohl unter Denkmal- als auch unter Naturschutz steht, ein sattes Grün zu erkennen. Aber der Schein trügt. Denn je näher man den Pflanzen kommt, desto mehr gelb verfärbte Blätter sind zu erkennen. Hinzu kommt, dass es auch schon Fraßspuren gibt. Die Gespinste des Buchsbaumzünslers zwischen den sehr eng gepflanzten Bäumchen fallen sofort ins Auge, wenn die feinen Äste leicht auseinandergedrückt werden.

In vielen Bereichen des Gartens sind in den Buchsbäumen Gespinste zu entdecken.
In vielen Bereichen des Gartens sind in den Buchsbäumen Gespinste zu entdecken.
Foto: Malte Schmidt

„Wo der Buchsbaumzünsler zubeißt, sind die Schäden gewaltig. Er fällt nur den Buchsbaum an, den aber schonungslos: Zuerst werden die Blätter abgenagt, dann die Rinde bis aufs Holz. Alle Pflanzenteile oberhalb der angefallenen Stelle sterben ab“, weiß Hönow. Denn der Buchsbaumzünsler fällt wie eine Naturgewalt über die Pflanzen her. Die Raupen selbst sind am Montag vor Ort noch nicht sofort sichtbar.

Auch Pilzbefall zu verzeichnen

Dafür fallen jedoch die Schäden, die der Pilz Cylindrocladium buxicola angerichtet hat, ins Auge. Dieser sorgt dafür, dass sich die Blätter der Buchsbäume orange-braun verfärben oder Blätter braune Punkte bekommen.

„Die Buchsbaumanlage in Kalbe sieht noch sehr grün aus. Auch Gespinste sind unseren Mitarbeitern noch nicht aufgefallen“, erklärte Bürgermeister Karsten Ruth auf Volksstimme-Anfrage. Jedoch nehme er dieses Thema sehr ernst. Deshalb werde es vor Ort wieder Kontrollen geben. „Selbst im heimischen Garten habe ich ihn. Es ist traurig, was mit diesen alten Bäumen passiert“, so Ruth in Bezug auf den Buchsbaumzünsler.

Doch wie genau kann die Stadt jetzt vorgehen? Das weiß Wilhelm Hönow: „Ich mache es seit vier oder fünf Jahren so, dass ich den Austrieb vom Vorjahr im Frühjahr abnehme. Danach beginnt nämlich das Wachstum und der Buchs treibt ganz schnell aus.“

Außerdem, so Hönow, arbeite er dann mit zugelassenen Insektiziden, die in die Pflanze eindringen und sie somit besser vor dem Buchsbaumzünsler oder dem eingangs erwähnten Pilzbefall schützen würden. „Ich würde jetzt raten, dass in Kalbe deutlich auf einen Falterflug geachtet wird. Wenn jedoch bereits Raupen geschlüpft sind oder gerade schlüpfen, dann müssen wir mit einem Insektizid spritzen“, so der Buchsexperte, der die Anlage in Kalbe bestens kennt, da er dort schon mehrfach sogenannte Buchsbaumtage betreut hat.

Vor Ort müsse das Problem genau im Auge behalten werden. „Ich bin auch für Gespräche mit der Stadt da. Mein Telefon steht momentan ohnehin selten still. Mir liegt sehr viel an diesen Pflanzen“, machte Wilhelm Hönow deutlich. Nach seinen Angaben „ist die Buchsbaumanlage in Kalbe sehr gefährdet.“