Gardelegen l Zwischen 60.000 und 240.000 Euro liegt die Preisspanne. Rund 140.000 Euro muss durchschnittlich auf den Tisch legen, wer aktuell in Gardelegen ein gebrauchtes freistehendes Haus kaufen will. Das ist das Ergebnis der neuen Marktstudie für Wohneigentum, die die Landesbausparkasse kürzlich herausbrachte. Und nicht nur das: Derjenige muss zudem auch noch richtig schnell sein, versichert Immobilienfachmann Christian Schwarzlose. Denn „kaum ist es auf dem Markt, ist es auch schon wieder weg.“ Derzeit gebe es nur wenige Angebote. Deshalb überlegten viele Interessenten auch gar nicht lange. „Wer schon eine Weile sucht, weiß, dass da oft monatelang nichts passiert.“ Und das gilt längst nicht nur für Gardelegen. Auch in Mieste, Letzlingen und Jävenitz würden, sozusagen als Stadtersatz, Häuser gesucht. „Seit vier bis fünf Jahren steigt die Nachfrage ständig“, versichert Schwarzlose, der sein gleichnamiges Immobilienbüro bereits in dritter Generation führt. Derzeit erleben er und seine Berufskollegen nämlich einen wahren Ansturm auf Wohneigentum.

Häuser aus zweiter Hand, die früher für 50 bis 60.000 Euro weggingen, seien heute oft doppelt so teuer. Selbst wenn das Objekt nur DDR-Standart aufweist, „wenn es gepflegt ist, bekommt man es heute nur selten unter 100.000 Euro“.

Auch Bauland ist teuer

Ähnliche Preissteigerungen gelten übrigens auch für erschlossenes Bauland, betont Schwarzlose. Noch vor wenigen Jahren sei das unter Umständen schon mal für 25 Euro pro Quadratmeter zu haben gewesen. „Heute ist es mindestens zwei mal so viel.“

Grund für den Boom ist nach wie vor die Niedrigszins-Phase. Baugeld gibt es derzeit extrem günstig. Dennoch rät Christian Schwarzlose allen, die sich für Wohneigentum interessieren, genau nachzurechnen: Die Faustformel: „Die Rate sollte etwas niedriger sein als die Warmmiete, die man – zum Beispiel als vierköpfige Familie für eine Vier-Zimmer-Wohnung – zahlen muss.“ Denn schließlich müssen Wohneigentümer ihre Betriebskosten ja ebenfalls zahlen. Und die sind für ein Haus meist noch höher als für eine Wohnung.

Lange Wartezeiten

Riskant könnte unter Umständen auch der Kauf eines sanierungsbedürftigen Hauses sein. Denn mit den gesunkenen Zinsen sind neben den Immobilienpreisen auch die Baukosten explodiert. Zudem haben sich die Wartezeiten extrem verlängert. „Wer heute bei einer Baufirma anruft, muss sich auf lange Wartezeiten, manchmal von einem bis eineinhalb Jahren einstellen“, weiß Schwarzlose. Und das gilt für Neubauten genau so wie für Sanierungen.

Die Alternative für Menschen, die gern einfach nur tapezieren und einziehen möchten, sind natürlich nach wie vor Eigentumswohnungen. Und das Angebot sieht in Gardelegen gar nicht schlecht aus, schätzt der Fachmann ein. „Bei Eigentumswohnungen fallen Grundstückskosten nur wenig ins Gewicht“, heißt es im „Markt für Wohnimmobilien“ der LBS. Preissteigerungen gab es aber auch hier: „Käufer einer gebrauchten Wohnung mit 80 Quadratmetern müssen mit einen Preis von rund 68.000 Euro rechnen“, sagt die Studie. Das deckt sich mit den Zahlen einer Erhebung von ImmobilienScout24, an der Christian Schwarzlose mitgearbeitet hat: Die zeigt die Entwicklung der Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen in Gardelegen von 2007 (500 Euro) bis 2018 (887 Euro).

Dass es sich trotz gestiegener Preise und langer Bauzeiten rechnet, sich Wohneigentum zuzulegen, davon ist der Fachmann dennoch überzeugt. Denn nach wie sei das eine ideale Altersvorsorge. Und Wohnen bleibt natürlich auch in Gardelegen Herzenssache. Und wichtig ist dabei nicht nur die Ausstattung, sondern auch die Lage.

Übrigens: Auch in Gardelegen gibt es sie, die „guten Adressen“. Miettechnisch gehören zum Beispiel Goethestraße, Nesenitzbach, Letzlinger Landstraße oder Dr. Robert-Koch-Straße zu den „Highligt-Ecken“, versichert Schwarzlose schmunzelnd.