Letzlingen l 25 Akteure, Glocken von Daumendicke bis zur Größe eines Zwanzig-Liter-Eimers und ein Programm von religiösen Liedern über Opernmelodien bis hin zu Filmmusik: „Oper trifft Western“ hatte der Handglockenchor aus Wiedensahl sein Gastspiel in der Letzlinger Schlosskirche überschrieben. Es erklangen altbekannte Melodien, und doch so neu und anders, dass den Zuhörern oft einfach nur ein überraschtes „Toll“ oder „Wow“ entfuhr, wenn der letzte Glockenton ausgeklungen war.

Zartes Klingen wie von Miniaturglockenspielen oder volle Töne wie von dicken Kirchturmglocken schwebten durchs Kirchenschiff, mal mit dem Schlägel angeschlagen, mal mit einer ruckartigen schwarz-behandschuhten Bewegung zum Klingen und sofort wieder durch leichtes An-die-Brust-Pressen zum Schweigen gebracht.

Abendsegen und Stierkampf

Märchenhaft und verzaubernd klingelte Humperdincks Abendsegen aus der Oper „Hänsel und Gretel“, temperamentvoll und volltönend riss die Ouvertüre zu Carmen die Zuhörer hin. Und als mit „Moment for Morricone“ die klassischen Themen der großen Italo-Western erklangen, hätte vermutlich kein Gesetzloser zu schießen gewagt, um das Konzert nicht zu stören.

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Handglockenspiel ist eine Kunst, die vor allem in den USA eine große Tradition hat, verriet Thomas Eickhoff, der den Chor leitet und in seinen Moderationen einiges über diese ungewöhnlichen Instrumente erzählte. Stücke wie „Laudamus“ von Arnold B. Sherman oder „Bell Prayer“ von A. Steven Taranto stammen aus dieser Tradition. Zum Beitrag „Carillon Celebration“ von Douglas E. Wagner erfuhr das Publikum von Eickhoff mehr über das „Carillon-Glockenspiel“ mit bis zu 84 Glocken, die in Kirchtürmen angebracht sind. Auch in Deutschland gebe es 23 Kirchen mit Carillon-Glockenspielen.

„So etwas haben wir in unserem Gotteshaus überhaupt noch nicht gehört“, meinte Pfarrer Gerd Hinke, der aus Wiedensahl stammt und den Chor erst kürzlich bei der goldenen Hochzeit seiner Eltern kennengelernt und sofort engagiert hatte. Das Konzert in der Letzlinger Kirche war denn auch ein kleines Familienfest, wie er erzählte, denn auch Kinder seines Cousins und seiner Cousine spielen in dem Chor mit.

Dass der Chor aus der Geburtsstadt Wilhelm Buschs stammt, demonstrierten die Musiker beim Abschluss auf ihre ganz eigene Art: Sie hatten für Gerd Hinke eine im Stile des Malers und Karikaturisten gefertigte Bildergeschichte mitgebracht, in der Chormitglied Max Buhr Buschs Darstellung eines Klaviervirtuosen in eine Handglocken-Darbietung umgestaltet hatte. Und sowohl Gastgeber als auch Gäste meinten übereinstimmend: Es sollte eine Zweitauflage des Konzertes geben. Was die Zuhörer mit begeistertem Applaus quittierten.