Zienau l Es passierte am 29. April 2019. Manfred und Brunhilde Straue fuhren zum Einkaufen nach Gardelegen. Doch dazu kamen sie gar nicht mehr. Der 89-Jährige stürzte vor dem Einkaufsmarkt an der Hopfenstraße und brach sich den rechten Arm. Was nun? Die Kinder und Enkelkinder wohnen in Berlin, sind weit weg. Straues riefen bei Familie Leinert in Zienau an, die früher ihre Nachbarn waren, heute immer noch vis a vis von Straues wohnen und ihnen schon oft hilfreich zur Seite standen.

Wer im Dorf wohnt, ist auf ein Auto angewiese

Und Leinerts – dazu gehören Simone und ihr Mann Rainer sowie die Tochter Sandra und ihr Mann Florian – handelten sofort. „Innerhalb von zehn Minuten waren sie vor Ort“, blickt die 81-Jährige im Volksstimme-Gespräch voller Dankbarkeit zurück. Sie brachten Manfred Straue ins Krankenhaus und das Auto zurück nach Zienau. Doch damit war es nicht getan, denn Brunhilde Straue hat zwar auch die Fahrerlaubnis, „ich bin aber nie gefahren“, erzählt sie. Sie war nie auf ein Auto angewiesen, weil sie in Zienau arbeitete. Brunhilde Straue managte dort den Einkaufsladen.

Für alles andere war sie mit ihrem Mann unterwegs. Deshalb würde sie – und nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus beide Straues – aus Zienau gar nicht weg kommen – weder zum Krankenhaus, zum Arzt, zum Friseur, zur Bank oder, ganz profan, zum Einkaufen. Aus diesem Grund fiel ihr ein großer Stein vom Herzen, als Sandra Leinert, die im Februar einen Sohn entbunden hatte, aus diesem Grund Zuhause war und ihre Zeit einteilen konnte, sagte: „Brunhilde, das kriegen wir schon hin.“

Auch heute noch täglichen Kontakt

Und es gibt Hilfe von weiteren Nachbarn. Klaus Kahrstedt fuhr Straues zum Arzt, wenn Bedarf war. Irmgard Kahrstedt ruft auch heute noch jeden Sonntag gegen 10.30 Uhr an und fragt, wie es Straues geht, ob etwas anliegt. Und Hannelore Görlich holte Brunhilde Straue an jedem Freitag seit April um 8.30 Uhr zum Einkaufen ab. Seit Anfang Oktober fährt Manfred Straue wieder selbst Auto, aber nur kleine Strecken nach Gardelegen. „Wir haben soviel Glück mit diesen Nachbarn“, ist Brunhilde Straue voller Dankbarkeit.

„Und Sandra, das ist so eine Gute“, schwärmt sie weiter, und auch deren großer Sohn hat schon mitgeholfen und beispielsweise die Einkäufe reingetragen. Sie sei, so die 81-Jährige weiter, so etwas wie eine „Leih- oma“ für die Kinder und schaue eigentlich auch jeden Tag bei ihnen vorbei. „Wenn nicht“, so Brunhilde Straue, „ruft Sandra an und fragt, ob was ist.“ Das sei sehr beruhigend mit einer positiver Nebenwirkung: „Ich schlaf auch ruhiger.“