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Offenbar Wolfsriss im Weteritzer Park

Ein totes Reh - mit großer Wahrscheinlichkeit gerissen von einem Wolf - wurde im Weteritzer Park nahe der dortigen Wohnbebauung gefunden.

Weteritz l Im Weteritzer Park sind oft Spaziergänger unterwegs. Mal bekommen sie Nutrias zu Gesicht, die sich dort an und in den Teichen wohlfühlen. Auch die Vogelwelt ist reichlich in der Grünanlage vertreten, und natürlich streift des Nächtens auch Wild durch den Park. Alles nichts Besonderes also, sondern Naturerleben vor den Toren der Stadt. Ein Spaziergänger war auch am 3. Juli im Weteritzer Park unterwegs. Ein sonniger, aber kühler Freitag. Und er entdeckte am ersten Teich – wenn man den Weg zwischen Schloss und den dortigen Wohnblöcken in den Park geht – ein totes Reh. Ziemlich zerfressen. An sich nicht unbedingt etwas Besonderes. Möglicherweise wurde das Reh ja von einem Jäger angeschossen und konnte noch flüchten. Eine Nachsuche blieb erfolglos. Und das Tier ist dann irgendwo verendet. In diesem konkreten Fall an einem der Teiche im Weteritzer Park.

Der Spaziergänger informierte die Stadtverwaltung. Auch für Florian Kauer, im Rathaus als Fachdienstleiter für allgemeine Gefahrenabwehr tätig, war das jetzt auch noch nichts Besonderes. Er beauftragte eine Fachfirma mit der Beseitigung des Kadavers. Die fuhr auch hin und informierte Kauer dann, dass das Tier vermutlich von einem Wolf gerissen worden ist.

Kauer, selbst auch Jäger, fuhr nach Weteritz und sah sich das Tier an, ein sogenanntes Schmaltier, also ein Jungtier vom vergangenen Jahr. Am Hals sei der wolfstypische Kehlbiss erkennbar gewesen, sagte Kauer auf Volksstimme-Anfrage. Er informierte daraufhin das Wolfskompetenzzentrum in Iden. Vor Ort war dann die Biologin Antje Weber. Sie nahm DNA-Spuren vom Reh. Außerdem wurden Bissspuren vermessen, der Fundort genauestens inspiziert. Zu 95 Prozent könne man davon ausgehen, dass ein Wolf das Reh gerissen habe, sei die erste Aussage vor Ort gewesen, so Kauer.

Die Ergebnisse der Untersuchungen würden allerdings frühestens in einem Vierteljahr vorliegen, da es sich nicht um einen Nutztierriss gehandelt habe. „Mir ist ein solcher Fall nicht bekannt, dass ein Wolf so dicht an einer Wohnbebauung auftaucht“, so Kauer. Allerdings müsse auch klar sein, dass dies überhaupt kein Fall zur Panikmache sei.

Für den Vorsitzenden der Gardelegener Jägerschaft, Gerhard Henke, ist der Vorfall ebenfalls nicht verwunderlich. „Es wurden schon nachts Wölfe beobachtet, die auf der Dorfstraße unterwegs waren. In Sylpke zum Beispiel“, sagte Henke auf Volksstimme-Anfrage. Viele Tiere hätten schon jegliche Scheu verloren. In der Jägerschaft gehe man davon aus, dass es auch hier in der westlichen Altmark kein Gebiet mehr gibt, durch das nicht schon einmal ein Wolf gestreift ist.

Wolfsrudel gebe es im Raum Zichtau und Klötze und auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes in der Colbitz-Letzlinger Heide. „Was hier rumstreift, sind Einzelgänger, manchmal sind es auch zwei Wölfe“, so Henke. Isegrimm werde in hiesigen Breiten also regelmäßig gesichtet, aktuell vor allem im Raum Klötze und Breitenfeld, wo es noch Damwild gebe. In der Region Gardelegen seien die Damwildbestände bereits drastisch zurückgegangen, nachdem der Wolf hier schon die Muffelbestände ausgerottet habe. „Man merkt es auch am Verhalten des Wildes, wenn sich Wölfe in der Nähe aufhalten. Wenn die da sind, ist kein Wild zu sehen“, so Henke.

Ob es sich im Weteritzer Park nun um einen Problemwolf handelt, könne man so nicht einschätzen. Laut Bundesjagdgesetz dürften Problemwölfe abgeschossen werden. Sachsen-Anhalt aber tue sich schwer. Umweltministerin Claudia Dalbert lehne das ab, weil damit gegen geltendes EU-Recht verstoßen werde. Und innerhalb von Wohnbebauungen sei das ohnehin ein Problem, denn in einer Entfernung von 300 Metern dürfe nicht geschossen werden.