Gardelegen l Kurz vor 17 Uhr am Sonntag zogen Blitz und Donner über Gardelegen und ein Platzregen ging nieder. Mit Blick auf das in zwei Stunden beginnende Sommer-Klassik-Open-Air von Giuseppe Verdis „Nabucco“ auf dem Gardelegener Holzmarkt ein sehr ungünstiger Zeitpunkt.

Doch zum Glück hielt der Regen nicht an. Die dunklen Wolken verzogen sich. Als um 18 Uhr der Eingang für die Opernbesucher geöffnet wurde, war alles wieder in Ordnung gebracht und die Stühle trocken gewischt. Sogar die Sonne wagte noch einen Blick auf die Freiluftlocation an der Nikolaikirche, bevor sie langsam unterging und die Nacht sich herniedersenkte.

Gefangenenchor brillierte zweimal

Und es war dieses wunderbare Ambiente unter freiem Himmel und die dadurch lockere Atmosphäre, die die rund 450 Besucher zu schätzen wussten und dabei das dramatische Spiel um Macht, Verrat und Liebe, die wunderbar facettenreichen Stimmen der Solisten – Nikolaj Nekrassov als Nabucco, Liana Sass als Abigaille, Hana Dobesova als Fenena, Josef Moravec als Ismaele, Jurij Kruglov als Zaccharias, Oldrich Kriz als Gran Sacerdote, Zdenek Haas als Abdallo und Michaela Dvorakova als Anna – und den kraftvollen Klang des Chores genießen durften.

Und dieser brillierte nicht nur, aber insbesondere mit dem berühmten Gefangenenchor im dritten Akt, der jeden Zuhörer im wahrsten Sinne gefangen nimmt – ein Gänsehautmoment, der am Sonntagabend sogar gleich zweimal zu erleben war. Denn nicht nur mit lang anhaltendem und nicht enden wollendem Beifall, sondern auch mit stehenden Ovationen zollte das Publikum den Künstlern ihren Dank für diesen wundervollen Sommerabend. Und diese bedankten sich, in dem sie noch einmal das Lied „Va, pensiero, sull‘ali dorate“ („Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“) anstimmten. Und nicht nur die Stimmen erklangen auf höchstem Niveau, auch das begleitende Orchester unter dem Dirigat von Martin Doubravsky war absolut hörenswert.