Jerchel l Mit einem Dutzend Gespanne hat vor mehr als 600 Jahren in Jerchel alles angefangen. Genau genommen sogar vor noch längerer Zeit. Um das Jahr 1200 gab es bei Dömitz im Südwesten Mecklenburgs einen Elbdurchbruch. Durch die Veränderung des Flusslaufes ist der Wasserstand des Sumpfgebietes am Rande des Drömlings, wo sich heute Jerchel befindet, um 1,20 Meter gesunken, weiß Heimatforscher Otto Mewes zu berichten. Im 14. Jahrhundert hatte daraufhin der Markgraf von Brandenburg Landvermesser angewiesen, das Areal dort in Augenschein zu nehmen Neues Land für den Ackerbau war gewonnen. Aus dem Ort Jerchel bei Tangerhütte zogen daraufhin Bauern mit insgesamt zwölf Gespannen an den Rand des Drömlings und bauten dort ein neues Jerchel auf. Sie bekamen Acker- und Wiesenland zugewiesen. „Jerchel ist als reines Bauerndorf entstanden“, so Mewes. In einem Heimatbuch von Franz Mertens ist die Jahreszahl 1345 für die Erstnennung von Jerchel zu finden, wie Mewes berichtet.

Erinnerung an zwölf Gespanne

Was das alles mit dem Wappen des Dorfes Jerchel zu tun hat? Eine Menge. Die zwölf Gespanne, mit denen einst die Siedler dorthin gekommen sein sollen, bilden schließlich die Grundlage für den bestimmenden Teil des Jercheler Wappens.

Ein Wappen wird nämlich in drei Bereiche unterteilt. Links befindet sich der bestimmende Teil, rechts der sagende Teil und obendrüber der nominale Teil, also der namengebende. „Und damit ging es damals auch los, als wir uns überlegten, ein Wappen für unser Dorf gestalten zu wollen“, erinnert sich Mewes. Erste Überlegungen gab es bereits in den 1970er Jahren. Mewes war damals Mitglied der Gesellschaft für Heimatgeschichte. „Wir überlegten, was für Jerchel bestimmend ist. Einen Adler konnten wir ja nicht nehmen“, sagt Mewes. In schwarzer Tingierung ist der Adler seit dem 15. Jahrhundert nämlich das Wappentier des römisch-deutschen Kaiserreiches. „Und dann hatte jemand die Idee: Die Gespanne der Siedler, die sind doch für uns bestimmend“, erinnert sich der Heimatforscher. Diese sollten mittels Räder dargestellt werden. Aber zwölf Räder passen auf kein Wappen. Der Heraldiker, der die Erstellung des Wappens unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten begleitete, riet dazu, ein halbes Wagenrad darzustellen, so Mewes.

Für die andere Hälfte des Wappens entschieden sich die Jercheler für die Zottelwicke. Die blaublühende Pflanze ist an sumpfigen Stellen bei Jerchel noch heute anzutreffen. Die Zottelwicke galt als Futterpflanze für Kühe. Allerdings, weiß Mewes auch zu berichten, „wer diese Pflanze im Getreide hatte, der konnte es kaum mähen, denn die Pflanze windet sich an den Halmen hoch und verzottelt dabei das Getreide“. Die Zottelwicken, auch Gerkeln genannt, waren die Namensgeber des Ortes. „Durch Lautverschiebung und so weiter wurde dann Jerchel daraus“, erklärt Mewes.

Der grüne Untergrund des Jercheler Wappens symbolisiere die Farbe der Blätter, gelb gelte als leuchtende Farbe und Kontrast, so Mewes. „Und rot konnten wir schließlich für das Wappen nicht verwenden. Rot ist die Farbe der Herrscher.“

In den 1990er Jahren wurde das erstellte Wappen als Holzkonstruktion im Ort aufgestellt. Wer durch den Ort fährt, erblickt es am Straßenrand. Der Namenszug Jerchel steht dabei als nominaler Wappenteil über den eigentlichen Wappen.

Im nächsten Teil werden wir das Lindstedter Wappen vorstellen. Die Serie erscheint am 8. November.