Gardelegen l Das Wasser ist abgestellt. Die Brunnen auf dem Holzmarkt und dem Rathausplatz in Gardelegen und auf dem Marktplatz in Letzlingen haben für diese Saison quasi ausgesprudelt. Die Technik wurde winterfest gemacht. In Gardelegen waren dafür Hartmut Gala und Hans-Dieter Stock vom Hausmeisterbereich der Stadtverwaltung zuständig. Doch zurückblickend fällt ihre Bilanz, was Ordnung und Sauberkeit anbelangt, komplett negativ aus. „Wir holen hier laufend ganz viel Dreck raus“, zeigte sich Hartmut Gala verärgert über die Unvernunft einiger Mitmenschen. Zigarettenkippen, Bierflaschen, Taschentücher, Eiswaffeln – alles das lassen Zeitgenossen ins Brunnenwasser fallen. Kinder würden im Brunnen baden. Einige Hundehalter ließen gar ihre Vierbeiner ins Brunnenwasser springen.

Brunnenwasser könnte länger genutzt werden

Besonders in den Abend- und Nachtstunden bleiben die Flaschen im Brunnen und auf dem Rathausplatz liegen. Ganz zu schweigen vom Urinieren unter den Rathauskolonnaden, seit Jahren ein „ekliges Problem“. Und auf dem Holzmarkt sieht es nicht anders aus. „Dort waren schon Blumentöpfe drin“, schilderte Gala die Situation. Sogar Tampons fanden sich im Brunnen und verursachten eine Verstopfung der Abflüsse.

Zwei- bis dreimal pro Woche müssten die Brunnen gereinigt werden. Und dabei sei das überhaupt nicht erforderlich – wenn die Menschen ordentlich damit umgehen würden. Beide Brunnen seien mit einer automatischen Befüllungsanlage ausgestattet. Gefüllt wird mit Trinkwasser, das dann im Kreislauf fürs Sprudeln sorgt. Gebe es keine Verschmutzungen oder Verstopfungen durch Müll und Unrat, könnte das Brunnenwasser viel länger genutzt werden.

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Schon vieles versucht

Gardelegens Kämmerer Maik Machalz kennt das Problem. Jeden Morgen ab 6 Uhr seien die Männer im Einsatz, um rings ums Rathaus und auch am Haus II der Stadtverwaltung die Hinterlassenschaften der Nacht zu beräumen. Es sei auch schon erwägt worden, am Rathaus eine Videokamera anzubringen, um solche Leute mal zu erwischen. Aus Datenschutzgründen habe man aber die Finger davon gelassen. „Wir haben schon vieles versucht, auch das Licht brennen lassen, es hat nichts funktioniert“, sagte Machalz. Vor allem die Pinkelei am historischen Gemäuer sei einfach widerwärtig.

Für jeden Brunnen seien im Haushalt der Stadt 2000 Euro für Wasser und Energie veranschlagt. Allerdings könne man die Arbeitsleistung für das ständige Reinigen der Brunnen – wobei es in Letzlingen nicht die Probleme gibt – nicht konkret ermessen. „Wir machen das alles in Eigenregie“, so Machalz.

Öffentliche Toilette in der Nähe

Verärgert über das Verhalten einiger Mitmenschen ist auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher. Und sie fand drastische Worte. „Bedauerlicherweise erwischen wir keinen. Aber wir können ja schließlich auch keinen Elektrozaun aufbauen. Es ist manchmal einfach nur ekelhaft“, sagte Schumacher – nicht zuletzt auch mit Blick auf Rathauspinkler. Zumal es eine öffentliche Toilette auf dem Parkplatz hinter dem Haus II der Verwaltung, also nur wenige Meter vom Rathausplatz entfernt, gebe.

„Wenn sich alle so benehmen würden wie zu Hause, dann hätten wir 90 Prozent weniger Ordnungswidrigkeiten. Es lässt schließlich auch niemand zu Hause seinen Hund aufs Sofa kacken oder schmeißt seinen Müll ins Wohnzimmer“, schimpfte Schumacher. Dabei sollten sich die Menschen an solchen Dingen, wie die Brunnen, erfreuen, wenn sie auf dem Rathausplatz sitzen und Eis und Kaffee genießen

Aufkleberflut in der Stadt

Und Mandy Schumacher und auch etliche Volksstimme-Leser, die sich in der Redaktion gemeldet hatten, ärgert noch eine andere Sachbeschädigung in Größenordnung. In der Gardelegener Innenstadt sind zahlreiche Verkehrsschilder, Papierkörbe und andere Gegenstände mit FCM-Aufklebern verschandelt worden. Ein Gardelegener hatte sich sogar die Mühe gemacht, die Aufkleber zu zählen. Über 500 Zettelchen sollen es sein. Darunter auch viele mit dem offiziellen Gardelegener Stadtwappen. Und das sei schließlich ohne Genehmigung der Stadt nicht erlaubt.

Das bestätigte denn auch Mandy Schumacher. Für diese FCM-Aufkleber habe es natürlich keinen Antrag auf Wappennutzung gegeben. Die Stadt wird jetzt alle Klebchen von verkehrsrelevanten Schildern entfernen. Eingesetzt werden städtische Mitarbeiter, die mit einem speziellen Mittel die Aufkleber beseitigen, aber eben nicht an jedem Papierkorb oder Aufsteller. „Wenn wir eine Firma damit beauftragt hätten, wäre das richtig teuer geworden“, betonte Schumacher.

Überhaupt nicht teuer wäre dagegen das Verwenden des Gardelegener Stadtwappens. Für die Bearbeitung des Antrages werden gerade mal zehn Euro kassiert. In der Regel werden die Anträge auch genehmigt.