Kalbe l So ein Trubel! Am Anfang versteckt er sein Gesicht lieber noch ein bisschen an Papas starker Schulter. Aber dann taut er langsam auf. So viele Leute sind gekommen. Extra seinetwegen. Und auch wenn er das vielleicht nicht so richtig begreift, schließlich ist er erst drei Jahre alt, merkt er doch, dass heute ein besonderer Tag ist. „Elias-Tag“ haben ihn die jungen Leute genannt, die ihn organisiert haben. Sie alle sind Mitglieder und Freunde des Vereines 24-Stunden-Simsonrennen. Ihren großen (Renn)Tag hatten sie vor zwei Wochen. Nun soll Elias auch einen haben. Alles ist liebevoll vorbereitet. Die Feuerwehr ist gekommen, mit der großen Drehleiter – schließlich ist Elias Feuerwehrfan. Extra für ihn sind auch Reitpony Pedro und seine Pferdefreunde vom Reiterhof Dammkrug da. Ein großes Kuchenbüffet ist aufgebaut, Kindermusik ist zu hören, das Wetter stimmt und außerdem sind viele andere Kinder gekommen... da kann auch Elias nicht lange schüchtern sein.

Sehr seltene Diagnose

Und so schaut er sich mit Papa zunächst mal ein tolles Kinderbuch an, das ihm Stephanie Archut vom Verein schenkt. „Funkel kleiner Stern“, heißt es. Dass er ab sofort auch Besitzer eines echten Sternes ist, der seinen Namen trägt, wie eine Urkunde hinter Glas versichert, nimmt er nur am Rande wahr. Sein Papa, Michael Blume-Kühnast ist dafür um so gerührter: „Elias hat jetzt seinen eigenen Stern“, flüstert er etwas später seiner Frau zu, die an diesem Nachmittag von vielen Leuten umarmt wird. Alle wollen ihr Mut machen, mit dieser Geste. Denn Elias ist schwer krank. Ein sehr seltener und sehr aggressiver Hirntumor wächst in seinem kleinen Kopf. Anfang des Jahres kam die niederschmetternde Diagnose. Seither kämpft die Patchwork-Großfamilie, zu der insgesamt neun Kinder gehören, tapfer an vielen Fronten.

Damit immer jemand bei ihm sein kann, hatte Michael Blume-Kühnast eine Umschulung, die ihn nach einem Unfall wieder ins Berufsleben zurückführen sollte, aufgeben müssen. Derzeit lebt die Familie deshalb von Sozialleistungen. Nur Spenden machten Ausgaben wie die für ein gebrauchtes kleines Auto möglich, mit dem er Elias zu den vielen Arztterminen fahren konnte. Und so stand auch am Sonntag eine kleine Spendenbox auf dem großen Kuchenbüfett. Denn auch jetzt kann die Familie keine großen Sprünge machen.

Bilder

Jüngstes Feuerwehrmitglied

Die Ruhe, die eingekehrt ist, seitdem Elias nicht mehr so oft ins Krankenhaus muss, hat allerdings einen Grund, der Elias Eltern und seine Familie unendlich traurig macht. Denn die Ärzte können keine Therapie mehr für ihn anbieten. Jetzt zählt jeder Tag, jede Woche für den kleinen Mann, und dass es ihm gut geht. Und dafür sorgen, neben medizinischen Maßnahmen wie einer kontinuierlichen Schmerztherapie, auch schöne Erlebnisse. So wie am Sonntag.

Denn da strahlt Elias immer wieder übers ganze kleine Gesicht, streichelt kichernd Pony Pedro und lacht fröhlich, als er einen großen Feuerwehrhelm aufsetzten darf und sogar die berühmte Jugendflamme angesteckt bekommt. Vergnügt sieht er seinem Bruder Finn zu, der für ihn ein Feuer löschen darf, und schaut kurz darauf staunend den vielen gasgefüllten Luftballons hinterher, die, mit zahllosen guten Wünschen, in den Himmel steigen. Es ist ein echter „Elias-Tag“ geworden, für ihn und auch für seine Familie.

Auch Papa Michael freut sich darüber sichtlich: „Es bedeutet uns so viel“, versichert er. „Solche Tage helfen uns allen, den Alltag zu meistern.“ Denn niemand weiß, wie lange ihr Jüngster noch bei ihnen sein darf. Auch deshalb hat er sich am Vortag, beim 7. Stark-ins-Leben-Pokal in Stendal (dessen Erlös teilweise auch der Familie des kleinen Elias zugute kommen wird) ein besonderes Tattoo stechen lassen. So wird er „Elias“ immer im Arm halten ...