Gardelegen l Die Windräder dienen einerseits dem Umweltschutz, um Windkraft als erneuerbare Energie zu produzieren, aber andererseits stellen die Rotorblätter der hohen Anlagen für die Vögel ein lebensbedrohliches Problem dar. Das zeigt sich immer wieder.

Vögel und Fledermäuse oft Opfer

Das Gardelegener Tierheim an der Lüffinger Landstraße befindet sich inmitten eines Windparkes, der mit sehr hohen Windrädern ausgestattet ist. Und so finden die Mitarbeiter der Aufnahmestation bei den täglichen Spaziergängen mit den betreuten Hunden häufig Vögel und Fledermäuse, die den Rotorblättern der Windkraftanlagen zum Opfer gefallen sind. So ein tragischer Fall ereignete sich auch in der vergangenen Woche.

Ein aufmerksamer Spaziergänger fand am Nachmittag einen verletzten Bussard im Windpark an der Deponie. Dieser saß bewegungslos auf dem Boden, machte gar keine Anstalten, wegzufliegen. Das konnte er auch nicht mehr, wie sich später herausstellte. Der Mann informierte umgehend die Mitarbeiter im nahe gelegenen Tierheim. „Der Spaziergänger hat uns freundlicherweise zu dem Tier geführt“, erzählte Gisela Kürten, Sprecherin des Tierschutzvereines Gardelegen, und bedankte sich in diesem Zusammenhang noch einmal für seinen Einsatz.

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Kraftloses Tier braucht ärztliche Hilfe

Der Bussard sei nicht mehr in der Lage gewesen zu fliegen und ließ sich kraftlos ohne Widerstand von den Tierschützern mitnehmen. „Ein Flügel stand in einem unnatürlichen Winkel vom Körper ab, so dass wir einen Bruch befürchteten“, berichtete Kürten.

Nach mehreren Telefonaten konnte der Tierschutzverein einen Tierarzt in Haldensleben ausfindig machen, der Greifvögel behandelt. Das Biosphärenreservat Drömling war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu erreichen.

Das angefertigte Röntgenbild des Bussards zeigte sehr deutlich eine Serienfraktur des Flügelknochens. Der Oberarm war gebrochen. Der Unterarm wies eine Trümmerfraktur mit mehreren Einzelfragmenten auf. Bis zur Flügelspitze waren Abrisse zu sehen. „Ein Rotorblatt der Windkraftanlage hat den Flügel offensichtlich regelrecht zerschmettert“, sagte Kürten. Da war nichts mehr zu reparieren. Der Vogel hätte wegen der Verletzungen nie mehr fliegen können. Aus diesem Grund wurde entschieden, dass er eingeschläfert werden soll, um ihm außerdem die Schmerzen zu nehmen.

Bevölkerung soll sensible werden

Gisela Kürten bedauerte, dass die meisten Tiere nach einem solchen Unfall nicht das Glück hätten, noch lebend gefunden zu werden. Häufig würden sie elend verenden. Die Tierschützerin hofft, die Bevölkerung für diese Problematik sensibilisieren zu können, damit verunglückte Tiere zum Tierschutz gebracht würden.

Diese Unfälle würden leider auch die Schattenseiten der „umweltfreundlichen“ Windkraft zeigen. „Wenn wir den Bussard auch nicht mehr retten konnten, so konnten wir doch wenigstens sein Leiden abkürzen“, sagte die Vereinssprecherin.