Engersen/Zichtau. Unfälle an Stellen, an denen Bundes- von untergeordneten Straßen gekreuzt werden, gibt es immer wieder. „Aber in dieser Schwere haben wir das woanders nicht. Das ist schon ein echtes Negativbeispiel“, macht Manfred Krüger mit Blick auf den Unfallschwerpunkt Engersen/Zichtau deutlich.

Krüger leitet die Stendaler Niederlassung der Landesstraßenbaubehörde und hat kürzlich an der Tagung der sogenannten Verkehrsunfallkommission in Salzwedel teilgenommen. Ein Schwerpunktthema war besagte Kreuzung, bei der die Bundesstraße 71 von der Kreisstraße nach Engersen und Zichtau gequert wird. Dort hat es in den vergangenen Jahren immer wieder folgenschwere Zusammenstöße von Fahrzeugen gegeben. Deshalb haben die Ortschaftsräte Engersen und Zichtau auch schriftlich gefordert, an der betreffenden Stelle einen Kreisel zu schaffen. Doch den wird es „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nicht geben, wie Manfred Krüger in Auswertung der jüngsten Tagung der Verkehrsunfallkommission informierte.

Verkehr auf B71 ist flüssig zu halten

Grund für die Ablehnung eines Kreisverkehrs sei, dass der Verkehrsfluss auf einer Bundesstraße grundsätzlich flüssig zu halten sei und dass es für eine solche Baumaßnahme einen Zustimmungsvorbehalt des Bundes gebe. Hinzu komme, dass es keine gleichrangingen Straßen seien, die an den Knotenpunkt heranführen würden, sondern dass die B 71 den dominanten Hauptstrom darstelle. Das sei bei anderen Kreiseln, die es in der Streckenführung dieser Bundesstraße gebe, nicht so eindeutig, so Krüger, der dabei zum Beispiel den Kreisverkehr bei Chüttlitz vor Augen hat, über den auch der Verkehr von und in das Salzwedeler Gewerbegebiet am Gerstedter Weg rollt.

Dennoch könnte es auch am Abzweig Engersen/Zichtau bald Veränderungen geben, sowohl bautechnischer als auch verkehrsorganisatorischer und/oder verkehrspsychologischer Art. Es ist dazu im Auftrag der Landesstraßenbaubehörde eine Vorplanung erfolgt. Die Ergebnisse sollen „noch im Frühjahr“ den Mitgliedern der Verkehrsunfallkommission präsentiert werden. „Denn wir müssen zu einer Vorzugslösung kommen“, die dann auch baldmöglichst umsetzen sei, unterstreicht Manfred Krüger.

Möglich wäre zum Beispiel die Schaffung von akustischen und visuellen Schwellen auf der untergeordneten Kreisstraße, sodass die dortigen Stop-Schilder auch wirklich beachtet werden. „An der B 189 im Landkreis Stendal haben wir damit gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Manfred Krüger.

Es besteht aber auch die Möglichkeit, die bislang recht freizügige Sicht am Knotenpunkt einzuschränken, sodass die Fahrzeugführer auf den untergeordneten Straßen wirklich gezwungen sind, vor der Auffahrt auf die Bundesstraße zu stoppen. Eine andere Variante, den Unfallschwerpunkt zu entschärfen, wäre ein Versatz der Zufahrtsbereiche der untergeordneten Straßenzüge, die sich jetzt noch genau gegenüber liegen. Das spornt aber manchen Fahrzeugführer an, einfach geradeaus über die Bundesstraße zu fahren, ohne sich ausreichend um den vorfahrtsberechtigten Verkehr zu kümmern.

2015 gab es an der Kreuzung insgeamt vier Unfälle, zwei davon mit Personenschaden. 2016 waren es fünf Unfälle, drei davon mit Verletzten und 2017 krachte es viermal, wobei ein Mensch starb, drei schwer verletzt wurden und zwei leicht.