Vienau l Das Europäische Vogelschutzgebiet (SPA) „Milde-Niederung“ ist nicht nur ein bedeutendes Brutgebiet für den Großen Brachvogel. „Auch Zug- und Rastvögel halten sich gern von Anfang Herbst bis ins Frühjahr hier auf“, teilt der Vienauer Michael Arens, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter im Altmarkkreis, mit. „Besonders Kraniche und Schwäne suchen zurzeit auf den Grün- und Ackerflächen ihre Nahrung.“

Wie Arens beobachtete, sind es zwei Schwanengruppen, die in der Region Rast machen. So sind zahlreiche Schwäne zwischen Kalbe und Neuendorf am Damm täglich anzutreffen sowie bei Büste und Späningen. So waren zum Beispiel an den vergangenen Tagen zirka 70 Höckerschwäne auf den umliegenden Ackerflächen zu beobachten. „In ihrer Gesellschaft befinden sich regelmäßig Sing- und Zwergschwäne“, stellt Michael Arens fest. „Diese nordischen Schwäne unterscheiden sich besonders durch ihre gelb-schwarz gefärbten Schnäbel.“

Vogel mit Kennring

Im Winter steigt die Zahl der Schwäne auf mehr als 100 Exemplare an. Gelegentlich befinden sich mit einem Ring markierte nordische Schwäne dabei. „So wie zum Beispiel am Sonntag, 29. November“, berichtet Michael Arens von seiner Entdeckung. „Einer von drei Singschwänen trug um seinen Hals einen blauen Kennring mit einer Zahlen-Buchstaben-Kombination, die ich an eine ornithologische Internetseite geschickt habe, um die Beobachtungsdaten zu melden.“ Die Rückmeldung kam sofort. Der Vogel wurde am 30. Juli 2019 in Lettland beringt und verbrachte den Winter vom 3. Dezember 2019 bis 9. Februar 2020 am Bodensee. Mitte Februar zog er über den Oberspreewald-Lausitzkreis wieder in das Brutgebiet nach Latvia in Lettland. In diesem Winter führte sein Weg bisher wohl über Redefin, wo der Singschwan vom 24. bis 28. November gesichtet wurde. Arens fügte die Beobachtungsdaten für das altmärkische Büste mit Datum 29. November mit der Bemerkung „Kam um 10.30 Uhr zu zweit aus Norden in großer Höhe geflogen“ hinzu. Das Ziel des Vogels wird höchstwahrscheinlich wieder der Bodensee sein.

Die Schwäne, die tagsüber im Büster Bereich anzutreffen sind, verbringen ihre Nächte auf den Vienauer Blänken, das sind zwei künstlich angelegte Teiche, so Arens. Im flachen Wasser sind sie vor dem Fuchs geschützt. Die Schwäne, die bei Kalbe rasten, übernachten auf der Milde.

Übernachtung in Vienauer Blänken

Singschwäne unterscheiden sich vom allseits bekannten Höckerschwan auf den ersten Blick durch den gerade gehaltenen Hals und die ganz anders gestaltete Schnabelpartie. Bei ihnen handelt es sich um Brutvögel der osteuropäischen und sibirischen Taiga. Anders als bei Höckerschwänen sind bei ihnen im Flug keine metallischen oder sausenden Fluggeräusche zu hören. Singschwäne sind sehr ruffreudige Vögel mit umfangreichem Stimmrepertoire. Charakteristisch für ihren Ruf ist ein tiefer, nasaler Posaunenklang. Die Zwergschwäne werden sich vor allem im Januar, Februar und März in der Milde-Niederung niederlassen. „Sie kommen weiter aus dem Norden zu uns als die Singschwäne“, so Arens.

Das EU-Vogelschutzgebiet „Milde-Niederung“/Altmark“ gliedert sich in zwei Teilgebiete, die zwischen den Orten Kalbe und Bismark gelegen sind. Die beiden Teilgebiete haben zusammen eine Größe von 2207 Hektar und bestehen zum überwiegenden Teil aus Grünland-, Feuchtgrünland- und Ackerkomplexen. Der größere, nördliche Teil des SPA (auch Besonderes Schutzgebiet BSG genannt), wird von der Milde und der Unteren Milde durchflossen. Hier befindet sich außerdem der Mündungsbereich des Secantsgrabens in die Milde. Die Ortschaften Butterhorst, Vienau, Büste, Poritz und Karritz liegen um das zirka 1650 Hektar große Gebiet herum.