Gardelegen l Der Wasserverband Gardelegen hat offenbar gut gewirtschaftet. Denn vor kurzem konnte ein Kredit, ein sogenanntes Forward-Darlehen, komplett abgelöst werden. Immerhin gut 2,2 Millionen Euro, informierte der kaufmännische Leiter des Gardeleger Wasserverbandes, Maik Giese, während der jüngsten Verbandsversammlung. Es handelte sich um Alt-Kredite, die im Jahr 1998 aufgenommen worden seien. Konkret zwei Kredite mit unterschiedlichen Beträgen und Laufzeiten.

2012 sei auf Beschluss der Verbandsversammlung eine Umschuldung erfolgt. Die sei aber erst 2013 zu einem festen Zinssatz zum Tragen gekommen. „Das war konform mit dem Derivateerlass von 2015. Wir haben nicht spekuliert, sondern uns einfach nur den Zins gesichert, und der war relativ günstig“, betonte Giese.

Verband beschloss Tilgung

Das seien damals ein Kredit über 3,5 Millionen und ein Kredit über 4 Millionen Euro gewesen. Der erste Kredit sei nun zum 30. Juni dieses Jahres fällig geworden. Es habe sich noch um eine Summe von gut 2,2 Millionen Euro gehandelt. „Verlängern, umschulden oder tilgen“, das sei zu klären gewesen. Der Verband habe sich entschlossen, die Summe zu tilgen. „Wir hatten einen Bankbestand von etwa 4,7 Millionen Euro, also ausreichend Geld und liquide Mittel“, so Giese. Zumal es derzeit keine attraktiven Anlagemöglichkeiten für kommunale Verbände gebe. Damit würde der Verband zudem 225.000 Euro Zinsen über die nächsten 10 Jahre einsparen.

„Außerdem zahlen wir zurzeit auf unser Guthaben schon Strafzinsen“, ergänzte Verbandsgeschäftsführerin Katja Rötz. Auch mit der Rückzahlung des Kredites müsse der Verband noch die sogenannten Negativzinsen zahlen. „Wenn aber alle geplanten Baumaßnahmen umgesetzt werden, dann hätten wir auch das geschafft“, so Rötz. Der Verband verfüge dann noch über einen Bankbestand, wo keine Strafzinsen mehr erhoben werden.

Riskante Zinswetten

Der Hinweis von Giese, dass der Gardeleger Wasserverband nicht spekuliere, erfolgte mit Blick auf die Volksstimme-Veröffentlichungen in den vergangenen Monaten über riskante Zinswetten von Wasserverbänden, die für Millionenverluste gesorgt hatten. Der Landesrechnungshof durchleuchtet derzeit die Finanzgeschäfte von landesweit 50 Abwasserverbänden. Im Fokus steht dabei vor allem das Zocken mit sogenannten Derivaten. Es ist Kommunen jedoch untersagt, unkalkulierbare Risiken bei der Verwaltung des kommunalen Vermögens einzugehen.

Betroffen soll unter anderem der Abwasserzweckverband Bad Dürrenberg im Saalekreis sein. Dort sollen Prüfer elf Geschäfte festgestellt haben, die als „spekulativ eingeschätzt“ werden. Sie tragen Namen wie „Quanto-Trigger-Swap“ oder „Leveraged-Reverse-Ladder-Swap“. Ebenso soll der Bernburger Wasserzweckverband Saale-Fuhne-Ziethe mit riskanten Zinsgeschäften gearbeitet haben. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hatte vor kurzem den Verdacht geäußert, dass mehrere Zweckverbände durch hochriskante Geschäfte insgesamt Verluste in zweistelligen Millionenbeträgen eingefahren haben.