Roßdorf/Neuenklitsche/Altenklitsche l Zu einer Orgelwanderung brachen die Mitglieder des Kirchspiels Stremme am Reformationstag auf. „Ich freue mich, dass Sie sich so zahlreich dem Besuch in unseren kalten Kirchen angeschlossen haben“, meinte Pfarrer Johannes Möcker mit einem Augenzwinkern. „Dick angezogen geht das schon“, erwiderte ein Besucher.

Aber die Visite lohnte sich, gab es nicht nur einen Blick in die Gotteshäuser des Kirchspiels, sondern auch musikalische Kostproben auf der Orgel. Sie gaben einen Eindruck von der vier spielbaren Instrumente des Kirchspiels. Der musikalische Teil wurde vom bewährten Kantor Matthias Müller gestaltet. Der Rottmersleber ist in der Region bekannt für seine Orgelführungen und brachte jede der Kirchenorgeln für 15 Minuten zum Klingen und zeigte dadurch auch die Unterschiede auf, die die Instrumente im Ton haben. Er erläuterte die gespielten Stücke und brachten den Zuhörern auch die Besonderheiten der Instrumente näher.

Den Anfang machte die Orgel der Kirche im brandenburgischen Möthlitz. Die Kirche stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und hat eine beeindruckende Orgel. Pfarrer Möcker nannte sie die „reiche“ Orgel. Nicht nur, weil das Instrument ein sehr beeindruckendes Äußeres hat, sondern auch weil sie klanglich sehr vielseitig ist. Vom Brandenburgischen wechselten die Teilnehmer mit der zweiten Station ins Jerichower Land. Dort wartete die Roßdorfer Kirche. Deren Orgel wurde von der Orgelbaufirma G. Voigt aus Halberstadt im Juli 1861 aufgestellt. Zwischen 2006 und 2010 wurde sie aufwendig restauriert. Organisten, die das Roßdorfer Instrument spielten, waren voll des Lobes über dessen Klang.

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Scholze-Orgel von 1780

Auch Müller bewunderte den Ton der kleinen, aber feinen Orgel, auf der er unter anderem spanische Orgelwerke des frühen 20. Jahrhunderts zu Gehör brachte. Für Pfarrer Möcker war dieses Instrument die „Strahlende“, weil ihr Klang nahezu leuchte. Ein Instrument mit besonderer Geschichte befindet sich in der Neuenklitscher Kirche.

Die Orgel ist eine der wenigen, bei der der Organist seitlich am Manual sitzt und nicht mit dem Rücken zur Gemeinde. Lange Jahre war die Orgel nach Genthin verborgt, wo sie in der Winterkirche ihren Dienst tat. Mittlerweile ist sie seit einiger Zeit wieder in Neuenklitsche und hat noch eine Besonderheit. „Ich habe hier immer das Gefühl, die Liturgie ein wenig höher singen zu müssen, als in anderen Kirchen“, fand Pfarrer Möcker, der der Orgel deshalb auch den Titel die „Hohe“ verlieh. Matthias Müller indes rätselte ein wenig über den Baumeister des Instrumentes. „Orgelbaumeister August Troch aus Haldenleben“, schätzte er. „Voigt, Bad Liebenwerda“, wurde er korrigiert und war auch damit einverstanden.

Müller präsentierte auf der Orgel andalusische und baskische Orgelmusik und spielte besondere Werke Joseph Haydns. Der Meister der Wiener Klassik hatte nämlich zu seiner Zeit auch Stücke für Flötenuhren komponiert. Vier davon waren auf der Neuenklitscher Orgel zu hören und sie brachten den hohen verspielten Klang des Instruments besonders zur Geltung.

Die letzte Orgel befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft in Altenklitsche. Die Scholze-Orgel aus dem Jahr 1780 erklang im Sommer zur 300-Jahr-Feier der Barockkirche und bildete nun den krönenden Abschluss der Wanderung. Möcker nannte sie die „Schöne“ und konnte den Besuchern eine ganz besondere Premiere präsentieren: „Sie sind die ersten, die den fast restaurierten Altarbereich zu sehen bekommen.“ Matthias Müller brachte hier unter anderem das Werk „Thema mit vier Veränderungen“ des Komponisten Justin Heinrich Knecht zu Gehör.

Nach den Orgelklängen schloss sich eine kurze Andacht zum Reformationstag an. Der restaurierte Altar wird am Ewigkeitssonntag, 22. November, um 10.30 Uhr offiziell eingeweiht.