Genthin l In den vergangenen Wochen gab es neue Gerüchte um den Mensabau im Haus II des Genthiner Gymnasiums. Demnach habe der Landkreis in Erwägung gezogen, keinen Essensraum im Haus II einzurichten. Der stellvertretende Pressesprecher des Landkreises Jerichower Land, Henry Liebe, wies das zurück.

Versorgung der Schüler vorgesehen

„Der Landkreis plant bei Haus II des Gymnasiums grundsätzlich einen Speiseraum.“ Er führte aus: „Bei allen Varianten, die zur Debatte stehen, ob Sanierung oder Neubau ist immer auch eine Essensversorgung der Schüler des Gymnasiums im Gebäude vorgesehen. Mit Blick auf die engen Vorgaben der hierfür zur Verfügung stehenden Fördermittel kann derzeit nicht abschließend bewertet werden, ob die Größe des Raums es ermöglicht, eine zeitversetzte Nutzung durch die Schüler der Grundschule, unter Berücksichtigung des Schulbetriebs des Gymnasiums, möglich zu machen.“

Dass die Grundschüler den Speiseraum des Gymnasiums mitnutzen können, steht also nicht fest. Zu erfahren war auch, dass der Landkreis den Genthiner Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) um eine Stellungnahme bis zum 15. August gebeten habe, ob die Stadt am geplanten Standort des Stadtkulturhauses in der Jahnstraße festhalten werde.

Umstrittener Standort des Kulturhauses

Der Genthiner Bürgermeister hielt sich auf Volksstimme-Nachfrage bedeckt: „Es ist eine gute Nachricht, dass der Landkreis die Mensa im Blick hat“, sagte er und fügte hinzu, dass er mit den Fachleuten der Verwaltung über eine Stellungnahme beraten werde. Kein Geheimnis ist, dass nicht nur Günther einen anderen Standort als den bisher geplanten für das neue Stadtkulturhaus präferiert. Auch aus den Reihen der Stadträte gab es verschiedene Vorschläge, die während einer Sitzung im Juni gesammelt wurden.

Sollte der Landkreis seine Mensa-Pläne wie von Henry Liebe benannt umsetzen, würde in Genthin die Standortfrage für ein neues Stadtkulturhaus wieder umfassend diskutiert. Denn ein Hauptargument für die Jahnstraße würde entfallen: die Essensversorgung der Schüler. Die Diskussionen um den Neubau des Stadtkulturhauses gehen ins Jahr 2016 zurück. Damals wurde das Gelände um das bisherige Stadtkulturhaus an die Firma Inprotec verkauft. Dadurch benötigt die Stadt einen neuen Standort für ein Veranstaltungsgebäude.

Situation verbessern

In Erwägung wurde eine Fläche an der Jahnstraße mit Nähe zu Gymnasium und Grundschule Stadtmitte gezogen. Auf diese Weise sollte das neue Stadtkulturhaus auch als Essensraum für die beiden Schulen dienen, um die bislang prekäre Versorgungssituation zu entspannen. Eine Idee, die auf die Zustimmung der Schulen stieß. Der Schulleiter der Grundschule Mitte, Ingo Doßmann, sprach von einer „elementaren Verbesserung“, die mit der neuen Halle erreicht würde.

Allerdings gab es auch schnell Vorbehalte gegen den Plan. Unter anderem kritisierte Stadtrat Helmut Halupka (SPD) die avisierten vier Millionen als Investitionssumme für den Neubau als zu knapp, Lutz Nitz (Die Grünen) sah den Standort durch den belasteten Boden als ungeeignet an und plädierte für den ehemaligen Toom-Baumarkt als neues Stadtkulturhaus, Alexander Otto (CDU) befand, dass die 22 eingeplanten Parkplätze nicht reichten, wenn es große Veranstaltungen gäbe.

Enttäuschung beim Landkreis

Ein Fürsprecher der Variante Jahnstraße war der damalige Bürgermeister Thomas Barz (CDU). Die Pläne stießen auf das Wohlwollen des Landkreises. Entsprechend enttäuscht zeigte sich daher auch Landrat Steffen Burchhardt (SPD) als Gast im Genthiner Stadtrat, als das Gremium im April den Beschluss für die Planungen zum Kulturhausneubau von der Tagesordnung nahm, um erneute Beratungen zu diesem Thema zu ermöglichen. „Es wurde eine wichtige Chance vertan, eine gemeinsame Lösung zu finden“, so Burchhardt.

Das war der Beginn getrennter Planungen von Landkreis und Stadt Genthin, die nun immer mehr Kontur annehmen. Der Landkreis treibt derzeit die eigenen Planungen voran, auch weil er nur so auf Bundesmittel für Sanierung oder Neubau hoffen kann.

Die Stadt Genthin setzt dagegen wieder auf den alten Kulturhaus-Standort und verhandelt mit der Firma Inprotec über ein Nutzungsrecht. Mit Zustimmung des Stadtrates soll eine längere Nutzungsmöglichkeit des alten Stadtkulturhauses vereinbart werden. Im Gespräch sind dabei zehn Jahre. Darüber entscheidet der Stadtrat voraussichtlich am 20. September.