Pilotprojekt

Beimischung könnte 2021 beginnen

Der Energiekonzern Avacon will im Rahmen eines Pilotprojektes in Schopsdorf erstmals bis zu 20 Prozent Wasserstoff ins Erdgas einspeisen.

Von Mike Fleske

Genthin/Schopsdorf l In Schopsdorf möchte die Avacon ein neues Verfahren zur Beimischung von Wasserstoff in Erdgas testen. In dem Genthiner Ortsteil sollen dann erstmals bis zu 20 Prozent Wasserstoff beigemischt werden. Bislang lag die Beimischgrenze von Wasserstoff ins Gasnetz bei unter zehn Prozent.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) wird die Avacon ein Pilotprojekt in 400 Haushalten durchführen. Der Stadtrat hat die dafür notwendigen baulichen Grundlagen im April beschlossen. Allerdings bedeutet das nicht, dass nach der städtischen Entscheidung dem Erdgas sofort höhere Mengen Wasserstoff beigemischt wird. Vielmehr kommt jetzt ein zuvor festgelegter Zeitplan zum Tragen. Zu diesem gehört, dass es Ende August, so der derzeitige Stand, eine Bürgerversammlung geben wird. Energiekonzern, kommunale Vertreter und Bevölkerung sollen dabei ins Gespräch kommen.

Ab September sollen Kundengeräte erfasst und Vor-Ort-Tests durchgeführt werden.

„Die Untersuchungsergebnisse an den Gasanlagen werden anonym durch das Engler-Bunte-Institut geprüft und die Tauglichkeit für den Betrieb der Gasgeräte bis zu 20 Prozent Wasserstoff bestätigt“, teilt die Avacon in einer Information zum Ablauf mit.

Gleichzeitig läuft bis zum Herbst eine Prüfung im Verteilernetz, die mit einer Sicherheitsanalyse und Bewertung der DVGW zum Jahresende beschlossen wird. Im kommenden Sommer sollen die Einspeiseanlagen aufgebaut werden. Dazu benötigte der Energiekonzern die Entscheidung der Stadt Genthin und ein sogenanntes gemeindliches Einvernehmen. Dieses ist im April bekundet worden. So ist nun möglich, bestimmte bauliche Maßnahmen umzusetzen.

Die neu zu bauende Einspeiseanlage wird aus einem Container für Armaturen und Stromeinspeisung sowie aus Fernwirktechnik bestehen. Am Container wird zudem eine Aufstellfläche für die Trailer zur Wasserstoffanlieferung geschaffen. Derzeit wird die Fläche, auf der der Aufbau geplant ist, landwirtschaftlich genutzt. Der geplante Bereich für die Zuwegung befindet sich in Gemeindeeigentum. Bei diesem Bereich handele es sich um keine öffentliche Verkehrsfläche.

„Die verkehrliche Erschließung endet an der Schopsdorfer Bahnhofstraße.“ Die sei eine sogenannte widmungsbeschränkte Straße, was bedeute, dass sie nicht zugelassen ist für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen. Die Stadt Genthin informierte in einer Vorlage für den Stadtrat: „Gemäß Bauherr soll diese Anlage für zwei bis fünf Jahre als Versuchsanlage für die Wasserstoffeinspeisung in die Mitteldruckversorgungsleitungen dienen und wird anschließend komplett zurückgebaut.“ Nach der Baumaßnahme wird ab Herbst 2021 bis ins Jahr 2022 schrittweise die Wasserstoffbeimischung bis auf 20 Prozent gesteigert. „Nur wenn die Gasanlage geeignet ist, wird auch mit der Beimischung begonnen und diese schrittweise gesteigert“, nimmt das Energieunternehmen die Sorge einiger Einwohner nach möglichen Schäden ihrer Gasanlage. „Zur Qualitätssicherung werden bei ausgewählten Geräten wiederholte Abgasmessungen durchgeführt.“

Dass die Region am Fiener für das Pilotprojekt ausgewählt wurde, hat einen einfachen Grund. „Die Netzstruktur in Schopsdorf ist vergleichbar mit dem Großteil unseres Gasnetzes“, so die Avacon in einer Pressemitteilung. Die Ergebnisse seien somit auf andere Gebiete übertragbar.

Die Kundenanzahl sei repräsentativ, die Altersverteilung der Geräte ähnlich wie in anderen gebieten und es gäbe bisher keine Vermischung mit anderen Gasen. Betroffen sind neben Schopsdorf auch die Orte Ringelsdorf, Magdeburgerforth, Reesdorf, Drewitz, Dörnitz und Lübars. Nach der Pilotphase wird das Projekt ausgewertet, sollte es erfolgreich verlaufen, könnten die CO2-Werte künftig deutlich verringert werden.