Genthin l Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) hat geschafft, was kaum jemand vermutet hat: Er ist auch ohne Corona über die Osterfeiertage in die Schlagzeilen geraten.

Darum beneidet wird er jedoch von niemandem. Günther hat für seine Ostergrüße und schon Tage zuvor für seine Corona-Ansprache bei Amtskollegen abgekupfert. Dafür hagelte es in den sozialen Medien heftige Schelte, vor allem von Stadträten aus den Reihen der CDU-Fraktion und aus der Fraktion Wählergemeinschaft (WG) Genthin-Mützel-Parchen/FDP. Zwar ist die Enttäuschung über das Fehlverhalten des Bürgermeisters bei allen Fraktionen ausnahmslos groß, doch eine gehörige Portion Kritik aus dem Stadtrat hat Günther zumindest gegenwärtig wohl noch nicht zu erwarten.

Kritik an Amtsführung

Günther-Kritiker setzen mit dem Textklau die schwarze Liste seiner bisherigen Amtsführung fort. So betrachtet Falk Heidel, Fraktionschef der WG Genthin-Mützel-Parchen/FDP, der über Facebook ausführlich die missglückten Ostergrüße Günthers thematisiert hat, den Vorfall als Teil eines Genthiner Bürgermeister-Problems. Heidel fühlt sich deshalb attackiert von einem User, der hinterfragt, ob Genthin nicht andere Sorgen hätte als die Abkupferei des Stadtchefts. „Ja, wir haben andere Sorgen, die jedoch größtenteils mit der Arbeit des Bürgermeisters im Zusammenhang stehen“, kontert Heidel. Aktuelle Beispiele seien Stadtfest, Stadtkulturhaus, Haushalt, Kläranlage und Mitarbeiterschwund im Rathaus. „Was wir jetzt brauchen, ist ein Bürgermeister, der seine Aufgaben lösungsorientiert angeht.“

Klaus Voth, Chef der CDU-Fraktion, lehnt sich nicht soweit wie Heidel aus dem Fenster. Man könne erwarten, dass der Bürgermeister in einem Grußwort eigene Worte verwendet, deutet er verhalten Kritik an Günther an. Wenn das nicht geschehen sei, müsse er sich auf öffentliche Reaktionen einstellen. Das Recht der freien Meinungsäußerung stehe jedem zu. Für seine Fraktion sieht Voth keinen Handlungsbedarf, obwohl es mit Gordon Heringshausen ein Mann aus den Reihen der CDU war, der die Klau-Story erst ans Tageslicht brachte. Die kommunalpolitische Ausrichtung der Einheitsgemeinde ist nach dem Dafürhalten Voths davon nicht betroffen, so dass die CDU-Fraktion auch nicht öffentlich reagieren müsse.

Erklärung gefordert

Eine erste Forderung macht Lars Bonitz, Fraktionschef WG Altenplathow/SPD, auf. Der Bürgermeister sei jetzt von sich aus am Zuge, dem Stadtrat zu erklären, warum er abgekupfert und was ihn dazu veranlasst habe. Als „mehr als peinlich“, bezeichnet Bonitz den Umstand, dass Günther nach Bekanntwerden der Vorwürfe die gegen ihn gerichtete kritische Kommentare auf der Facebook-Seite der Stadt Genthin gelöscht habe. „Das hat nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun.“

Linke-Fraktionschefin Gabriele Herrmann gibt im Unterschied zu ihren Kollegen sehr deutlich zu verstehen, dass es für Günther in der Abkupferaffäre im Stadtrat um seinen Stuhl als Bürgermeister gehe. Die Art und Weise der Diskussionen in den sozialen Medien verärgert sie. „Wenn alle meinen, der Bürgermeister muss weg, müssen sie sich an einen Tisch setzen und sagen, wie eine Abwahl funktioniert, welche Gesetzlichkeiten eingehalten werden müssen. Dann sind Alternativen und Vorschläge gefragt, Herumstochern im Nebel wie bisher, gibt es dann nicht mehr.“

Versöhnung statt Vergeltung

Lutz Nitz, Fraktionschef der Grünen/Ländliche WG Fiener, hebt darauf ab, dass auch CDU-Mitglieder über die sozialen Medien Vorwürfe an Günther thematisiert haben. Indirekt geht seine Kritik vor allem an ihre Adresse. Gerade weil Ostern das höchste Fest der Christen sei, seien für ihn zu dem „Streit um die Ostergrüße“ zwei Bibelsprüche naheliegend. „Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ und „Auge für Auge, Zahn für Zahn.“ Nitz sagt: „Versöhnung oder Vergeltung? Quo vadis Genthin - Wohin will der Stadtrat?“