Genthin/Burg l Schritt für Schritt wird das öffentliche Leben auch im Jerichower Land stillgelegt, um Corona die Stirn zu bieten. Nicht zuletzt deshalb, weil das Robert-Koch-Institut am Dienstag das Gesundheitsrisiko für Deutschland auf Grund der stetig steigenden Fallzahlen von mäßig auf hoch eingestuft hat.

Während öffentliche Einrichtungen bereits am Montag geschlossen wurden und Schwimmhallenmitarbeiter beispielsweise vor einem leeren Becken ohne Badegäste stehen, drohen nun auch dem Handel massive Einschränkungen – bis auf Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Baumärkte, Banken, Lieferdienste oder der Post. Soll heißen: Nach einer Landesverordnung, die ab heute in Kraft tritt, muss beispielsweise der kleine Textilladen in der Bummelmeile vorerst seine Türen schließen.

Nicht alle müssen schließen

Unter einigen Geschäftsleuten machte sich aber auch Erleichterung breit. Jürgen Ehlert vom gleichnamigen Hausgerätefachgeschäft in Genthin atmete am Nachmittag tief durch, als er eilig die Verordnung im Internet nachlas. Sein Geschäft fällt unter die Rubrik Dienstleistungen und Handwerk. Für ihn geht es heute weiter. Nach der Ankündigung der Bundeskanzlerin am Montag sei er sich nicht sicher gewesen, ob eine Schließung auch ihn betreffen könnte. Ehlert beklagt, dass es bisher an klaren Aussagen gefehlt habe, das verunsichere.

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Jürgen Saenger von „A bis Z“ am Genthiner Marktplatz war nach Bekanntwerden der Verordnung noch am Rotieren, um die letzte Gewissheit zu erhalten, heute den Laden wieder für die Kundschaft öffnen zu können. Der Buchhandel für Kinder, der hier angeboten wird, könnte das laut Verordnung hergeben. Noch stehe er im Kontakt mit Stadt und Landkreis, aber er sei optimistisch, meinte Saenger. Ernst und schwierig würde es für „A bis Z“ werden, wenn es geschlossen bliebe. Dann stünde schließlich Kurzarbeit im Raum.

Schließung ist wirtschaftlicher Totalschaden

Es gibt weitere deutliche Signale, die belegen, wie angespannt die Stimmung unter den Geschäftsleuten ist. „Uns bricht das komplette Ostergeschäft weg“, sagt Hans-Ulrich Jagemann. Er betreibt eine Goldschmiede mit Ladengeschäft am Markt und muss, da er Handwerker mit Einzelhandel ist, seinen Betrieb einstellen. „Für mich ist eine Schließung ein wirtschaftlicher Totalausfall.“ Jagemann hofft, dass die staatliche Unterstützung am Ende auch für Kleinstbetriebe gelten wird und dass damit gerade auch Einzelunternehmer aufgefangen werden. Im Moment beklagt er zu wenige Informationen für Betriebe seiner Größenordnung. „Ich habe eine Angestellte und möchte gern Kurzarbeitergeld für sie beantragen.“

Allerdings sei es schwierig gewesen, Hinweise zu Antragsformularen und Antragsfristen zu ermitteln. Da müsse seines Erachtens mehr getan werden. Ansonsten sei man nun in einer noch nie da gewesenen Situation, in der die Menschen nicht nur während der Krise, sondern auch danach Solidarität beweisen müssten. Er erinnert an die negativen Folgen der Flutkatastrophe 2013, in der es erst eine große Solidaritätswelle gab und als es um Ausgleichszahlungen ging, begann eine Neiddebatte. „Das passiert diesmal hoffentlich nicht.“

In einer schwierigen Situation befand sich gestern auch Nancy D. Hermenau-Gamalski, Betreiberin des Genthiner Foto-Ecks. „Ich weiß eigentlich noch gar nicht, wie es mit dem Geschäft weitergeht und warte auf weitere Information“, so die Fotografin.

Fotogeschäft wird wohl schließen müssen

Auch wenn sie etwa im Bereich der Passfotos Aufträge bearbeite, gehe sie nicht davon aus, deshalb als „Wichtig“ eingestuft zu werden und das Geschäft weiter zu betreiben. Zwar könne sie eine geraume Zeit überbrücken. Dennoch beginne bereits jetzt eine Phase, in der Aufträge in Frage stehen oder sogar wegbrechen. So hätte sie zum Ende der Woche eine Hochzeit als Fotografin begleiten sollen. Auch seien bereits die Öffnungszeiten reduziert worden. „Eigentlich sollte ich vor Ostern in Kindergärten fotografieren, aufgrund der Schließung der Einrichtungen gibt es das nun nicht.“

Öffentliche Einrichtungen sind bereits seit Montag geschlossen. Die Genthiner Schwimmhallenmitarbeiter stehen beispielsweise vor einem leeren Becken ohne Badegäste. „Gearbeitet wird dennoch“, sagt Schwimmeister Elko Bernau. Zwei bis drei Mitarbeiter seien vor Ort und mit Reinigungsarbeiten betraut. „Dadurch müssen wir im Sommer während der regulären Öffnungszeiten keine so umfängliche Tiefenreinigung mehr durchführen. Umkleidekabinen, Sauna und Umlaufrinne des Schwimmbeckens wären derzeit Teil der Arbeit.