Genthin l Ohne den Anrufbeantworter (AB) ihres heimischen Festnetzanschlusses wäre Carola Runge wohl aufgeschmissen. Schließlich ist die 56-Jährige in Potsdam bei einer Krankenkasse voll berufstätig und übt ihr Ehrenamt meist abends beziehungsweise in ihrer Freizeit aus. Auch die Einschränkungen, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, machen den AB zu einem noch wertvolleren Hilfsmittel, als er ohnehin schon ist. Denn auch als ehrenamtliche Versichertenberaterin der Deutschen Rentenversicherung Bund ist die Genthinerin derzeit angehalten, persönliche Kontakte auf ein Mindestmaß zu beschränken.

Wer also sein Begehr klar und deutlich auf Carola Runges AB spricht, der wird von ihr schnellstmöglich zurückgerufen. Nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit, früh morgens oder an Feiertagen, wie mancher in der schnelllebigen digitalen Zeit heutzutage erwartet, aber doch so schnell es ihr möglich ist. Die gut organisierte, in 26 Jahren zur Rentenfachfrau avancierte Beraterin erspart den Auskunftswilligen damit den weiten Weg zu einer Rentenberatungsstelle, das für viele mühselige Zurechtfinden auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung oder das Hängenbleiben in der Warteschleife einer Beratungshotline.

Vor 26 Jahren Ehrenamt entdeckt

„Meine ehrenamtliche Tätigkeit als Versichertenberaterin in Sachen gesetzliche Rente“, blickt Carola Runge zurück, „habe ich vor 26 Jahren bei einem Kollegen kennengelernt. Das fand ich interessant und wollte das auch machen.“

Seitdem wissen die Genthiner, dass sie in Rentenangelegenheiten - kostenfrei - bei Carola Runge an der richtigen Adresse sind. Wie beispielsweise auch ihr ehemaliger Klassenlehrer aus der Schulzeit, der eines Tages deshalb an ihre Tür klopfte. Carola Runge hilft, wenn einer nicht weiß, welche Papiere er alles für eine Kontenklärung oder den Rentenantrag vorlegen muss. Sie weiß oft auch Rat, wenn jemand die für die Rente nötigen Nachweise, etwa aus DDR-Zeiten, dummerweise weggeschmissen hat. Sie kann manchmal sogar dann helfen, wenn sich Arbeitsnachweise partout nicht mehr beschaffen lassen. „Dann kann man es immer noch mit einer Zeugenerklärung versuchen“, erklärt sie. Also mit einem Arbeitskollegen, der bezeugt, dass man damals in dem und dem Betrieb zu der und der Zeit zusammengearbeitet hat.

Genthiner vertrauen ihr in Rentensachen

So weit kommt es aber meistens nicht. Dafür kennt sich Carola Runge nicht nur in Sachen gesetzlicher Rentenversicherung, sondern auch bei den einstigen und heutigen Genthiner Betrieben zu gut aus. Das Gefühl, dass die Genthiner ihr in Rentensachen vertrauen, tue ihr gut, umschreibt sie das, was sie motiviert. Und: „Ich treffe dadurch viele Leute, die ich sonst nicht treffen würde“. Auch wenn sie dafür lediglich eine Aufwandspauschale erhält.

Die Ausstattung des kleinen Arbeitszimmers daheim hat sie privat finanziert. Papierstapel - wie früher beispielsweise die kartonweise gelieferten Vordrucke - gehören glücklicherweise aber der Vergangenheit an. Die digitale Technik macht es möglich. Nur wenn es um Erwerbsunfähigkeitsrenten geht, füllen sich manchmal noch dicke A-4-Umschläge. Damit haben Carola Runge und die jeweiligen Antragsteller die meiste Arbeit. Denn hierfür müssen in der Regel aufwändige ärztliche Expertisen und Krankheitsverläufe vorgelegt werden.

Renter müssen nichts für Grundrente tun

Momentan kommen die meisten Fragen zur gesetzlichen Grundrente. Die wird ab dem 1. Januar 2021 wirksam. Carola Runge schätzt, dass die Versicherungsträger bis Mitte 2021 alle Konten automatisch daraufhin überprüft haben und dann mit der Auszahlung beginnen. Die Rentnerinnen und Rentner selbst müssen nichts dafür tun. Ein Antrag ist nicht erforderlich.

Der Datenschutz werde natürlich bei ihrer Beratungstätigkeit gewahrt. „Ich selbst kann nicht online in das Rentenkonto derjenigen gucken, die ich berate“, sagt sie. Sie wird auch nicht darüber informiert, ob oder wann der mit ihrer Hilfe erstellte Rentenantrag bewilligt wurde. Das teilen die Versicherungsträger nur den Betreffenden selbst mit.

Immer etwas zu tun

Carola Runge, die ihre knapp bemesse Freizeit mit ihrem Mann, ihren Kindern, zwei Schäferhunden und Sport im Fitnessstudio verbringt, erfährt derweil anderes von ihren „Schützlingen“. Wie dem Mann, der ihr von seinen grüne Eier legenden Hühnern erzählte. Inzwischen hält auch Carola Runge eine der Rassen, die unter dem Begriff „Grünleger“ zusammengefasst werden. Für die grüne Farbe der Eier sorgt laut Internetlexikon Wikipedia übrigens der Gallenfarbstoff Oocyan.

Als das Gespräch mit der Reporterin beendet ist, guckt Carola Runge auf den Anrufbeantworter. Er blinkt heftig. In Carola Runges Ehrenamt gibt es immer etwas zu tun.